Mein Tagebuch: 15.01.2021

15. Januar, Freitag: Lockdown nach Schweizer Art

Es schneit und schneit. In den Bergen haben Lawinen einige Strassen versperrt.

Ab nächstem Montag hat der Bundesrat wieder einen strengeren Lockdown verordnet. Die Begründung: Die Zahlen seien nicht tief genug gesunken, wegen der Feiertage sei viel zu wenig getestet worden. Vor allem sei das Virus mutiert und um 70% ansteckender. Wir fragen uns: «Woher weiss man das? Wer hat das wie festgestellt?» Grossbritannien sei ein abschreckendes Beispiel, das dortige Gesundheitswesen ist anscheinend wegen des mutierten Virus zusammengebrochen. Die Queen (94) und ihr Ehemann (99) haben sich vorbildlich impfen lassen. Deutschland ist ein positives Vorbild für die Schweiz. Die dortigen Massnahmen sind wieder sehr streng, sogar Bewegungseinschränkungen für einen Radius von mehr als 15 km sind an der Tagesordnung. Wurde dem mutierten Virus ein Kilometerzähler eingebaut?

Der Lockdown der neusten Ausgabe zeichnet sich durch die üblichen schweizerischen Kompromisse aus, denn der Gewerbeverband durfte im Unterschied zu letztem Frühjahr mitreden. Dinge für den kurzfristigen täglichen Bedarf – wer definiert das? – dürfen verkauft werden: «Blumen ja, Kleider nein» heisst die heutige Schlagzeile im «Bund»: «Ab nächstem Montag dürfen wir in der Schweiz keine Schuhe mehr kaufen, Blumensträusse aber sehr wohl. Wir dürfen in den Baumarkt, nicht aber ins Möbelgeschäft. Wir können im Handel Briefpapier und Stifte erstehen, aber keine Sportbekleidung.» Mein Zusatz: Zum Coiffeur darf man, operiert werden darf man nicht, Geschirr und Kochtöpfe, auch Unterwäsche kann man kaufen, T-Shirts nicht. Druckertoner muss ich heute noch dringend besorgen. Auch dieser gehört nicht zum täglichen kurzfristigen Bedarf, obwohl er alles andere als langfristig hält.

Restaurants, Bars und Freizeitbetriebe können nicht wie ursprünglich vorgesehen ab dem 22. Januar wieder öffnen, sondern müssen noch 5 weitere Wochen geschlossen bleiben. Die SVP – die Schweizer Volkspartei, deren Freunde wir nicht gerade sind, die uns jedoch im Verlaufe des letzten Jahres sympathischer geworden ist, schreit auf: «Heimbewohner*innen haben sich sicher nicht im Fussballstadium und in Restaurants angesteckt!» Das ganze Szenario wird immer absurder. Georg meint: «Wenn man alles den Bürokrat*innen überlässt, kommt nichts Gescheites dabei heraus ausser neue Formulare.» Eine Wirtin erzählt im Radio, dass sie 2 Restaurants in 2 verschiedenen Kantonen führe und 2 verschiedene Formulare ausfüllen müsse, um eine Entschädigung zu beantragen.

Bundesrat Berset hat die Psycholog*innen vertröstet: Seine Sachbearbeitenden seien wegen Corona völlig überlastet. Der über 20 Jahre pendente Antrag der Psychologieverbände, die Dienstleistung der psychologischen Psychotherapeut*innen von den Krankenkassen vergüten zu lassen, wird wieder einmal aufgeschoben. Dabei ist die Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen in der Schweiz jetzt erst recht durch Corona sehr mangelhaft. Der Berufsverband reagiert mit grossem Verständnis, wie es Psycholog*innen eben tun.

Ob die Skigebiete schliessen, bleibt den Kantonen überlassen. Ein paar Kantone wehren sich vehement gegen die Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns. Die Zahlen sind gesunken, die Spitäler haben genügend Kapazitäten, es sterben weniger Menschen als sonst. Von Grippe spricht niemand mehr. Wurde diese dank Impfungen ausgerottet? Mir kommt es vor, als würden wir alle in ein steriles Versuchslabor gesteckt, auf eine fürsorgliche Art und Weise durchgetestet und durchgeimpft, dann weiterhin noch für eine lange Zeit beobachtet … Doch so etwas darf ich weder denken noch äussern, denn dann wäre ich eine Verschwörungstheoretikerin. Man darf auch das Wort Plandemie statt Pandemie nicht in den Mund nehmen.

