Mein Tagebuch: 07.01.2022

7. Januar, Freitag: Grenzerfahrungen

Gestern hatte ich unsere französischen Nachbarn, ein älteres Ehepaar, zu mir zum Apéritif eingeladen. Sie wohnen in der Gegend von Paris und kommen schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder nach Leukerbad. Während der Corona-Zeit wurden sie zu ihrer Verwunderung beim Grenzübertritt nie angehalten ausser diesem Mal bei der Herfahrt. Ein Schweizer Zollbeamter zeigte ihnen das Stoppschild, sie dachten, sie müssten jetzt das Covid-Zertifikat vorzeigen und machten ihre Handys bereit. Doch der Zöllner wollte davon gar nichts wissen. Er fragte, ob sie Fleisch importieren würden. Sie verneinten. Daraufhin bestand er auf einer Durchsuchung des Wagens, die er ohne Maske und Handschuhe durchführte. Nach kurzer Zeit fand er vier Stück Rindfleisch. Die Nachbarin erklärte, dass sie diese während ihrer Ferien in der Schweiz nicht zuhause im Kühlschrank verderben lassen wollten und deswegen mitgenommen hätte. Sie würden nicht beabsichtigen, das Fleisch in der Schweiz zu verkaufen. Schliesslich bekamen sie freie Fahrt.   

Sie erzählen mir, wie sehr in Frankreich auf die Ungeimpften geschimpft werde. Offiziell wird gesagt, dass wegen einiger sturer Erwachsener, die sich nicht impfen lassen wollten, jetzt die Kinder geimpft werden müssten. Gestern habe Macron gesagt, er würde die Ungeimpften so lange «emmerder», bis sie endlich nachgäben. «Der Bund» übersetzt das präsidiale «emmerder» mit «auf die Nerven gehen». Das ist sehr milde ausgedrückt. Das französische Wort beinhaltet «merde», was «Scheisse» bedeutet. Die Nachbarin meint, Macron würde nur aussprechen, was viele Menschen im Land denken.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 29.11.2021

