Mein Tagebuch: 04.12.2021

04. Dezember, Samstag: Sonnenfinsternis

Heute findet im Sternzeichen Schütze eine totale Sonnenfinsternis bei Neumond statt. Astrologisch gesehen schliesst sich ein Zyklus. Das Alte geht, das Neue kommt. In geistiger Hinsicht findet eine Wiedergeburt statt: Wir lassen uns «von oben» keine Angst mehr machen. Gemeinsam sind wir stark, vernetzen uns und finden gemeinsam Lösungen. Die Sternenkonstellation begünstigt, dass die Wahrheit zum Vorschein kommt. Gleichzeitig herrscht aber auch viel Verwirrung darüber, was jetzt stimmt und was nicht. Die britische Astrologin Pam Gregory fasst es zusammen: «Die Angst geht, die Liebe kommt.» Wir werden uns nicht mehr gegenseitig bekämpfen. Konkurrenzdenken verabschiedet sich, Zusammenarbeit wird gefragt und führt zum Erfolg im Dienst einer Sache. Auf die nun kommende Zeit können wir uns am besten einstimmen, wenn wir über unsere Wünsche meditieren und neue Absichten formulieren. Was macht uns glücklich? Wie soll die Welt aussehen, in der wir leben möchten? Das Sternzeichen Schütze steht für Wahrheit, Gerechtigkeit, Glaubenssysteme, Weisheit und höheres Bewusstsein. Auf diesem Gebiet wird sich in den kommenden sechs Monaten viel tun. Vor allem in den USA, deren Geburtshoroskop durch die Wiederkehr von Pluto besonders aktiviert wird.

Vorgestern hat das britische Gesundheitsamt bestätigt, dass die Impfung unbedingt in den Muskel und nicht in eine Vene verabreicht werden soll. Die Nadel soll nach dem Einstich und vor dem Injizieren ein Stück zurückgezogen werden. «To aspirate» heisst das auf Englisch. Dr. John Campbell freut sich über diese offizielle Anweisung, fragt sich aber: «Warum erst jetzt?»

Es schneit und schneit. Auf unserer Dachterrasse liegt schon ein halber Meter Schnee. Georg sagt mir am Telefon, dass es in Bremgarten am Nachmittag 8 oder 10° warm werden soll. In Leukerbad wird ein Gewitter mit heftigem Sturm erwartet. Somit packe ich jetzt meine Sachen und nehme Bus und Zug Richtung Bern.

Foto und Text: Petra Dobrovolny      

Mein Tagebuch: 03.12.2021

03. Dezember, Freitag: Rätsel gelöst?

Nach langen Stunden mit ununterbrochenem Schneefall kommt heute die Sonne wieder zurück. Auf unserer Dachterrasse in Leukerbad liegen 30 cm Schnee.

Seit dem 1. Dezember darf kein ungeimpftes Flugpersonal mehr fliegen. Was passiert, wenn der Pilot als eine Folge der Impfung plötzlich einen Herzinfarkt bekommt? Am Flughafen Zürich schwingen die Freiheitstrychler bei einer friedlichen Demo am 1. Dezember wieder ihre Kuhglocken.

Seit den Massenimpfungen haben Herz- und Kreislauferkrankungen zugenommen. Es gibt Sportler, die plötzlich auf dem Fussballfeld oder Leute, die im Ruheraum des Impfzentrums umfallen. Weiss niemand, warum?

      https://www.bitchute.com/embed/WCfyNz0eK6zV/

In diesem Video klärt ein Chemiker darüber auf, was in den mRNA-Impfstoffen noch drin ist. Ein spanischer Arzt habe herausgefunden, dass sich in allen Impfstoffproben nanoskalische monolagige Aktivkohle, also Graphenhydroxid, befände. Wenn diese Aktivkohle in eine Vene gelangt – bei inkompetenten Personen, die impfen, kann dies passieren – zerschneiden die Atome, die nicht biologisch abbaubar sind, die Wände der Blutgefässe von innen. Das Resultat: Die Menschen verbluten innerlich. Besonders Sportler, deren Kreislauf trainiert ist. Graphenhydroxid verwendet man industriell zur Herstellung von langlebigen Bremsscheiben. Bei mRNA-Impfstoffen hilft Graphenhydroxid den Impfstoff in die Körperzelle einzuschleusen. Gelangen diese Nanopartikel in die Blutbahn eines Menschen, wirken sie wie Rasierklingen. Blutgefässe, Herz und Gehirn werden von innen her zerschnitten. Toxikologisch kann diese Aktivkohle nicht nachgewiesen werden, da bei einer solchen Prüfung Petrischalen verwendet werden. Dr. Noack fordert dringend einen wissenschaftlichen Dialog über dieses Thema und das Teilen seines Videos. Das Umfallen von Leuten nach der Impfung im Ruheraum sowie der Anstieg von Herz-Kreislauf-Krankheiten seit den Massenimpfungen dürfen kein Rätsel mehr sein.