Ein Beispiel dafür, wie wir auf dies alles positiv reagieren können, gibt die britische spirituelle Lehrerin Diana Cooper. Gerade jetzt ist die Zeit günstig, um unsere Schwingungen zu erhöhen und spirituell zu wachsen: «Lets collectively raise our frequency during this new wave of change and use lockdown positively to grow spiritually and spread the light.»

Become a star! Doch bitte bleibe mit beiden Füssen auf der Erde, auch wenn du wie ein Stern leuchtest! 

Foto und Text: Petra Dobrovolny   

Mein Tagebuch: 18. August 2020

18. August, Dienstag:

Es ist immer noch herrliches Sommerwetter, unsere Tomaten beschenken uns mit einer grossen Ernte. Und die WHO möchte mich auch beschenken: Ich erhalte eine E-Mail: 1,5 Mio Euro Sozialhilfe, falls ich alle meine privaten Daten angebe. Eine solche Bedingung stellen unsere Tomaten nicht …

Es gibt sie noch, die mutigen Schweizer und Schweizerinnen! Immer mehr Eltern wehren sich dagegen, dass ihre Kinder in der Schule Masken tragen müssen. Eine Gruppe, die sich „Freunde der Verfassung“ nennt, plant ein Referendum gegen das neue Covid-19-Gesetz. Dieses bestimmt, dass die bundesrätlichen Massnahmen ab diesem September vom Notrecht in reguläres Recht übergehen und gilt für 1 Jahr. Eine andere Gruppe, das „Netzwerk Impfentscheid“ setzt sich gegen einen eventuellen Impfzwang ein, der vom Bundesrat beschlossen werden kann. Das BAG verneint, dass eine Zulassung ungenügend geprüfter Impfstoffe drohe. Auch weiterhin müsse ein Zulassungsgesuch an das Heilmittelinstitut Swissmedic gestellt werden. Dieses prüfe dann die Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit.

Frau Merkel bezeichnet die Lage in Deutschland als besorgniserregend, aber beherrschbar. Umgerechnet auf die Einwohner der Schweiz steigt dort die Zahl der registrierten Infizierten auf 150 „Fälle“ pro Tag. In der Schweiz liegen wir jetzt bei ca. 250. Wie würde Frau Merkel denn diese Situation bezeichnen? Reise-Rückkehrende aus Kroatien, Kosovo, aber auch Frankreich und Spanien sorgen für den Anstieg.

Heute berichtet „Der Bund“ über eine voraussichtlich neue Strategie in unserem Nachbarland: Herr Drosten schlägt ab Herbst den erfolgreichen japanischen Weg vor. Es geht dabei um eine möglichst schnelle Rückverfolgung bei „Cluster-Risiken“. Erfahrungsgemäss stecken sich besonders viele Leute bei Partys, Feiern, Gottesdiensten, Chortreffen, in Grossraumbüros und Klassenräumen an. Habe sich jemand infiziert, müsste man sofort alle „Cluster-Teilnehmer“ in Selbstisolation schicken. Dafür genügten 5 Tage als „Abklingzeit“. Erst danach sollten die Isolierten getestet werden. Bei den PCR-Tests könnte man zusätzlich einen Schwellenwert für die Viruslast definieren, bei dem Infizierte überhaupt noch ansteckend sind. Ich bin perplex: Positiv Getestete sind gar nicht unbedingt ansteckend, und man könnte sogar einen Schwellenwert definieren! Dies bedeutet, dass bisher viel zu viel Aufwand betrieben wurde und die meisten Massnahmen sich erübrigt hätten! Japan hatte keinen Lockdown verhängt. Und jetzt sollen 5 Tage genügen! Eine solche Strategie würde sich sogar den Forderungen der Professoren Haditsch, Homburg und Bhakdi annähern! Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Die Engelkarten von Estelle verkünden für diese Woche: „Macht weiter so, ihr habt euer Ziel bald erreicht! You are nearly there! Es gibt Hoffnung auf Frieden und Harmonie! Ihr seid bereit, denn ihr seid wieder mit euren Herzen verbunden! You’re ready!“

Heute ist Neumond im Zeichen des Löwen: Ein neuer Anfang erwartet uns und eine liebevolle Verbindung zu Menschen, die wir neu kennenlernen. Zu meinen Klangmeditationen kommen jetzt auffallend jüngere Leute, die ich bisher nicht kannte. Eine Teilnehmerin erzählt von ihrer Vision: Christus sei erschienen, hinter ihm ein riesiger Engel, der die ganze Gruppe umarmt und gesegnet hätte. Einen Tag später zeigt sie mir ihr Heft mit der Zeichnung dieser Vision. Christus steht auf der Erdkugel, mit dem rechten Fuss auf England. Hinter ihm steht ein grosser hellgelber Engel. Ich frage sie, ob sie gewusst hätte, dass Christus auch in England gewirkt hätte. Das hatte sie nicht gewusst und freut sich darüber, dass sie den Fuss Christi richtig platziert hat. 