29. November, Montag: Einfache Lösungen sind gefragt! Oder doch nicht?

In Leukerbad liegen bereits 20 cm Schnee. Ich treffe zwei Nachbarn beim Hauseingang. Einer hält den „Blick“ in der Hand. Die Schlagzeile: „Das Volk hat den Bundesrat erlöst!“ Beide Herren sind zufrieden, dass 62% der Abstimmenden die behördliche Vorgehensweise während der Corona-Zeit billigen und das Covid-Gesetz angenommen haben. 78% der über 35-Jährigen hätten „Ja“ gestimmt. Der 85-jährige Nachbar Erich meint, die Jungen fühlten sich eben in ihrer Freiheit beschränkt, aber das sei doch ein Blödsinn. In einer solchen Zeit bräuchte es einfach eine klare Führung. Auch könne nicht jeder Kanton machen, was er wolle. Der andere 80-jährige Nachbar aus Deutschland erzählt, dass dort jetzt 60 Millionen Impfdosen von Moderna vernichtet werden müssten, weil sie niemand wolle und das Datum der Verwendbarkeit inzwischen abgelaufen sei. Dabei hätte man damit doch einige Afrikaner spritzen können! Aber wir würden eben nichts gerne hergeben, meint er. Ich denke bei mir: „In Afrika wäre man vielleicht nicht unbedingt begeistert von einem solchen Geschenk.“ Beide Herren meinen, solange nicht die ganze Welt geimpft sei, bliebe die Pandemie. Ich entgegne, warum man nur auf das Impfen setze, wo es doch Medikamente gäbe. Nein, die gäbe es nicht. Da niemand mehr weiterdiskutieren will, wünscht man sich einen schönen Tag und verabschiedet sich voneinander.
Anfang November wurde in Pretoria, Südafrika, eine neue Variante des Virus entdeckt. Diese ist wahrscheinlich schon länger unterwegs und stammt auch nicht unbedingt aus Südafrika. Die WHO hat sie inzwischen mit dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabets „Omikron“ benannt. Im Vergleich zur sog. Delta-Variante weist es 50 Mutationen in den Spikeproteinen auf. Jetzt wird darüber diskutiert, ob das Immunsystem dank dem bisherigen Impfstoff auch diese neue Variante erkennen und bekämpfen könne. Immer wieder wird bekräftigt, dass alle bisherigen Impfstoffe bestens wirken, am besten nach der 3. Dosis, dem sog. „Booster“. So einfach ist das.
Bei Angst wird die Aktivität des Grosshirns, mit dem wir differenziert denken, Informationen prüfen, Meinungen abwägen usw., ausgeschaltet. Jetzt werden die Überlebensinstinkte der unteren Hirnregionen aktiv. Drei reflexartige Reaktionen haben wir wie die Säugetiere und Reptilien zur Verfügung: Flucht, Aggression oder den Totstellreflex. Flucht: Wohin kann ich in dieser Situation auswandern? Aggression: Ich schlage um mich ohne Nachzudenken und zu diskutieren. Alle, die eine schnelle klare Lösung, egal mit welchen Verlusten, verhindern, sind schuld am Andauern der Misere. Nur eine „Endlösung“ bringt die Erlösung. Covid-Null-Strategie. Das Virus muss ausgerottet werden. Impfzwang muss sein. Wer da nicht mitmacht, wird zum Sündenbock. Demokratie und Grundrechte sind Zeitverschwendung und müssen warten. Jetzt braucht es eine klare Führung. Der Totstellreflex: Ich will von dem allen nichts mehr hören und lesen. Dazu äussere ich meine Meinung nicht mehr. Am besten ist jetzt ein Winterschlaf und ein Aufwachen, wenn alles vorbei ist. So einfach ist das. Oder doch nicht?
Immer weniger Menschen auf der Welt haben Angst und immer mehr gehen auf die Strasse, um ihre Grundrechte zurückzufordern. Vor allem protestieren sie friedlich gegen das Covid-Zertifikat bzw. gegen den grünen Pass sowie gegen die Impfpflicht. Eindrückliche Bilder und Szenen dieser Demonstrationen finden sich auf youtube zum Beispiel von Melbourne, Rom oder Wien. In Österreich sollen sich den Demonstrierenden sogar auch Polzisten angeschlossen haben. In der Schweiz geben die Helvetia Trychler auch nach dem 28. November, der Annahme des Covid-Gesetzes, nicht auf. Jetzt wollen sie sich erst recht für die Freiheit einsetzen und verbinden sich über das Geläut ihrer Kuhglocken mit der Kraft und dem Mut ihrer Vorfahren. Die deutsch-jüdische Historikerin und politische Philosophin Hanna Arendt (1906-1975) sagte einmal: „Es gibt kein Recht, das einer Person die Verantwortung der eigenen Tat abnimmt. Es gibt in dem Sinne kein Recht auf einen blinden Gehorsam. Verantwortung kann sich nur bilden, wenn man reflektiert. Nicht über sich selbst, sondern über das, was man tut.“  

Foto: Die aktuellen offiziellen Plakate über die Vorschriften bei einem Restaurant in der Berner Altstadt
und Text: Petra Dobrovolny
    

Mein Tagebuch: 29.06.2021

29. Juni, Dienstag: Fussball-EM: Freude und Risiken

Gestern Abend ist ein weiterer Sturm mit Hagel – teilweise waren die Hagelkörner so gross wie Tennisbälle – über Bern, den Jura bis Süddeutschland hinweggefegt. In der Schweiz hätte es etwa 100 Millionen Franken Schäden gegeben. Es wurden 10’000 Blitze registriert.

Trotzdem oder abgesehen davon ist die Freude riesig: Die Schweizer Nationalmannschaft hat es in das Viertelfinale der Europameisterschaft im Fussball geschafft! Zum ersten Mal seit 1954. Alle freuen sich, das Immunsystem freut sich auch.
Kurz vorher wurde die Mannschaft, deren Spieler etwa zu 50% nicht schweizerischer Herkunft sind, heftig für ihren Auftritt in Rom kritisiert. Sie würden sich nicht für die Schweiz einsetzen. Nun hat der kosovarische Captain Granit Xhaka reagiert: Alle Spieler hielten beim Spiel der Nationalhymne ihre Hand auf’s Herz und gaben im Kampf gegen Frankreich mit Weltmeistertitel alles. Das Gratis-Blatt „20minuten“ schreibt am 30. Juni: „Der historische Sieg der Schweizer Nationalmannschaft begeistert nicht nur Fussballfans. Plötzlich lagen sich alle in den Armen: Links und Rechts, Massnahmenskeptische und Coronabesorgte, Urschweizerinnen und Secondos. Das Land schwelgt im neuen Gemeinschaftsgefühl.“