Der Impfstoff darf wegen dieser «Nebenwirkungen» keinesfalls in den Blutstrom injiziert werden. Dr. John Campbell, der Pflegefachleute unterrichtet, erklärt auf seinem Youtube-Kanal in mehreren Videos ausführlich, wie geimpft werden sollte: Wenn die Nadel in den Arm gestossen wird, sollte sie vor der Injektion etwa zur Hälfte wieder herausgezogen werden. Nur so lässt sich kontrollieren, ob ein Blutgefäss getroffen wurde oder nicht. Ist dies der impfenden Fachperson nicht bekannt, ist die Impfung ein russisches Roulette, wie der oben erwähnte Chemiker sagt. 

Foto: Ein nach der japanischen Kunst „Origami“ gefaltetes Herzchen und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 29.11.2021

29. November, Montag: Einfache Lösungen sind gefragt! Oder doch nicht?

In Leukerbad liegen bereits 20 cm Schnee. Ich treffe zwei Nachbarn beim Hauseingang. Einer hält den „Blick“ in der Hand. Die Schlagzeile: „Das Volk hat den Bundesrat erlöst!“ Beide Herren sind zufrieden, dass 62% der Abstimmenden die behördliche Vorgehensweise während der Corona-Zeit billigen und das Covid-Gesetz angenommen haben. 78% der über 35-Jährigen hätten „Ja“ gestimmt. Der 85-jährige Nachbar Erich meint, die Jungen fühlten sich eben in ihrer Freiheit beschränkt, aber das sei doch ein Blödsinn. In einer solchen Zeit bräuchte es einfach eine klare Führung. Auch könne nicht jeder Kanton machen, was er wolle. Der andere 80-jährige Nachbar aus Deutschland erzählt, dass dort jetzt 60 Millionen Impfdosen von Moderna vernichtet werden müssten, weil sie niemand wolle und das Datum der Verwendbarkeit inzwischen abgelaufen sei. Dabei hätte man damit doch einige Afrikaner spritzen können! Aber wir würden eben nichts gerne hergeben, meint er. Ich denke bei mir: „In Afrika wäre man vielleicht nicht unbedingt begeistert von einem solchen Geschenk.“ Beide Herren meinen, solange nicht die ganze Welt geimpft sei, bliebe die Pandemie. Ich entgegne, warum man nur auf das Impfen setze, wo es doch Medikamente gäbe. Nein, die gäbe es nicht. Da niemand mehr weiterdiskutieren will, wünscht man sich einen schönen Tag und verabschiedet sich voneinander.
Anfang November wurde in Pretoria, Südafrika, eine neue Variante des Virus entdeckt. Diese ist wahrscheinlich schon länger unterwegs und stammt auch nicht unbedingt aus Südafrika. Die WHO hat sie inzwischen mit dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabets „Omikron“ benannt. Im Vergleich zur sog. Delta-Variante weist es 50 Mutationen in den Spikeproteinen auf. Jetzt wird darüber diskutiert, ob das Immunsystem dank dem bisherigen Impfstoff auch diese neue Variante erkennen und bekämpfen könne. Immer wieder wird bekräftigt, dass alle bisherigen Impfstoffe bestens wirken, am besten nach der 3. Dosis, dem sog. „Booster“. So einfach ist das.
Bei Angst wird die Aktivität des Grosshirns, mit dem wir differenziert denken, Informationen prüfen, Meinungen abwägen usw., ausgeschaltet. Jetzt werden die Überlebensinstinkte der unteren Hirnregionen aktiv. Drei reflexartige Reaktionen haben wir wie die Säugetiere und Reptilien zur Verfügung: Flucht, Aggression oder den Totstellreflex. Flucht: Wohin kann ich in dieser Situation auswandern? Aggression: Ich schlage um mich ohne Nachzudenken und zu diskutieren. Alle, die eine schnelle klare Lösung, egal mit welchen Verlusten, verhindern, sind schuld am Andauern der Misere. Nur eine „Endlösung“ bringt die Erlösung. Covid-Null-Strategie. Das Virus muss ausgerottet werden. Impfzwang muss sein. Wer da nicht mitmacht, wird zum Sündenbock. Demokratie und Grundrechte sind Zeitverschwendung und müssen warten. Jetzt braucht es eine klare Führung. Der Totstellreflex: Ich will von dem allen nichts mehr hören und lesen. Dazu äussere ich meine Meinung nicht mehr. Am besten ist jetzt ein Winterschlaf und ein Aufwachen, wenn alles vorbei ist. So einfach ist das. Oder doch nicht?
Immer weniger Menschen auf der Welt haben Angst und immer mehr gehen auf die Strasse, um ihre Grundrechte zurückzufordern. Vor allem protestieren sie friedlich gegen das Covid-Zertifikat bzw. gegen den grünen Pass sowie gegen die Impfpflicht. Eindrückliche Bilder und Szenen dieser Demonstrationen finden sich auf youtube zum Beispiel von Melbourne, Rom oder Wien. In Österreich sollen sich den Demonstrierenden sogar auch Polzisten angeschlossen haben. In der Schweiz geben die Helvetia Trychler auch nach dem 28. November, der Annahme des Covid-Gesetzes, nicht auf. Jetzt wollen sie sich erst recht für die Freiheit einsetzen und verbinden sich über das Geläut ihrer Kuhglocken mit der Kraft und dem Mut ihrer Vorfahren. Die deutsch-jüdische Historikerin und politische Philosophin Hanna Arendt (1906-1975) sagte einmal: „Es gibt kein Recht, das einer Person die Verantwortung der eigenen Tat abnimmt. Es gibt in dem Sinne kein Recht auf einen blinden Gehorsam. Verantwortung kann sich nur bilden, wenn man reflektiert. Nicht über sich selbst, sondern über das, was man tut.“  