Text und Foto: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 7. Juni 2020

7. Juni, Sonntag:

In der Nacht habe ich geträumt, dass unsere Nachbarn aus Neuseeland zurückkommen. Ich empfange sie bei ihrer Haustüre, erkläre ihnen die neusten „Corona-Regeln“ und schenke ihnen zwei Hygienemasken.

„Das Magazin“ Nr. 23 zum Wochenende ist ein „Corona-Erinnerungsheft“ mit 28 Beiträgen verschiedener vom Lockdown Betroffener. Ein Obdachloser, eine Schriftstellerin, ein Ausstellungsmanager und Fachleute aus den Bereichen Pädagogik, Virologie, Epidemiologie, Pathologie und der Krankenpflege, die „an der Front“ arbeiteten, erzählen von ihren Erlebnissen. Auch unsere Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga beschreibt, wie sie die grosse Verantwortung in dieser Zeit erlebt hat. Sie sei sehr erleichtert darüber gewesen, dass die Bevölkerung so gut mitmachte und die Massnahmen befolgte. Da sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen, sie hätte alle umarmen können.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie erschrocken ich am 16. März darüber war, dass ich ungefragt plötzlich zu einer Risikogruppe gehören sollte. Sehr fürsorglich wurde mir dingend empfohlen, zu Hause zu bleiben, um so Leben zu retten. Den täglichen Einkauf sollte mir jemand vor die Türe stellen. Zum Glück liess sich Georg nicht davon abhalten, für uns einzukaufen. Fast jeden Tag fuhren wir abwechselnd in die Stadt zu meiner Praxis. Nie wurden wir von der Polizei angehalten, noch von Nachbarn denunziert. Uns war klar: Solange es keine Schutzmasken gibt, bleibt der Lockdown. Doch der Bundesrat wurde für diese materialorientierte Massnahme erst viel später kritisiert. Ich vermute, dass auch deswegen Frau Sommaruga ein Stein vom Herz plumpste: Alle waren während der anfänglichen Schockstarre brav, niemand ging auf die Barrikaden. Im Unterschied zu anderen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien, war es nicht verboten, das Haus zu verlassen, in der Schweiz blieb es immerhin „nur“ bei einer Empfehlung.    

Eindrucksvoll sind in diesem Magazin auch die Fotos von menschenleeren Zügen, Autobahnen, dem Zürcher Flughafen und Hauptbahnhof.

„Wo ist das Virus hin?“ fragt die Berner Zeitung von gestern. Brachte das Sommerwetter den Plagegeist zum Verschwinden? Studien zeigen einen nur bescheidenen Effekt der warmen Temperaturen. Weitere Forschungsergebnisse bestätigen die gute Wirkung von Masken und Abstandhalten. Nur ein Fünftel aller Infizierten erkrankt schwer. Der Epidemiologe der ETH Lausanne, Marcel Salathé, sagt. „Die Rechnung für die Zukunft ist einfach: Je mehr man lockert, desto besser müssen die Schutzkonzepte greifen.“
Die Restaurantbesitzer*innen sind nicht zufrieden. Bars und Clubs dürfen auch wieder öffnen und haben weniger strenge Vorschriften als Restaurants zu befolgen. Auch das Rotlichtmilieu darf die Arbeit wieder aufnehmen, mit einem gewissen Abstand von Kopf zu Kopf und dem häufigen Wechsel der Leintücher. In den Stadien ist ein Publikum von 10‘000 Menschen erlaubt. Eine meiner Freundinnen findet es bezeichnend, dass sich wieder mal die Lobby der Machos in Bezug auf Fussball und Sex durchgesetzt hätte.

Estelle schaut für die kommende Woche wieder in die Karten: „It’s all about love!“ Wir werden uns von etwas verabschieden, von der Dunkelheit nach vorne ins Licht gehen. Wir werden Geschenke erhalten oder geben, innere Entscheidungen treffen, die unserem Herzen guttun. Die Engel sagen wieder mehrmals: „Yes!“ Wir sollen uns keine Sorgen machen, wir werden es schaffen!  

Foto – Petra Dobrovolny – der neuen „Corona“ – Fahne, die zur Solidarität aufruft: : Schweizer Kreuz in den Wort „wir“ in den 4 Landessprachen 

Mein Tagebuch: 11. Mai 2020

11. Mai, Montag:

In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter.
Die Zeit vergeht so schnell! Und es passiert so viel!