Im Londoner Wembley Stadion feierten 45’000 Fans den Sieg von England über Deutschland. Der Schweizer Epidemiologe Christian Althaus wird nun von den Medien gefragt, was er davon halte. Er meint, dass die Spiele selbst weniger ein Problem seien, sondern eher die von Land zu Land reisenden Fans. Dies würde Mutanten und eine Verbreitung des Virus fördern.

Früher fand die EM in einem einzigen Land statt. Jetzt findet sie in mehreren Städten Europas statt, wie zum Beispiel in St. Petersburg, Baku, London, Rom, Bukarest und München. Was hat sich die UEFA in Zeiten von Corona dabei gedacht? Gerade ist St. Petersburg ein Hotspot der sog. Delta-Mutante, viele erkranken daran, Spitäler kommen an ihre Grenzen. In Finnland steigt wieder die Zahl der positiv Getesteten. Fussballfans haben die Delta-Variante aus St. Petersburg mitgebracht. Was denken sich Leute, die in der Sommerzeit ihre Ferien brav im eigenen Land verbringen? Das Robert-Koch-Institut meint: «Das Handeln der UEFA ist verantwortungslos.»

Oder ist Covid19 plötzlich egal? Oder nur ein Mittel zum Zweck für ein anderes Szenario?

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 04.05.2021

04. Mai, Dienstag:

Ein verregnetes und kaltes Wochenende ist hinter uns. Es hat sogar gehagelt. Viele Blüten liegen am Boden.

Es häufen sich die Meldungen, dass in Seniorenheimen wieder Infektionen ausbrechen, obwohl alle geimpft sind. Bereits vor Monaten hatten Experten davor gewarnt, dass Impfungen das Virus zu Mutationen «drängen» könnten. Anstatt den Warnungen nachzugehen, wurden diese Experten, u.a. Prof. Bhakdi und Clemens Arvay, diffamiert. Nun schreibt die Journalistin Stephanie Lartz am 3. Mai auf Seite 16 der NZZ so, als sei dies nie zur Debatte gestanden: Es gibt «Fluchtvarianten». Also Virus-Varianten, die den Impfschutz austricksen können. Deswegen empfiehlt die WHO, «das Erbgut der Viren von mindestens 10% der wöchentlich auftretenden Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 zu entschlüsseln. Weiter schreibt die NZZ: «Es ist unklar, ob die Überwachung von Infektionen, die nach einer Impfung auftreten, wirklich funktioniert.»
Da kann ich nur staunen: Plötzlich ist klar, dass der Impfschutz lückenhaft ist und dazu noch «Fluchtvarianten» fördert. Die NZZ setzt noch einen drauf und kritisiert das BAG: «Die genetische Überwachung des Coronavirus in der Schweiz hat blinde Flecken.» Die Analyse, auch «Sequenzierung» genannt, die besonders häufig in Grossbritannien durchgeführt wird, ist zeitlich und finanziell aufwendig.

In Deutschland gibt es zurzeit wieder einmal einen strengen Lockdown mit nächtlicher Ausgangssperre. In der Schweiz gab es so etwas wegen Corona nicht. Das Gratisblatt «20minuten» schreibt: «Die Deutschen loben die Schweizer: Die Schweizer lassen sich einfach nicht einsperren. Für die Menschen in der Schweiz sei die Freiheit ein höheres Gut als der absolutistische Gesundheitsschutz. Sie kontrollieren lieber den Staat, als sich von ihm kontrollieren zu lassen.»
In den Kantonen Uri und Schwyz gibt es Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen, an denen auch die sog. Treichler oder Trychler teilnehmen. In ihrer Tracht gekleidet gehen die jungen kräftigen Männer langsam durch die Strassen und tragen über Nacken und Schultern eine Art Joch, an dessen jeweiligem Ende eine grosse geschmückte Kuhglocke hängt. Das bei jedem Schritt verursachte ohrenbetäubende Geläute bringt den Protest gegen die Einschränkung von Freiheitsrechten zum Ausdruck. Diese Form des Protests hat eine lange Tradition und macht Eindruck.