Foto: Die aktuellen offiziellen Plakate über die Vorschriften bei einem Restaurant in der Berner Altstadt
und Text: Petra Dobrovolny
    

Mein Tagebuch: 26.11.2021

26. November, Mittwoch: Surrealer Adventschmuck und eine verbrannte Hand

Seit einigen Tagen hat sich der Hochnebel über dem Mittelland nicht mehr aufgelöst. Vorgestern hat wieder der traditionelle Berner „Zibelemärit“ stattgefunden. Allerdings ohne Alkoholausschank. Die Infektionszahlen steigen, doch die Belegung der Intensivbetten nicht. Deswegen will der Bundesrat keine weiteren Massnahmen ergreifen. Er meint sogar, dass es sich bewährt habe, es den Kantonen zu überlassen ja nach Situation zu handeln. Morgen wird der Weihnachtsmarkt auf dem Waisenhausplatz eröffnet. Jemand hat mir erzählt, dass in Konstanz der Weihnachtsmarkt nach vier Tagen wegen Corona wieder geschlossen wurde.

Für Morgen wurde der erste Schnee bis in die Niederungen vorhergesagt. Deswegen versorge ich unsere immer noch wunderbar blühenden Geranien auf der Veranda. Blumentöpfe wollen vor dem Winter noch geleert und die Sträucher der Johannisbeeren geschnitten werden. Georg hilft mir bei den Arbeiten so gut es mit nur einer Hand geht. Vor allem versorgt er mich liebevoll mit heissem Tee.  Geschafft: Vier Erika im Kistli auf der Fensterbank bei unserer Essecke werden uns über die kommenden Wintermonate mit ihrem grünen Kleid erfreuen. Vor der Haustüre hängt nun ein Adventskranz aus der hiesigen Biogärtnerei, die Blumenbank zieren zwei weitere Erikas in Rosa und Rot. Vor der Haustüre steht eine hohe weisse Vase mit grossen künstlichen Gerberas. Jemand in der Nachbarschaft hat dieses kitschige Arrangement verschenkt. Wir finden, dass es eine surrealistische Note zum Adventschmuck beiträgt und gut in diese Zeit passt.

Am Abend geniessen wir Georgs Kaminfeuer, dass er auch mit nur einer Hand meisterlich aufgebaut hat. Die linke andere Hand verträgt die Wärme nicht, sondern muss gekühlt werden. Nach zehn Röntgenbildern – insgesamt wurde fünf Mal jeweils die Vorder- und die Innenseite seit dem Unfall vom 17. Oktober geröntgt -, ist die Haut verbrannt und alles sehr angeschwollen. Der Hausarzt will sich nicht festlegen, ob eine Ruhigstellung oder eine Operation die Therapie wäre. Er schlägt sogar ein dreidimensionales Röntgenbild in einem dafür spezialisierten Spital vor. Georg hat dankend abgelehnt. Jeden Tag macht er Übungen und kann seine linke Hand inzwischen wieder gut bewegen. Schmerzen hat er nur bei Belastung. Die Verbrennung durch die Radioaktivität der Röntgenstrahlen behandelt er seit einigen Tagen mit einem kleinen Gelkissen, dass er immer wieder in das Gefrierfach unseres Kühlschranks legt.  

Text und Foto: Petra Dobrovolny    

Mein Tagebuch: 11.11.2021

11. November, Donnerstag: Portaltag und Zutritt nur für Getestete

Heute ist energetisch gesehen ein wichtiger Portaltag. Nicht nur, weil die Fastnacht beginnt. Es ist ein Übergang vom Alten zum Neuen. Alte Strukturen zerfallen, sie haben ausgedient. Neue bilden sich.
So wie unsere Küche in Leukerbad. Die Möbel sind 40 Jahre alt, der Kühlschrank tut es nicht mehr. Einen Backofen und einen Geschirrspüler brauchen wir nicht, dafür mehr Raum für Haushaltssachen und Lebensmittel.
Die Demontage erfolgte am 8. November, die Maler haben die Wände anschliessend neu verputzt. Die grössten Staubwolken sind jetzt vorbei. Zum Glück ist das Wetter sehr sonnig und mild, sodass alles schnell trocknen kann. Der Muotathaler Wetterprophet Karl Hediger sagt, dass das Wetter noch bis Mitte Dezember so bleiben wird.

In dieser Woche findet die «Impfoffensive» statt, fast 100 Millionen Franken hat der Bund den Kantonen zur Verfügung gestellt. So viel Geld – Steuergeld – wird bei weitem nicht gebraucht, da viele Kantone keine Aktionen geplant haben. Am begehrtesten sind die jetzt neu für über 65-Jährige empfohlenen dritten Impfungen. Bis Ende Woche werden sich nur 25’000 Leute impfen lassen, doch Bundesrat Berset gibt sich zufrieden. Sein Motto: «Jede Impfung zählt.» Von einer bestimmten Impfquote als Ziel ist keine Rede mehr.

