Mein Tagebuch: 19.02.2022

19. Februar, Samstag: Lebensfreude steckt an!

In der Schweiz erleben wir seit 23 Monaten das erste Wochenende ohne Corona-Massnahmen. Nur im öV und in „Gesundheitseinrichtungen“ besteht noch eine Maskenpflicht bis Ende März. Am 16. Februar mit Vollmond im Löwen – wie passend! – hat der Bundesrat fast sämtliche Massnahmen mit sofortiger Wirkung ab Mitternacht aufgehoben. Ein Vollmond kündigt das Ende eines Zyklus an, der Löwe steht für ein Herz für das Wohl der Allgemeinheit. Der Bund übergibt die Verantwortung wieder den Kantonen und jedem und jeder einzelnen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals meine Eigenverantwortung abgegeben hätte. Es wird kein „Freedom Day“ deklariert, denn wir dürfen uns nur vorsichtig freuen. Der Bundesrat werde wachsam bleiben, niemand wüsste, ob es im Herbst nicht ein noch schlimmeres Virus gäbe.
Normalerweise, d.h. gemäss biologischem Gesetz, schwächt sich ein Virus im Verlaufe seiner Evolution ab und entwickelt sich nicht wieder „zurück“ zu einer neuen oder grösseren Stärke. Dies war bei der Spanischen Grippe auch so. Man müsste eher das Institut für Virologie in Wuhan fragen, was für Herbst geplant sei und ob an einer „Rückentwicklung“ geforscht werde.
Die Tagespresse kritisiert die „Turbo-Öffnung“ des Bundesrates. Die Schlagzeile, dass es gemäss Aussagen von Experten deswegen mehr Corona-Tote gäbe, macht die Runde (20 Minuten vom 17.02.2022).
Ein Aufatmen geht durch das Land, die Lebensfreude kehrt zurück. Trotz aller Mahnungen zur Vorsicht und weiterer Angstmacherei durch die Medien.    
Am meisten freut sich die Gastronomie, denn sie möchte wieder gastfreundlich sein und nicht mehr Polizei spielen. Das Covid-Zertifikat ist im Inland nicht mehr nötig, ein EU-kompatibles wird jedoch auf Wunsch für Auslandreisen ausgestellt.

Eine Nachbarin sagt zu mir: „On a gagné!“ „Wir haben gewonnen!“ und erzählt mir, dass am Wochenende ihre ganze Familie nach Leukerbad kommen und oben auf dem Torrent im Restaurant feiern wolle. Jetzt werde sie erst mal in die Therme gehen.
Von einem Tag auf den anderen wurde die 2Gplus-Regel, die seit September für die Leukerbader Therme galt, aufgehoben. Auf den Besucherstrom hatte die Einschränkung kaum eine Wirkung gehabt, die Therme war besonders zu Ferienzeiten sehr gut besucht. Ich habe mich gewundert, wie geduldig so viele Geimpfte und Genesene auch noch die sinnlose Schikane eines fragwürdigen Tests über sich ergehen liessen. Jetzt fallen plötzlich alle „Schutzmassnahmen“ weg, sodass zu erwarten wäre, dass vor lauter Angst kein Mensch mehr in die Therme geht. Weit gefehlt! Aus Neugier gehe ich auf meinem Spaziergang dort vorbei. Vom Eingangsbereich aus kann man auf die Schwimmbecken schauen. Dort drängen sich die Gäste dicht an dicht, zum Schwimmen gibt es gar keinen Platz. Vor der Kasse warten viele gut gelaunt und ohne Maske und Abstand.
Im Supermarkt Migros sehe ich nur eine ältere Frau und ein ausländisches junges Paar mit Maske. Wer eine Maske tragen möchte, darf dies weiterhin tun. Georg wurde am letzten Montag, den 15. Februar, von einem jungen Mann im Bus dazu aufgefordert, die Maske richtig aufzusetzen. Vor zwei Jahren, als es im öV noch keine Maskenpflicht gab und Georg gerade Covid überstanden hatte, machte sich eine Frau über ihn lustig, weil er im Bus eine Maske trug. Er sähe aus wie ein Papagei. Sie zeigte ihm den Vogel und sagte auch zum Buschauffeur, dass Georg spinnt. Solche Szenen wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Eigenverantwortung sollte respektiert werden. So staunte Georg, dass der serbische Kellner im Restaurant in Bremgarten am 1. Tag der Lockerungen doch noch eine Maske trug. Wie sich herausstellte, war Mirko erkältet und wollte seine Gäste schützen.

Während ich diesen Beitrag poste, erreicht mich die Nachricht, dass Justin Trudeau das Parlament entlassen hat. Mit Polizeigewalt geht er gegen die Freedom Truckers vor. Dies ist ein trauriger Tag für Kanada und für die Welt.  

Foto und Text: Petra Dobrovolny