Foto: Japanischer Kirschbaum vor dem Hagel
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 30.04.2021

29. April, Donnerstag: Für eine Tasse Café in die Schweiz? Und: Der umarmte Polizist

Vorgestern bin ich wieder in Bremgarten bei Bern gelandet, 900m tiefer. Dazu musste ich noch nicht einmal einen Gleitschirm nehmen. Es genügte der Bus ins Tal sprich Wallis, der Zug durch den Tunnel sprich Lötschbergtunnel. Die Fahrtzeit von der Berg- in die Talwelt dauert zwei Stunden. Ich lande im Frühling: Alles blüht. Die Tulpen in unserem Garten sind bereits zur Hälfte verblüht. Bäume grüssen in maigrün.
Gestern hat Georg mich zum Mittagessen in ein Restaurant mit Gartenterrasse an der Aare eingeladen. Man darf ohne Impfpass und Testresultat dorthin. Nur die Kontaktdaten soll man via QR-Code angeben. Doch wir haben kein Smartphone. Stattdessen haben wir den Tisch reserviert, der Wirt kennt Georg und interessiert sich für die Tschechoslowakei und dafür, wie die Herrschenden es damals hingekriegt haben, dass das Volk bis heute der Ansicht ist, es habe die Wende selbst herbeigeführt. Georg meint, die Wahrheit wird kaum jemand glauben, auch wenn sie ans Licht käme. Wird das mit Corona auch so sein?

Heute steht im «Blick», dem Pendent zur deutschen Bildzeitung: «Coronamüde Deutsche kommen zu uns». Die eidgenössische Zollverwaltung meldet: «Tagsüber beobachten wir an der Grenze zu Deutschland eine leichte Tendenz zu etwas mehr Verkehr.» Die Armen müssen spätestens um 22 Uhr wieder zuhause sein, denn in Deutschland gilt ab dann eine Ausgangssperre bis 5 Uhr. Aber: Die Schweiz gilt als Risikogebiet. Wer ohne triftigen Grund in die Schweiz reist, muss danach in Deutschland für 10 Tage in Quarantäne. Ausser man ist vollständig geimpft oder kann einen negativen Test vorweisen. Ebenfalls steht im «Blick» die genaue Beschreibung der Ausnahmen, die das Ministerium für Soziales und Integration in Baden-Württemberg formuliert hat: Deutsche dürfen für 72 Stunden in die Schweiz, wenn es sich um einen Besuch von Verwandten ersten Grades, des nicht dem gleichen Hausstand angehörigen Ehegatten oder Lebensgefährten oder von einer Person mit geteiltem Sorgerecht oder Umgangsrecht handelt. Wer gegen diese Bestimmungen handelt und erwischt wird, muss eine Busse von bis zu 3000 Euro zahlen.

Seit über einem Jahr erfahren die Bürokraten eine unglaubliche Aufwertung. Wurden sie vorher nicht gross beachtet oder umgangen, so ist dies spätestens seit Corona nicht mehr möglich. Georg hatte diese Macht vor einigen Jahren selbst zu spüren bekommen. Es hiess: «Bei mir müssen Sie unedure – will heissen untendurch -, auch wenn Sie einen Doktortitel haben.»
In Deutschland geht die Polizei sogar auf Rentner los. Die sogenannten «Querdenker» werden jetzt vom Verfassungsschutz «beobachtet». Anfang April ging die Polizei in St. Gallen sehr hart gegen zunächst friedliche Demonstranten vor. Dadurch eskalierte die Gewalt erst recht, in der Altstadt gingen einige Fensterscheiben in die Brüche. Die St. Galler Kantonspolizei setzt jetzt auf die 3D-Strategie: Dialog, Deeskalation, kein Durchsetzen um jeden Preis. In Rapperswil umarmte eine Demonstrantin einen Polizisten, der sie gemäss dem Foto ebenfalls umarmte. Der Journalist Sandro Benini – «Bund» vom 27. April – fragt den Chef der St. Galler Kantonspolizei: «In sozialen Medien feiern Corona-Skeptiker St. Gallen nun als Kanton, in dem man demonstrieren und Polizisten umarmen darf, ohne dass etwas passiert.» Die Antwort: «Das nehmen wir nicht so wahr. Und es trifft nicht zu, dass nichts passiert. Unsere Einsatztaktik werden wir nicht nach der Stimmung in den sozialen Medien festlegen. Wir wissen, was korrekt ist und was getan werden muss. Bei jeder künftigen Veranstaltung wird sich die Frage der Verhältnismässigkeit erneut stellen. Wir können und wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen. … In derselben Situation würden wir wieder gleich handeln. Wir wollten die Demonstration in geordneten Bahnen verlaufen lassen. Das haben wir erreicht.» Der Sprecher der Polizei ist froh, dass er sich nicht für verletzte Demonstranten, Polizisten, Passanten oder Sachbeschädigungen rechtfertigen muss.