Georg vermutet, dass er bei der Statistik unter die Kategorie «Anzahl der Ungeimpften, die die Notfallstation belasten» zu finden sei. Ihr erinnert euch: Am 17. Oktober war er in Leukerbad ausgerutscht und hatte sich mit der linken Hand aufgefangen. Der hiesige Arzt überwies ihn an die Notfallstation des Visper Spitals, wo Handgelenk und Ellenbogen geröntgt und eingegipst wurden. Zum Glück war Georgs Covid-Zertifikat noch gültig, sodass er sich dort nicht noch einmal testen lassen und lange warten musste.

Österreich führt den Lockdown für Ungeimpfte ein. Diese dürfen nur noch zur Arbeit gehen und Lebensmittel einkaufen. In Deutschland gilt die 2G-Regel. In der Schweiz gibt es aufgrund eines negativen nasalen Schnelltest kein Zertifikat mehr.
Georg meint: «Den Geimpften wurde die grosse Freiheit versprochen. Jetzt ist es schwierig, ihnen wieder eine Masken- und Testpflicht aufzuerlegen. Und zudem noch eine Impfempfehlung alle 6 Monate!»
Die Verantwortlichen führen solche Massnahmen meistens mit den Worten folgenden ein: «Die Impfungen schützen sehr gut, aber leider nicht zu 100%. Ein schwieriger Winter steht uns bevor. Jetzt müssen wir früh genug die Massnahmen verschärfen, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird.»
  
Georg meint auch, dass es wieder mal Zeit für einen Leserbrief ist:

Offiziell wird zwar seit einigen Tagen gesagt, dass die Wirkung der Covid-Impfung besonders bei älteren Menschen nachlässt. Man soll sich nach 6 Monaten wieder impfen lassen.
Wie merken die Geimpften, woran sie sind, wenn sie sich nicht selbst testen können bzw. testen lassen? Dabei wähnen sie sich „frei“ und „immun“, so wie es ihnen versprochen wurde. Sie haben ein einjähriges Zertifikat, welches ihnen – aufgrund wovon? – die „Freiheit“ gibt. Plötzlich ist der „Booster“ auch in der Schweiz salonfähig, obwohl lange gesagt wurde, er sei nicht nötig, es gäbe dafür keine wissenschaftliche Grundlage. Was passiert, wenn sich Geimpfte ein Jahr lang nicht testen, obwohl bekannt ist, dass auch sie das Virus weitergeben können? Der Zutritt für 1 G sollte bedeuten: „Zutritt nur für Getestete“, und sogar auch für Selbstgetestete. Das würde die bürgerliche Verantwortung fördern.
Warum werden Ungeimpfte zu Sündenböcken gemacht, anstatt anzunehmen, dass diese selber die Verantwortung übernehmen wollen. Viele haben besonders seit „Corona“ eine Patientenverfügung unterschrieben, damit sie nicht an lebenserhaltende Apparate angeschlossen werden. Nun ist es von einigen Altersheimen bekannt bzw. durchgesickert, dass sich einige kurz vor ihrem Tod weder Impfen noch bevormunden lassen wollen. Einfach in Ruhe sterben, basta.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 07.11.2021

07. November, Sonntag: Zermatt, die Bundesverfassung und das Matterhorn

Am Freitag, den 29. Oktober wurde in Zermatt der Wirt der Walliser Kanne und seine alten Eltern mit einem grossen Polizeiaufgebot mit Gewalt verhaftet. Es handelt sich um eine unbescholtene und angesehene Wirtsfamilie, die nach der letzten Ausweitung der Zertifikatspflicht alle Menschen als Gäste in ihrem Restaurant willkommen heisst. Der Wirt und seine Eltern mussten eine Woche im Gefängnis Brig verbringen und wurden wie Schwerverbrecher behandelt. Niemand durfte sie besuchen. Die Freiheitstrychler versammelten sich vor dem Gefängnis und bekundeten mit ihren Kuhglocken ihre Solidarität mit der Familie. Das Geläut dringt auch durch Gefängnismauern! Ausserdem führten die Trychler in Zermatt gemeinsam mit der Jugendbewegung «Massvoll» einen Schweigemarsch bis zur Walliser Kanne durch, legten dort Sonnenblumen nieder und zündeten Friedhofskerzen an.

Gestern war ich mit meiner Freundin in Zermatt. Ursprünglich war eine friedliche Demo angesagt worden, doch die Wirtsfamilie hatte gebeten davon abzusehen. Sie müsse sich erst einmal von dem Schock erholen. Die Grabkerzen stehen oder liegen teilweise noch beim Eingang. An der Türe hängt eine Bekanntmachung: Auf Anordnung der Polizei bleibt das Restaurant vom 29.10. bis zum 12.11.2021 geschlossen, gemäss Artikel soundso vom Strafgesetzbuch. Daneben hängt immer noch das Plakat der Wirtefamilie: «Wir respektieren ALLE Menschen auch ohne Zertifikat. Vielen Dank.» Dies scheint bereits ein Straffall zu sein.