Inzwischen hat die Sondersession des Parlaments stattgefunden. Wegen der Abstandsregeln in der extra zu diesem Zweck für 3 Mio. CHF aufgerüsteten Ausstellungshalle anstatt im engen Bundeshaus. Doch die neue Weite wirkte sich nicht auf das Denken der Parlamentarier*innen aus, im Gegenteil: Sie wirkten in der ungewohnten Umgebung verloren und verunsichert. Der Bundesrat wurde gelobt und verdankt, die Massnahmen wurden nachträglich durchgewunken.
Klaus Stöhlker, ein Unternehmensberater, schreibt im „Paradeplatz“: Nach 2 Monaten Virus-Ferien folgt der grosse Kater. Aus der reichen Schweiz ist über Nacht ein armes Land geworden. Der Pandemie-Lockdown sei nicht nötig gewesen.

Am 8. Mai war ein besonderer Gedenktag: Vor 75 Jahren wurde das Ende des Zweiten Weltkriegs ausgerufen. Die Briten nennen diesen Tag den Victory-in-Europe-Day. Gedenkfeiern finden wegen der jetzigen Umstände im kleinen Rahmen oder online statt. Im Radio werden Leute interviewt, die dieses Datum miterlebt haben und sich noch daran erinnern können. Eine Hörerin aus Schaffhausen, damals ein 9jähriges Kind, erzählt: Ein Nachbar sei zu ihnen gekommen und hätte ihrer Mutter die Nachricht verkündet. Die Mutter hätte kaum glauben können, dass der Krieg nach 6 Jahren auf einmal vorbei sein sollte. Sie hätte aber im Keller noch eine Flasche Wein gefunden und zusammen mit dem Nachbarn auf den Frieden angestossen. Der Nachbar hätte gemeint: „Ich habe noch eine Hakenkreuzfahne im Keller aufbewahrt. Falls die deutschen Truppen doch noch kommen sollten, hänge ich sie zur Sicherheit raus.“ Die Hörerin erzählt auch, dass sie und ihre jüngere Schwester die Erleichterung und die gleichzeitig anhaltende Skepsis der Erwachsenen mitbekommen hatten. Abends vor dem Einschlafen hätte die Mutter sie noch lange Zeit beruhigen müssen: Alles sei wieder in Ordnung. Die zwei Mädchen hatten nämlich erleben müssen, dass sie nachts bei Bombenalarm aus ihrem warmen Bettchen in den Keller fliehen mussten.

Am Samstag, den 9. Mai, finden in Bern, Basel, St. Gallen und Zürich Demonstrationen für Freiheit und Bürgerrechte statt. Die meisten Teilnehmenden gehörten zu den sogenannten Risikogruppen – ein „Mistbegriff“, meint Georg. Einige waren im Rollstuhl dabei. Sie versuchten, die Abstandsregeln einzuhalten, wurden jedoch von der Polizei, die Schutzmasken trug, umzingelt. Schliesslich seien diese nicht-bewilligten Demonstrationen aufgelöst worden, mehrere Dutzend Teilnehmende seien angezeigt worden.
Der Berner Sicherheitsdirektor sagt, dass sein Herz aus epidemiologischer Sicht geblutet hätte. Die Meinung seines „bürgerlichen Herzens“ hat er der Zeitung nicht verraten. Alle Bemühungen würden zunichte gemacht durch das Verhalten, wie es an dieser Demo zu sehen war. (Berner Zeitung vom 11. Mai)