Foto: am Aareufer
und Text: Petra Dobrovolny             

Mein Tagebuch: 16.04.2021

16. April, Freitag:

Die grosse Überraschung: Ab Montag dürfen Restaurantterrassen, Konzertsäle, Kinos und Fitnesszentren in der Schweiz wieder öffnen. Mit Sicherheitsauflagen und zahlenmässig eingeschränktem Publikum. Die Pflicht zum Homeoffice bleibt. In der Kirche darf die Gemeinde mit Masken singen, Chöre jedoch nicht. Immerhin: Es sind mehr Lockerungen als erwartet wurden. Die Begründung: Die Bevölkerung habe sich bisher gut an die Regeln gehalten, die Intensivstationen seien nicht ausgelastet, die geöffneten Wintersportgebiete hätten nicht zur Verschlimmerung des Infektionsgeschehens beigetragen. Man wolle auch illegalen Partys, die sonst in Innenräumen stattfinden, vorbeugen. Die Impfungen zeigen ihre Wirkung, es sterben weniger alte Menschen in den Heimen. Das BAG meint, dass die neu erhältlichen Selbsttests die Inzidenzzahlen verzerren, sodass diese nicht mehr so entscheidend wie früher für die Entscheidung über eventuell strengere Massnahmen herangezogen werden können.

Ein deutscher Bild-Reporter hat für ein paar Tage die Schweiz besucht und berichtet, er hätte sich hier wie «im Corona-Paradies» gefühlt und zum Beispiel in der Stadt Zug nur glückliche Menschen gesehen.

Zurzeit debattiert das Parlament in Berlin über die von Angela Merkel vorgeschlagene Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes. Der Bund soll bei einer Inzidenzzahl von über 100 eigenmächtig, also ohne die Länder, über eine Verschärfung der Massnahmen wie Ausgangssperren, Läden- und Schulschliessungen entscheiden können. Die Bundeskanzlerin verteidigt diese «Notbremse» mit den Hilferufen der Intensivmediziner*innen, die sie ständig erhielte. Andere Hilferufe scheint sie nicht zu hören. Ausgerechnet jetzt wird bekannt, dass die britische Mutante gar nicht schlimmer oder tödlicher sei wie das bisher bekannte Virus. Und die Berechnung des Inzidenzwertes beruht immer noch auf dem nicht validierten PCR-Test. Der Bonner Virologe Prof. Streeck ist nicht der einzige Experte, der Ausgangssperren kontraproduktiv findet. Wenn die Menschen in engen Wohnungen eingesperrt seien, würde sich das Virus erst recht vermehren. Auf welcher „wissenschaftlichen“ Grundlage basiert dann das neue Gesetz? Am besten argumentiert die AfD dagegen. Auf das Ergebnis der Bundestagswahlen im kommenden September darf man gespannt sein. Inzwischen wurde eine neue Partei gegründet: DieBasis.  