Während ich fotografiere, kommt eine ältere Passantin zu uns und meint: «Das isch e Schand!» Meine Freundin und ich pflichten ihr bei, bis wir merken, dass sie es anders meint als wir: Was der Wirt getan hätte, sei eine Schande, nicht was die Polizei … Und dann noch diese Kerzen, als sei jemand gestorben. Ich sage, die Demokratie sei wohl gestorben, die Verhaftung sei gegen die Verfassung. Doch die Frau geht kopfschüttelnd davon.

Zur Erinnerung zitiere ich hier die Präambel sowie Artikel 1 und 2 der Schweizer Bundesverfassung, deren neue Formulierung das Stimmvolk im Jahre 1999 angenommen hatte:

«Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,

im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,

im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Ein­heit zu leben,

im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegen­über den künftigen Generationen,

gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Vol­kes sich misst am Wohl der Schwachen,

geben sich folgende Verfassung:

Art. 1 Schweizerische Eidgenossenschaft

Das Schweizervolk und die Kantone Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Land­schaft, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, St. Gal­len, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura bilden die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Art. 2 Zweck

1 Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.

2 Sie fördert die gemeinsame Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes.

3 Sie sorgt für eine möglichst grosse Chancengleichheit unter den Bürgerinnen und Bürgern.4 Sie setzt sich ein für die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und für eine friedliche und gerechte internationale Ordnung.»

Ausserdem steht dort auch noch: Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit.

Meine Freundin und ich fahren weiter mit der Zahnradbahn auf den Gornergrat. Von dort, auf 3100 m, hat man einen wunderbaren Blick auf das Matterhorn mit 4478 m. Kurz nach 13 h kommen wir an. Die Sonne steht genauso, wie meine Freundin es sich gewünscht hat. Sie stellt ihr grosses Stativ auf und montiert professionell die Kamera. Wir haben Glück: Es ist ein Tag mit prächtigem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Der kalte Nordwind wird erst nach 15 h einsetzen. Eine Frau meint im Vorbeigehen: «Wenn man diese Naturwunder betrachte, vergisst man das Theater in der ganzen Welt!» Die schneedeckten Alpen bieten einen überwältigenden Anblick, als wollten sie sagen: «Was ist nur mit den Menschen los? Zum Glück gibt es noch solche, die sich Zeit nehmen, um uns zu bewundern!» Das Matterhorn zeigt für eine kurze Zeit seine Sonnen- und Schattenseite, getrennt durch eine scharfe Kante.

Foto: Das Matterhorn vom Gornergrat aus gesehen
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 30.10.2021

30. Oktober, Freitag: Eine Botschaft

Der goldene Oktober dauert in den Bergen noch an, über dem Mittelland liegt meistens Nebel.
In der Nacht ist mir Jesus im Traum erschienen. Er trug ein weisses Gewand und war barfuss. Die Innenseite seiner Hände war in meine Richtung gekehrt, so dass ich die bekannten Wunden in seinen Handmitten sehen konnte. Er stand in etwa 4 m Abstand vor mir, schaute mich an und sagte, ich solle folgende Botschaft an die Menschen weitergeben: «Habt keine Angst in diesen Zeiten des Wandels! Denn sehet, ich bin euch vorausgegangen und habe das Kreuz überwunden. Ihr habt getan, was ich gesagt habe: Ihr habt euer Kreuz auf euch genommen und seid mir gefolgt. Ich bin auferstanden. Ihr werdet es auch! ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben.»    

Foto: Waldkapelle bei der Torrentalp
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 29.10.2021