Im „Magazin“ Nr. 19 vom 9. Mai wird die Digitalministerin Taiwans, Audrey Tang, interviewt. Sie meint, die Pandemie sei ein Verstärker: Wenn die Regierung bereits autoritär sei, verstärke sich der Autoritarismus. Wenn die Demokratie partizipatorisch sei, verstärke sie sich in diese Richtung. Auf die Frage, ob ein liberaler Ansatz wie in Schweden effektiver sei als ein autoritärer, antwortet Frau Tang, kooperatives Regieren, also eine Beteiligung der Zivilgesellschaft, sei der effektivste Weg. Taiwan hat nie einen Lockdown verhängt. Die Bürger seien der Meinung, dass sie selbst für den Erfolg verantwortlich seien! Die Regierung habe zu langsam reagiert, aber die Bürger hätten der Regierung geholfen und Taiwan gerettet. Wichtig ist die schnelle Kontaktnachverfolgung. Das Wichtigste jedoch sei es sicherzustellen, dass jeder Bürger, jede Bürgerin, den epidemiologischen Grund jeder Massnahme bzw. Entscheidung der Regierung versteht.
Das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit hat in den letzten 2 Monaten kaum dazu beigetragen. Die Informationen der jeweiligen Pressekonferenzen waren häufig ungenau und widersprüchlich, die Entscheide nicht nachvollziehbar. Nachträgliche Korrekturen stifteten Verwirrung. Die Benutzerfreundlichkeit der entsprechenden Webseiten lässt zu wünschen übrig. In der Sonntagszeitung vom 10. Mai bemängelt der Ressortleiter für Datenjournalismus, Dominik Balmer, die „kalkulierte Ignoranz“ des BAG im Umgang mit Daten. Die Corona-Fälle wurden von den Kantonen teilweise per Fax übermittelt. Dies überforderte das BAG, so dass man hier sogar Papierstapel auf eine Waage legte, um die neuen Fallzahlen abschätzen zu können. Aufgrund dieser dürftigen Zahlen wurden Entscheide gefällt! Meine Frage: Wie können dann Bürger und Bürgerinnen solche Entscheide verstehen, geschweige denn mittragen?
Dabei hatte der Bund bereits am 30. November 2018 eine neue Strategie der Handhabung von Daten der Bundesverwaltung beschlossen: die „Open-Government-Data-Strategie“. Die Daten sollten gemäss Bundesrat „offen, frei und maschinell nutzbar publiziert werden“. Soweit die Theorie. Die Corona-Krise bringt einiges zum Vorschein.

Wie werden Anweisungen, die lange Zeit galten und ständig wiederholt wurden, wieder rückgängig gemacht? Viele Menschen haben jetzt immer noch Angst, eine Arztpraxis zu betreten. Der Verband der Fachärzte für Innere Medizin hat dazu aufgerufen, bei Beschwerden nicht länger zu warten und endlich den Hausarzt aufzusuchen. Bei bestimmten psychischen Krankheiten nehmen wahnhafte Vorstellungen zu. Die Betroffenen fühlen sich verfolgt und haben Angst, von ärztlichem Personal umgebracht zu werden. Endlich erhalten wir aus Neuseeland eine Nachricht von unseren Nachbarn! Am Donnerstag beginne dort die Phase 2, ein vorsichtiges Öffnen des sehr strengen Lockdowns. Erst dann könnten sie ihre Umgebung verlassen und wieder Ausflüge unternehmen. Die Landesgrenzen blieben aber noch geschlossen, internationale Flüge wären nur sehr beschränkt möglich. Mit ihrer Rückkehr in die Schweiz rechnen sie vorsichtig geschätzt mit Mitte Juni. Ihre Kinder, die hier in der Nähe von Bern wohnen, würden nächste Woche den inzwischen verwilderten Garten bestellen, der unmittelbare Nachbar bekäme dann die Aufgabe, die neue Saat zu begiessen. Wir sind erleichtert über diese neue Klarheit. Gestern war Muttertag mit geschlossenen Restaurants. Ab heute öffnen Schulen, weitere Geschäfte und Restaurants, natürlich unter den gebotenen Vorsichtsmassnahmen. Im öffentlichen Verkehr gilt wieder der normale Jahresfahrplan. Wo der Abstand von 2 Metern nicht eingehalten werden könne, werden jetzt doch Schutzmasken empfohlen. Auf die „Schnauze“ einiger Zürcher Trams haben die Verkehrsbetriebe eine grosse Maske gemalt nach dem Motto: „Mit gutem Beispiel voran!“ In Restaurants muss jeder Gast seinen Namen mit Telefonnummer angeben. Doch diese Anweisung wurde vom Datenschützer bereits zurückgewiesen. Es soll freiwillig sein. Aber dies ist noch nicht zu den Restaurants durchgedrungen. Am Eingang steht jeweils eine angestellte Person, die die Personalien aufnimmt und dann einen Tisch zuweist. Georg ging heute ins Casino-Café. In dem grossen Raum sassen ausser ihm nur zwei weitere Gäste. Der Betriebsleiter sagte zu Georg: „Jetzt haben wir endlich wieder geöffnet, und es kommt fast niemand!“ Zeitungen liegen keine mehr auf, da es gefährlich scheint, wenn sie von unterschiedlichen Händen angefasst werden.