Foto: Bergdohlen auf unserer Dachterrasse
und Text: Petra Dobrovolny        

Mein Tagebuch: 02. 04. 2021

2. April, Karfreitag: Würmer, Immunsystem und Fazit nach einem Jahr

Heute kommt Georg nach Leukerbad mitsamt Kompostwürmern. Diese finden Unterkunft im Blumenkistli auf unserer Dachterrasse. In letzter Zeit war es sehr trocken, sodass Georg in unseren Garten in Bremgarten tief graben musste und nur 3 Exemplare finden konnte. Deswegen hält er hier in Leukerbad Ausschau nach weiteren und wird sofort in einer verlassenen Gärtnerei in der Nachbarschaft fündig. Nun gibt es bei uns acht Würmer unterschiedlicher Herkunft. Vielleicht entsteht eine neue Rasse? Eine Wurm-Mutante?

Präsident Macron ordnet für Frankreich einen vierwöchigen landesweiten Lockdown ab Ostersamstag an. Ist dies das richtige Mittel gegen die Verbreitung des Virus und dessen Mutanten? Die WHO hatte im letzten Oktober einen Lockdown nur empfohlen, um sich neu zu organisieren und um das Pflegepersonal zu schützen, jedoch nicht als Dauermittel. Die tschechische Wissenschaftlerin Frau Dr. med. Irena Koutna findet repressive Anordnungen nicht förderlich. Die Hauptrolle spiele die Frage, wie der Mensch sein Immunsystem in Eigenverantwortung pflegen könne. Wichtig seien eine gesunde Ernährung und Bewegung an der frischen Luft.

Ich finde es bedenklich, wenn ein Staat seine Mitbürger*innen und Kinder einsperrt. Das schlägt auf’s Gemüt und schwächt das Immunsystem erst recht. In der Schweiz war und ist immer noch Wintersport möglich. Daraus haben sich keine «Superspreader» ergeben. Alle verhalten sich diszipliniert und halten die Regeln ein. In der deutschen Tagesschau sehe ich, wie die Polizei an Ostern Tagesausflügler*innen daran hindert zu einem Spaziergang bei schönem Wetter an die Nord- oder Ostsee zu fahren. Wie traurig!

Georg zieht nach einem Jahr Fazit zur Corona-Pandemie und zum Verhalten der Behörden in der Schweiz: «Vor einem Jahr, zu Beginn des Ausbruchs, war das Bundesamt für Gesundheit BAG überhaupt nicht vorbereitet. Der bereits seit Jahren vorliegende Pandemieplan, der u.a. vorschreibt, wie viel von welchem benötigten Material ständig gelagert werden soll, blieb in der Schublade. Es gab bei weitem nicht genug Material, welches dazu gar nicht im Land hergestellt wird: Masken, medizinische Schutzkleidung, Desinfektionsmittel usw. Deutschland und Frankreich hinderten sogar mit medizinischem Hilfsmaterial beladene Schweizer LKWs an der Ausreise in die Schweiz. Die Folge waren materialbedingte Empfehlungen und Massnahmen: Man sollte zuhause bleiben, über 65-Jährige wurden pauschal als Risikogruppe bezeichnet, auf welche die Jungen, die immun seien, Rücksicht nehmen sollten. Es wurde ein paar Monate lang über den Sinn von Masken debattiert, bis schliesslich genug vorhanden waren. Heute sind sie im öffentlichen Verkehr selbstverständlich. – Was haben das BAG und der Bundesrat das ganze Jahr lang gemacht? Man soll sich nicht die Hand geben, aber zum Beispiel gibt es immer noch keine Abfallcontainer mit Pedal. In Wien wurden solche schon vor einem Jahrlängst eingeführt. In öffentlichen Toiletten muss man Türen, Abriegelungen und Wasserhähne meistens von Hand bedienen, wie auch die Tastaturen von Automaten, Türöffnungen im öffentlichen Verkehr und vieles mehr.» Georg versteht die Jugendlichen, die jetzt auf der Strasse protestieren. Sie gelten jetzt nicht mehr als immun, ihre Ausbildung leidet, wegen Corona fallen für den Lebenslauf so wichtige Auslandaufenthalte aus. Welche Zukunftsperspektive haben die Jungen?   

Die Walliser Firma Lonza stellt nun Impfstoff für «Moderna» her und hatte Bundesrat Berset angeboten, eine Produktionsstrasse speziell für die Schweiz zu bauen. Alain Berset ging weder auf das Angebot ein noch informierte er den Bundesrat darüber. Dabei will die Schweiz immer autark sein! Immerhin soll dieses Jahr ein inländischer Standort mit der Produktion von Desinfektionsmitteln beginnen.