29. Oktober, Donnerstag: «Out of order» und Bewusstseinstränen

Die Anzeigetafeln in den Schweizer Bahnhöfen funktionieren wieder. Manchmal ist es gut nicht zu wissen, wohin der Zug fährt. Der Grund für den Ausfall war ein unbekanntes technisches Problem. Der Bildschirm meines PCs überlappt sich immer wieder mit dem vorhergehenden Bild. Der Grund dafür ist ein unbekanntes technisches Problem. Zwei verschiedene Wirklichkeiten überlappen sich. In der damaligen Tschechoslowakei sah ich auf meinen Reisen öfters eine Tafel mit der Aufschrift: Es funktioniert nicht. «Nefunguje». Aus technischen Gründen. Ob diese bekannt waren oder nicht, wurde nicht mitgeteilt. Viele Tafeln waren schon vor einigen Jahren an dem betroffenen Ort angebracht worden. Ohne Entschuldigung, ohne ein «We’re sorry.»  
Ein Stromausfall könne alle 30 Jahre auftreten. Es sei bald wieder so weit, sagt Bundesrat und dieses Jahr auch Präsident Guy Parmelin. Man sollte Kerzen und Batterien auf Lager haben. Pro Person sollten Wasserreserven von 9 Litern vorhanden sein, natürlich auch ein Notvorrat an unverderblichen Lebensmitteln. In einem Haus mit Lift sollte man nachschauen, ob niemand steckengeblieben ist. Telefonieren sollte man unterlassen, um das Netz nicht unnötig zu überlasten. Out of order. We’re sorry. Etwas ist aus der Ordnung gefallen. Es tut uns leid. Doch eigentlich können wir nichts dafür. Wir entschuldigen uns für die eventuell für Sie entstandenen Unannehmlichkeiten. Ändern Sie Ihr Kennwort. Es wird in zwei Tagen ablaufen. Aus Sicherheitsgründen benutzen Sie Buchstaben in Kombination mit Zahlen. Mindestens ein Buchstabe sollte grossgeschrieben werden.
Wenn du müde bist und traurig, wenn du dich klein fühlst, werde ich an deiner Seite sein und dich trösten. Mit diesen Worten beginnt das Lied «Bridge over troubled water» von Simon und Garfunkel. Die Beiden sind 80 geworden und freuen sich nach der langen Corona-Pause wieder auf gemeinsame Konzerte. Viele mit diesem oder ähnlichen Jahrgang melden sich jetzt. Ihre Musik haben mich in den 60er- und 70er Jahren ständig begleitet und war oft der passende Ausdruck für mein Lebensgefühl von Schwung, Aufbruch, Freiheit, Liebe, Melancholie, der Sehnsucht nach Frieden für die Welt. John Sheahan, der letzte Überlebende der «Dubliners», feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Konzert, an dem er seine Violine spielt und das Publikum wie früher bezaubert. Adriano Celentano ist auch schon 80, Harry Belafonte auch, Reinhard Mey, Tina Turner… Manche melden sich wieder neu wie die schwedische Gruppe ABBA, manche gehen auf Abschiedstournee wie Joan Baez oder Elton John. Viele haben sich bereits in den letzten Jahren verabschiedet und schauen uns vom Himmel her zu: Luciano Pavarotti, Lucio Dalla, Leonard Cohen, Udo Jürgens, Jean-Paul Belmondo, einer der Elderly Brothers und erst kürzlich Mikis Theodorakis…
Manchmal hängt die dritte Dimension an uns wie schwere Gewichte. Trotzdem können wir uns in höhere Dimensionen erheben und uns Engelsflügel wachsen lassen. Alles wird leicht. Aus unbekannten technischen Gründen.
Unser Sonnenstoren funktioniert nicht. Er reagiert nicht mehr auf die Funkimpulse des kleinen Fernsteuergerätes in meiner Hand. Aus unbekannten technischen Gründen. Der Monteur öffnet das Kästchen des Empfangsgerätes, schüttelt den Kopf und schliesst es wieder. Die Lieferzeit für ein neues Gerät würde mindestens vier Wochen betragen. Der Hafen von Triest ist blockiert. Nochmal probiert er das Fernsteuergerät aus. Der Storen setzt sich in Bewegung. Aus unbekannten technischen Gründen. Der Monteur schreibt in seinen Arbeitsrapport, er hätte etwas neu programmiert.

Es liegen zurzeit keine Meldungen über grössere Störungen vor. Aus unbekannten technischen Gründen. Wird jetzt alles neu programmiert? Es gibt einen neuen Kompatibilitätsmodus. Wenn du ihn nicht beim Eingang vorweisen kannst, wist du nicht reingelassen. In der 5. Dimension gibt es keine Türen. Es gibt nur Portale, die sich an bestimmten Tagen gemäss dem Mayakalender öffnen. Deswegen ist es ratsam, dass du eine App für diesen Kalender hast. Um nichts zu verpassen. Doch die Klänge der 7. Dimension werden dir bei Bedarf alle Portale öffnen. Du brauchst nur zu Summen.

Die dritte Impfung, der Booster bzw. die Auffrischung wurde jetzt von Swissmedic für über 65-Jährige zugelassen. «Der Bund» von heute meint, es sei höchste Zeit gewesen, damit dies dann mal bis zum Frühjahr reiche.

Im Radio spielen sie das Konzert von Joaquin Rodrigo «Aranjuez», das Adagio. Mir kommen die Tränen. Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus dem Jahre 1979. Ich hatte beschlossen, meine akademische Karriere im Alter von 27 Jahren zu beenden. Mein damaliger Chef hatte meinen Forschungsartikel nur mit seinem Namen in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Er wollte zum Professor ernannt werden. Schon damals hiess es «publish or perish». Entweder veröffentlichst du deine oder geklaute Forschungsresultate oder du verschwindest in der Bedeutungslosigkeit. Dies führte dazu, dass Patienten und Patientinnen nur noch als Datenträger*innen wahrgenommen wurden und nicht mehr als Menschen. Da wollte ich nicht mitmachen. Es widerspricht meinen Werten. Ich packte meine sieben Sachen, gab den Schlüssel ab und nahm im Zürcher Hauptbahnhof den Zug nach St. Gallen, wo Georg und ich damals wohnten. Eine Welt war für mich zusammengebrochen, und ich weinte eine Stunde, fast die ganze Strecke lang. Ich hatte die Illusion verloren, dass akademische Wissenschaft so menschlich ist, wie sie vorgibt. Schon damals begriff ich, dass sie an Interessen gebunden ist. Diese Erkenntnis war für mich so schmerzhaft, dass mir die Tränen nur so flossen. Georg nennt sie «Bewusstseinstränen».
Mir schräg gegenüber im anderen Viererabteil sass ein junger Mann mit Kopfhörern und einem kleinen tragbaren Kassettengerät. Etwa fünfzehn Minuten vor St. Gallen nahm er die Musik-Kassette heraus und hielt sie mir hin. «Sie sind sehr traurig! Es tut mir so leid für Sie. Bitte, nehmen Sie diese Kassette! Ich schenke sie Ihnen. Die Musik wird sie trösten.» Dann stieg er eine Haltestelle vor St. Gallen aus. Ich kannte diesen Mann nicht und weiss auch nicht, wie er hiess. Auf der Etikette der Cassette stand von Hand geschrieben: «Aranjuez. Konzert für spanische Guitarre von Joaquin Rodrigo. Solist: Paco de Lucia».
Ein halbes Jahr später erhielt ich den Doktortitel in Psychologie und machte mich auf meinen eigenen Weg ohne öffentliche Anzeigetafeln, die mir sagten, wann ich wohin fahren soll.
Viele in meiner Umgebung haben damals meine Entscheidung nicht verstanden. Ich hätte doch eine sichere Stelle gehabt und eine offiziell anerkannte Karriere machen können. Der eigene Weg ist oft ein einsamer …