Die neuste Nummer der Zeitschrift raum&zeit für Mai und Juni hat natürlich Corona zum Thema, besonders die Suche nach einem homöopathischen Mittel. Wichtig sei es, den „Genius epidemicus“ zu Covid19 herauszufinden, so wie es zur Zeit der Spanischen Grippe vor 100 Jahren gelungen war. Es wird berichtet, wie damalige Lungenentzündungen erfolgreich mit Homöopathie behandelt wurden, ohne dass die Betroffenen daran starben. Der Arzt Ravi Roy, ein erfahrener Homöopath, sähe die kollektive Lernaufgabe beim Corona-Virus darin, dass Menschen durch ihre Ängste und Unsicherheiten hindurchgehen und Sicherheit in sich selbst finden.
Dies deckt sich mit den Aussagen der Kartenlegerin Estelle für diese Woche: Während der Zeit des Lockdowns haben wir in der Zurückgezogenheit Möglichkeiten entdeckt, unser Leben anders zu gestalten. Manche stehen nun vor einer wichtigen Entscheidung. Letzte Woche unterstützten uns die Engel mit einem dreifachen „Yes! Yes! Yes!“ Dies tun sie auch diese Woche wieder, es sei jedoch an uns die Entscheidung zu treffen. Diese sollten wir im stillen Kämmerlein treffen, jenseits von „likes“ und „dislikes“ der anderen. In der Stille fänden wir die innere Führung. „Create this new life from your inner wisdom!“ Also: Verbunden mit der inneren Weisheit können wir Bedeutsames träumen! So würden sich unsere Wünsche erfüllen.   

Der Baukran über der Schweizerischen Nationalbank bewegt sich wieder. Der Präsident der SNB sagt: „Wir operieren mit erhöhter Unsicherheit.“ Die Schweizer Wirtschaft scheint nun eine Patientin zu sein, die operiert werden muss. Vielleicht müssen bisher wichtige Teile ausgewechselt werden. Georg meint: Die schweizerische Exportstärke würde durch die Corona-Krise zur Schwäche.

„Dream big! Wishes will come true!“   

 

Text und Fotos: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 5. Mai 2020

5. Mai, Dienstag:

Heute ist ein Regentag. Der Himmel ist grau, die Erde wunderbar grün und blütenbunt.
Das BAG zieht in Erwägung die Massnahmen für Risikogruppen, besonders für ältere Menschen, neu zu definieren. Wir sind gespannt.
Für die Schweiz wurden gestern 88, heute 28 Neuansteckungen gemeldet.
Die WHO beurteilt das Vorgehen in Schweden ohne Lockdown und mit Setzen auf die Eigenverantwortung als gut. Die Weltgesundheitsorganisation überlegt sogar, ob sie Schweden als Vorbild empfehlen solle. 
Die freie Medienfachfrau Preradovic interviewt wieder Prof. Homburg von der Uni Hannover. Dieser fordert aufgrund seiner wissenschaftlichen Zahlenanalysen die sofortige Aufhebung aller Massnahmen ohne ideologische Diskussionen darüber, was bis jetzt alles schlecht gelaufen sei. Er entlarvt zwei falsche Behauptungen des bayrischen Ministerpräsidenten Söder:

1. Man müsste unbedingt eine 2. Welle vermeiden, die mit Sicherheit käme, das hätte man in Singapur gesehen. Die offiziellen Zahlen zeigen aber für Singapur keine 2. Welle.
 
2. Schwedens Modell sei untauglich, die Zahl der Toten erhöhe sich dramatisch. Auch dies stimme so nicht, meint Prof. Homburg. Durch den Gegenwind wollten andere europäische Länder unbedingt vermeiden, dass sich ein gelungenes Gegenbeispiel zur eigenen verfehlten Politik zeige. Zwar habe Schweden mehr Todesfälle als Deutschland, liege jedoch zwischen Frankreich und der Schweiz, sogar weit unter Belgien. Das Virus verhalte sich eben unabhängig von der Politik.
Besonders unverständlich ist, dass auch das Robert-Koch-Institut alle Verstorbenen in einen Topf wirft: Waren zum Beispiel Verkehrsopfer, Opfer häuslicher Gewalt oder Suizidfälle mit dem Virus infiziert, werden sie so gezählt, als seien sie an Covid19 gestorben.
Die Stanford Universität sagt, dass die Sterberate bei Covid19 mit 0.2 % nicht höher sei als bei einer Grippe.
Die neusten Erkenntnisse der Feldstudie in Heinsberg und dem Team um Prof. Streeck: 22% der Infizierten hatten gar keine Symptome, also etwa jeder 5. merkte nichts von Covid19. Die Wahrscheinlichkeit, sich in einem gemeinsamen Haushalt anzustecken beträgt lediglich 15%. Die Sterberate im Kreis Heinsberg würde mit 0.37% hoch eingeschätzt, sie läge in Wirklichkeit eher tiefer. Seine Aussagen interessieren auch ausländische Fernsehstationen.