Foto und Steinmandala von Petra Dobrovolny, auch der Text

Mein Tagebuch: 15.03.2021

15. März, Montag: Ein Gedicht

Der Winter ist wieder eingekehrt, in den Bergen schneit es seit gestern, auch bei uns im Flachland. Doch hier bleibt der Schnee nicht liegen. Ab und zu stürmt es heftig. So verschiebe ich meine Reise in die Walliser Berge noch um ein paar Tage und schreibe stattdessen ein Gedicht über die Sturmböen:

Sturmböen von  A bis Z

Sturmböen wehen aus Südwest
und rütteln an allem,
was nicht niet- und nagelfest.

Offiziell spricht niemand von Inflation,
doch wir spüren sie länger schon:
Ein Bund Radiesli
kostet dieses Jahr bereits 3 Fränkli.
Und über Nacht
hat uns das Steueramt reicher gemacht:
100’000 mehr wert sei unser Haus …
… auf dem Papier,
doch die Praxis sieht anders aus:
Die Steuerrechnung steigt,
und das Amt wird reich.

Viele trauen nicht mehr der Bank
und verstecken ihr Geld
lieber zuhause im Schrank
oder unter der Matratze,
denn Sparen mit Konto
ist schon längst für die Katze.

Einige Länder der EU setzen den Impfstoff
von AZ aus
und empfehlen der Bevölkerung:
«Bleibt besser zuhaus’,
denn jetzt kommt die nächste Welle
und so auf die Schnelle
haben wir keine andere Lösung.»

In Brüssel schüttelt man den Kopf
und kann es nicht fassen:
Die Schweiz hat diesen Impfstoff erst gar nicht
zugelassen!
Die SchweizerInnen fahren Ski,
trinken Ovo und Bier im Schnee
und geniessen vom Restaurant das Take-Awee.
An der Aare turteln die neuen Liebespärchen.

Brüssel meint: «Ihr lebt wie im Märchen!
Doch bald bläst der nächste Sturm aus Südwest
und rüttelt an allem,
was nicht niet- und nagelfest.»

Foto: Blick auf das Berner Oberland und
Text: Petra Dobrovolny
















Mein Tagebuch: 21.02.2021

21. Februar, Sonntag

Gestern, Samstag, hat in Berlin ein Schweigemarsch als Protest gegen die fortdauernden Corona-Massnahmen und die erodierende Demokratie stattgefunden. Eine Bürgerin aus Mecklenburg-Vorpommern hatte die Idee dazu. Sie meint, es sei schon genug geredet worden, Schweigen als Protest sei jetzt sinnvoller. Der freischaffende Journalist Boris Reitschuster berichtet davon in einem Lifestream auf Youtube über 2 Stunden lang. Er findet es bedauerlich, dass bei diesem guten Wetter nur ein paar Tausend Demonstrierende mitmachen, Kinder und Jugendliche sind fast keine dabei. Alle halten Abstand und tragen eine Maske. Trotzdem gibt es am Strassenrand immer wieder Gegendemonstrant*innen, die die am Schweigemarsch Teilnehmenden, übel beschimpfen und als «Nazi» bezeichnen. Herr Reitschuster, der auch regelmässig Fragen an der Bundespressekonferenz stellt und davon berichtet, erhält öfters einen spontanen persönlichen Dank für seine Arbeit, einmal ruft ihm aber ein Mann voller Hass entgegen: «Reitschuster, verpiss dich!» Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie gespalten die Gesellschaft ist. Die Polizei verhält sich sehr höflich und zurückhaltend. Sie achtet darauf, dass sich die beiden Lager nicht in die Haare geraten.

In der Schweiz wird kaum öffentlich gegen die Massnahmen demonstriert. Die Empörung der Gewerbeverbände und bürgerlichen Parteien richtet sich zurzeit vor allem gegen Gesundheitsminister Berset, der ab 1. März zwar die Geschäfte wieder öffnen will, jedoch frühestens am 1. April die Restaurants und deren Terrassen. Der ehemalige Bundesrat und jahrzehntelange Chef der SVP (Schweiz. Volkspartei), Herr Blocher, bezeichnet Bundesrat Berset als Diktator. Damit erntet er aber keinerlei Beifall, denn solche Beschimpfungen oder Bezeichnungen sind in der Schweiz egal in welcher Partei verpönt.