Foto und Text: Petra Dobrovolny

 

Mein Tagebuch: 27.10.2021

27. Oktober, Mittwoch: Eine neue Küche und «Schmusen»

Eine neue Virusmutante ist entdeckt worden, man nennt sie jetzt A.Y.4.2. oder Delta plus. Grossbritannien sei schon der Hotspot Westeuropas. Der britische Arzt Dr. John Campbell versteht nicht, warum immer noch Impfstoff mit Teilen der Alpha-Variante, also der ersten Form, hergestellt und verimpft wird. Die Wirkung der Impfungen lässt nach 6 Monaten deutlich nach. Bei den Geimpften steigen die Infektionen, obwohl ständig behauptet wird, man nach zwei Dosen vollständig immunisiert sei. Es handle sich jetzt um eine Pandemie der Ungeimpften. Und es wird behauptet, dass Ungeimpfte für Geimpfte eine Bedrohung seien. Warum? Wenn Geimpfte doch immun sind? Trotz doppelter Impfung sterben jetzt auch in der Schweiz ältere Menschen an Corona. Der Ruf wird laut, dass die Behörden in der Schweiz endlich eine dritte Impfung als «Auffrischung» genehmigen sollten.

Ich werde dieses Thema in den kommenden Wochen nicht mehr so intensiv verfolgen wie bisher. Die Renovation unserer Küche in Leukerbad steht an. Mit der Organisation habe ich jetzt viel zu tun. Der Bauleiter, Elektriker, Schreiner und Maler haben sich bereits in unserer 4 m2 grossen Küche miteinander abgesprochen. In Walliser Ditsch, von dem ich nur die Hälfte verstehe, und in einem hohen Tempo, das ich von Bern nicht gewohnt bin.  Doch sie sind von dem Projekt begeistert und meinen, dass wir mit dem Resultat bestimmt zufrieden sein werden. Es sei interessant, dass wir weder Backofen noch Mikrowelle noch Geschirrspüler noch in die Decke eingelassene Spotlampen benötigen.

Nun werde ich alle Sachen einpacken, bevor die Küche am 8. November abgerissen wird. Die Umzugsschachteln stapeln sich wie schon so oft in diesem Jahr. In unserem Wohnzimmer richte ich eine provisorische Kochecke ein. Ich erinnere mich an meine ersten Besuche in der damaligen Tschechoslowakei, als ich Georgs jüngere Schwester kennenlernte. Sie lebte mit ihrem Mann in einem einzigen Zimmer mit einer sehr praktisch eingerichteten Kochecke: Ein Gerät mit zwei Kochplatten und ein pfannenähnliches Gerät zum Backen. Letzteres hiess «Remoska». So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es liessen sich aber wunderbare Speisen der mährischen Küche daraus hervorzaubern. Fliessendes Wasser gab es in dem Wohn-Schlafzimmer nicht. Meine zukünftige Schwägerin holte es damals in der angrenzenden Küche der Tante ihres Mannes.
Mit meiner jetzigen mobilen Kochplatte muss ich zum Glück kein mährisches Gebäck und schon gar keinen Sonntagsbraten hervorzaubern. Mir genügt es, wenn ich Kartoffeln oder Risotto kochen kann. Fliessendes Wasser wird es während der Renovation nach wie vor im Badezimmer geben. Die Kunst Smoothies zuzubereiten überlasse ich Georg. Ein solches «Kochen» nennen wir aus dem Englischen « to smoothe» abgeleitet «Schmusen». Georg ist darin ein Meister.

Foto: Blick auf die Leeshörner und die Gemmi bei Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebusch: 24.10.2021

24. Oktober, Sonntag: Gips und «Liberté!» Berner Kundgebung vom 23.10.21

Es ist kälter geworden, nachts gibt es Bodenfrost. Die Lärchen in den Walliser Bergen färben sich goldgelb. Tagsüber wird es 12 bis 18°C. Heute zeigt sich wieder ein strahlend blauer Himmel.
Es gibt gute Nachrichten von Georg: Seine linke Hand ist nicht gebrochen, sie muss auch nicht operiert werden. Dies hat sein Hausarzt in Bremgarten festgestellt. Der Gips sei im Visper Spital gut gemacht worden. Die nächsten sieben Wochen müsse Georg das noch aushalten. So eingezwängt zu sein ist für ihn das Schlimmste, was es gibt, in jeder Hinsicht. Wenn er jetzt mit erhobener Gipshand auf dem Bundesplatz in Bern «Liberté!» riefe, wäre dies sehr symbolisch.