Unsere 90jährige Nachbarin möchte den Sammelband „Reiseträume erfüllen sich“, den ich ihr zur Ansicht überlassen hatte, bei mir kaufen. Ich bin dort mit 3 Reiseberichten nach Irland, Kauai’i und in die Karibik vertreten. Sie freue sich darauf, mit mir beim Lesen zu reisen, denn jetzt wäre dies in der Wirklichkeit nicht möglich. Wie in einer anderen Wirklichkeit hätte sie sich vor ein paar Wochen gefühlt: Sie musste in der Stadt etwas erledigen und rüstete sich mit Hygienemaske und Einweghandschuhen aus. Als sie in den Bus stieg, sah sie zu ihrem Erstaunen nur 3 weitere Fahrgäste, alle ohne Maske und Handschuhe. Da hätte sie ihre Ausrüstung wieder eingepackt. Und die Stadt sei menschenleer gewesen. So etwas hätte sie in ihrem langen Leben noch nie erlebt.

Mein Tagebuch: 28. April 2020

28. April, Dienstag:
Die Kartenlegerin Estelle gibt das Motto der Woche bekannt: „Re-create your life!“ Die Zeitqualität sei jetzt günstig, sich selbst und das eigene Leben neu zu erschaffen. Die besten Ideen kämen in einem Zustand der Zurückgezogenheit. Die Botschaft der Engel lautet: „Es kommt noch etwas Besseres – als dein bisheriges Leben -, lass alles los, was dir nicht dient und nicht mehr zu dir passt. Mit Liebe und Leidenschaft schöpfst du neue Ideen aus deiner Tiefe. Dream big! Das bedeutet: Der neue Lebensentwurf soll ein grosser Traum ohne Beschränkungen sein.“ Das klingt gut, denke ich. Wenn man mal von den derzeitigen Beschränkungen absieht. Doch mit einer Schutzmaske dürfen wir bald wieder fast alles. Und Träumen geht auch ohne Schutzmaske.
Georg meint, es seien noch viele grundsätzliche Fragen nicht beantwortet. Zum Beispiel: Wie lange bleibt das Virus vermehrungsfähig? Wie verschwindet es wieder, wenn überhaupt? Unter welchen Bedingungen? Weiss jemand etwas über die Mutation des Virus?

Also nochmal:
Erschaff‘ dir ein neues Leben. Sei dir deiner Absichten bewusst. Entspanne dich, schaue auf einen weiten Horizont. Dein innerer Skeptiker schweigt, es gibt keine Grenzen, alles ist möglich. Spürst du, wie dein Atem dich weitet?                     
      
Der Bundesrat hat erlaubt, dass Grosseltern ihr Enkel wieder umarmen, aber noch nicht hüten dürfen.
Der Ansturm auf die Bau- und Gartencenter sei nach der gestrigen Eröffnung riesig gewesen. Coiffeursalons sind für die kommenden 3 Monate ausgebucht. Es ist doch wunderbar, wenn die Menschen wieder bauen, ihre Gärten und Balkone bepflanzen und sich schön machen lassen wollen! Spitäler dürfen wieder alle Operationen durchführen, doch aus Angst geht jetzt kaum jemand hin. Am 11. Mai dürfen die Schulen wieder öffnen und der öffentliche Verkehr wird den Fahrplan wieder hochfahren. Die Masken werden dann zur Pflicht.

Das Robert-Koch-Institut RKI in Berlin lobt die gemeinsame Anstrengung der Bürger, die Regeln einzuhalten. Dank dessen stehe Deutschland relativ gut da. Der Anteil der Verstorbenen beträgt 3.8 % der Infizierten. Dies ist wesentlich tiefer als zum Beispiel Spanien mit 12 % und dem Vereinigten Königreich mit 13 %. Trotzdem – oder deswegen? – betont Frau Merkel immer wieder: „Wir sind erst am Anfang der Pandemie.“ Was soll denn noch kommen? Die Kliniken sind nur zu 20% ausgelastet. Zum ersten Mal höre ich von der deutschen Tagesschau, dass sich jetzt Statistikfachleute kritisch zu Wort melden: Die berühmte R-Zahl – die Ansteckungsrate – beruhe auf falschen Stichproben, die für die Bevölkerung nicht repräsentativ seien. Die Tagesschau zeigt heute nicht mehr die seit Wochen aufaddierten Fallzahlen in einer ständig ansteigenden Kurve, sodass man den Eindruck erhält, alles würde jeden Tag schlimmer. Es werden nur die Zahl der Neu-Infizierten des Vortages sowie die Zahl der Verstorbenen gezeigt. Schweden legt das Gewicht nur auf die Anzahl der Verstorbenen, die R-Zahl sei immer über 1 gewesen, trotzdem sind Schulen und Geschäfte geöffnet.
Wie unser Freund, der Chemiker, sagen viele Leute, Zahlen seien Zahlen und deswegen immer objektiv und unbestechlich. Aber: Es gibt unterschiedliche Statistische Modelle und Darstellungsweisen. Prof. Homburg der Uni Hannover, ein Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Statistik, stellt die offiziellen Daten des RKI anders da. Und, oh Wunder, das Virus hält sich sogar an die berühmte Gauss’sche Verteilung, die Kurve für das Aufkommen der Infektionen verläuft in der Form einer Glocke. Der Höhepunkt war bereits Anfang bis Mitte März, erst am 23. März erfolgte in Deutschland das Lockdown. Zu der Zeit begann die Kurve bereits zu sinken. Österreich nimmt es seit gestern, Montag, locker und lockert. Kanzler Kurz ist für ausländische Fernsehsender ein beliebter Interviewpartner, die Welt will wissen, wieso Österreich bereits dabei ist, einen „smart restart“ zu schaffen. Er sagt, die Regierung hätte rechtzeitig gehandelt, die Massnahmen seien sehr strikt gewesen, deswegen … Die Hotels dürfen Ende Mai wieder öffnen.
Statistische Zahlen lassen sich so oder so auslegen. Ausser auf die Zahlen kommt es immer auf genügend grosse und repräsentative Stichproben an. Heute berichtet der „Bund“ von teilweise fehlerhaften Zahlen. In der Schweiz übermitteln die meisten Arztpraxen ihre Meldungen an das Bundesamt für Gesundheit immer noch per Fax. Dazu müssen sie ein Formular des BAG von Hand ausfüllen, das BAG überträgt dann ebenfalls von Hand die Zahlen in die Statistiken. Bei diesem Vorgang passieren immer wieder Fehler: So war zum Beispiel ein 109jähriger verstorbener Patient als 9jähriger registriert, just zu der Zeit, zu der über die Wiedereröffnung der Schulen diskutiert wurde. Auf einem anderen Formular, mit welchem die Arztpraxen Todesfälle allgemein melden, können sie nur eine einzige Ursache aufführen.
Sehr breiten Raum in den Medien erhalten Experten, die sich mit statistischen Wahrscheinlichkeiten und Vorhersagen befassen. Diese werden dann so formuliert: „Es könnte sein, dass im Juli eine nächste Covid19-Welle auf uns zukommt.“ Statistisch gesehen könnte es aber auch nicht sein. Nur sagt das niemand. Die bisherige Welle in den Schweizer Spitälern ist ausgeblieben. Wieviel Leid wurde jedoch wegen verschobener Behandlungen und Operationen verursacht? Dies wird nicht erfasst.
Mein Tipp für Statistiker: „Lassen Sie ihre Vorhersagen von Kartenlegerinnen überprüfen. Oder ziehen Sie eine Weiterbildung in Kartenlegen in Erwägung.“
„Re-create your life!“  

Schweizer Kuh. Die Hörner wurden ihr gelassen.

Mein Tagebuch: 20. April 2020

20. April, Montag:
In St. Gallen startet man ein neues Projekt: Es werden Infizierte, die keine Symptome haben, genauer untersucht, besonders deren Abwehrkräfte. Bis jetzt wurden wegen der nicht genügenden Teströhrchen nur Infizierte mit mittel- bis schweren Symptomen getestet.
Die Rauchschwaden der nachbarlichen Zigaretten erreichen uns zumindest von der Gartenseite her seltener, sodass ich die Fenster länger öffnen kann.
Die Fische im Aquarium langweilen sich und vermissen die vertrauten Hausbewohner. Der Garten der immer noch in Neuseeland festsitzenden Nachbarn trocknet langsam vor sich hin. Die Nachbarin meinte, wir sollten nichts darin tun, sie selbst beginne nie vor Ende April. Doch sie weiss nicht, dass wir hier bereits Juni-Wetter haben.
Die SVP, die schweizerische Volkspartei, sammelt Unterschriften zu einem Aufruf, um den Lockdown sofort zu stoppen. «Ohne Wirtschaft geht die Schweiz zugrunde!» In Deutschland sagt Prof. Homburg, ein Volkswirt, die Statistik zeige, dass die Ansteckungsrate bereits vor dem Lockdown ab dem 23. März unter 1 gefallen sei. Er findet die pauschale Schliessung der Geschäfte, die nicht gerade lebenswichtige Dinge verkaufen, sinnlos. Schweden macht eine Slalomfahrt ohne Lockdown. In Jena zeigt die Maskenpflicht beim Einkaufen eine positive Wirkung. Der Anstieg der Neu-Infizierten flacht ab. Frau Merkel dankt für die konstruktive Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Das Oktoberfest wird abgesagt.