Gestern, Samstagnachmittag, fand in Bern eine nationale Kundgebung historischen Ausmasses statt: Noch nie in der Geschichte der Schweiz gingen so viele Menschen auf die Strasse. Es waren mindestens 50’000, die Medien berichten nur von 10’000. Ich schaue mir von Leukerbad aus die Lifestreams von der CWL Media Group und von Sabine Seibold auf Youtube an. Die Kundgebung ist bewilligt, die Route wurde mit der Polizei abgesprochen. Alles verläuft friedlich. Die Teilnehmenden versammeln sich auf dem Münsterplatz und ziehen zum Bundesplatz: Allen voran ein Dudelsackpfeifer, drei Frauen mit Trommeln und Saxophon, Trachtenfrauen, die zu zweit eine Schweizer Fahne zwischen sich tragen, mindestens hundert Trychler oder Treichler verschiedener Vereine wie die «Freiheitstrychler» und die «Helvetia-Trychler» mit ihren Kuhglocken, eine Gruppe von 26 Leuten, die jeweils ihre Kantonsfahne tragen. Ihnen folgen Menschen aller Altersgruppen, einige mit der Schweizer Fahne, andere mit einer Sonnenblume oder einem selbst bemalten Pappschild oder mit einem Transparent in der Hand. Darauf steht kurz und bündig das Anliegen oder die Forderung wie «NEIN zum Covidgesetz», «Zurück zur Verfassung», «Gott! Befreie uns Vaterland aus den Fängen der Kaptal-Elite! Danke Jesus!», «Kein Impfzwang», «Keine Diskriminierung», «Weniger Staat, mehr Eigenveranwortung!». Der Sonnenschein trägt zur guten Stimmung bei. Ab und zu ruft jemand dreimal: «Liberté!» Dann stimmen andere mit ein. Die Polizei hält sich im Hintergrund. Vor dem Bundeshaus steht in etwa 10 Meter Entfernung ein vier Meter hoher Zaun. Viele Menschen strömen auch von den Seitengassen zum Bundesplatz, der bereits dicht besetzt ist. Der Veranstalter Josef Ender vom Aktionsbündnis der Urschweizer Kantone bittet auf Anweisung der Polizei, nicht zu drängeln, damit keine Panik entsteht.
Alles bleibt friedlich, auf der grossen Bühne beginnen jetzt für fast eine Stunde die Reden auf Deutsch, Schweizerdeutsch und Französisch. Die «freie Linke» und das «Aktionsbündnis der Kantone der Urschweiz» haben die Veranstaltung organisiert. Besonders beeindruckt mich die Ansprache einer jungen Studentin, die Ihren Alltag schildert. Um die Mensa betreten zu dürfen, brauche sie ein Zertifikat, um die Bibliothek und schliesslich auch die Uni betreten zu dürfen, brauche sie ein Zertifikat. Und das nenne man Freiheit! Eine Pflegefachfrau schildert die schlimmen Zustände in Spitälern und Altenheimen. Die seien schon längst vor Covid so katastrophal gewesen. Auch während Corona seien Spitäler und Intensivstationen geschlossen worden. Auch vor Corona wären Alte allein und einsam dahingestorben und mit Essen unterversorgt worden. Der Pflegenotstand verschlimmere sich jetzt, weil das Personal wegen schlechter Arbeitsbedingungen den Beruf an den Nagel hänge. Die guten Nachrichten: Der Kanton Waadt hat letzte Woche die Zertifikatspflicht für Studierende aufgehoben. Und es liesse tief blicken, wenn der Bundesrat es nötig hätte, für einige Millionen Franken Anfang November eine nationale Impfwoche auszurufen.
Zuschauende aus Deutschland hinterlassen auf Youtube viele Kommentare. Sie bewundern die Menschen auf dem Berner Bundesplatz und finden, dass der deutsche Michel schlafe. Die Augen der Welt sind auf die Schweiz gerichtet, besonders am 28. November, wenn über das Covid-Gesetz abgestimmt wird. Jemand meint, dies sei die «schönste und beste» Demonstration gewesen. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen daran teilgenommen haben, gehen weit auseinander. Die Zeitungen schreiben mehrere tausend, die Veranstalter meinen 50’000, andere sogar 100’000! Am Schluss, als sich der Menschenstrom Richtung Bahnhof bewegt, flattern viele Tauben über die Köpfe hinweg. Ein Verkehrspolizist lässt sich von einem Kollegen mit Trychler-Glocken fotografieren. Die Polizeisprecherin beeilt sich zu sagen, dass es darum ging, das Gewicht der Kuhglocken abzuschätzen. Es sei keinesfalls ein politisches Statement gewesen. Sogar der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, Reto Nause, ist zufrieden mit dem friedlichen Verlauf der Kundgebung.

Die Schweiz könnte der Welt vorausgehen. Auch auf italienischen, französischen und englischen Youtube-Kanälen werden kurze Ausschnitte von dieser historischen Kundgebung gezeigt und gelobt.

Foto: 100’000 Kürbisse konnte ich nicht auf das Bild bringen!
und Text: Petra Dobrovolny