Die offenen Terrassen der Bergrestaurants sollten gemäss Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (!) geschlossen sein. Der Bundesrat schliesst sich an und gibt diese Empfehlung als Weisung, die befolgt werden sollte, heraus. Die Kundschaft darf offiziell nur ein Take away mitnehmen, aber weder Tische noch Stühle der Terrasse benützen. Die Restaurants finden aber, dass sich gerade dank der Tische grössere Menschenansammlungen vermeiden liessen. Sie hoffen, dass sich diese Diskussion sowieso bald erübrigt. Ein Restaurantbesitzer meint: «Dann soll der Bundesrat eben die Armee schicken.» Ich bin einfach schon mal dankbar, dass Restaurants, die Take away anbieten, die Toiletten öffnen dürfen.

Unsere Bekannten und Familienmitglieder in Deutschland und Tschechien staunen über die Schweiz, wo Hotels und Skigebiete geöffnet haben.

Foto: Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 12.02.2021

12. Januar, Freitag: Inzidenzzahlen, Visionssuche und «Warum?»

Jetzt in Deutschland zu leben, ist eine besondere Herausforderung. Bei der letzten Pressekonferenz der Regierung in Berlin, in der eine Verlängerung des Lockdowns bis Anfang März mitgeteilt wurde, verschlägt es mir die Sprache über diese unterschwelligen menschenverachtenden Aussagen, wenn man denn genau hinhört …  Ich möchte davon hier gar nichts wiedergeben. Wer Ohren hat, der oder die höre selbst.

Weisser Adler, ein spiritueller Lehrer, sagt: Diese Zeit ist eine Herausforderung oder Aufforderung dafür, die eigene Lebensvision zu finden oder neu zu überdenken. In der Tradition der sog. Indianer war die Aufgabe der Visionssuchenden ein paar Tage lang in der Einsamkeit der Natur ohne Essen und Trinken auszuharren. Dadurch entstand die geistige Klarheit über den eigenen Lebenssinn. Die jetzigen Lebensumstände bringen uns in eine ähnliche Situation: In der Isolation, fern von den meisten sozialen Kontakten, nur mit dem Nötigsten zum täglichen Gebrauch haben wir die Chance ohne Ablenkung für sich selbst zum Wesentlichen zu kommen und sich zu fragen: Was will ich in meinem Leben noch erreichen? Wofür will ich kämpfen? Was ist mir wichtig? Wer ist mir wichtig?

Visionssuche ist angesagt. Nutzen wir diese wertvolle Zeit! Lauschen wir nach innen!

Wollen wir ein Leben wie in einem sterilen Labor? Der Präsident des RKI, Herr Prof. Wieler, findet es gut, dass dank der Massnahmen auch andere Infektionskrankheiten kaum mehr aktiv sind. Am besten sei eine Inzidenz 0 oder höchstens 10, das bedeutet, dass am besten gar keiner von 100’000 Menschen sich innerhalb von 7 Tagen ansteckt. Deutschland hat zurzeit eine Inzidenz von 63. Bis 0 wäre noch ein langer Weg.  Die WHO empfiehlt Lockerungen ab 50. Nun hat die deutsche Bundesregierung eigenmächtig eine Inzidenzzahl von 35 (!!!) als Ziel festgelegt. Also werden die strengen Massnahmen um noch mindestens einen Monat verlängert und die Grenzen zu Nachbarländern, vor allem zu Tirol und Tschechien fast geschlossen.

In der Schweiz sorgen der Gewerbeverband, verschiedene Berufsverbände, die Gewerkschaften und vor allem die SVP (Schweiz. Volkspartei) dafür, dass der Bundesrat, vor allem Herr Berset sich weder zu sehr in seine Macht als Gesundheitsminister verliebt noch zu sehr nach Deutschland schielt. Auch seine eigene Partei, die SP, kritisiert ihn. Die SVP lanciert eine Petition, die die sofortige Öffnung der Geschäfte und weitere weitgehende Lockerungen fordert. Jede Stunde Lockdown koste die Schweiz 6 Millionen Franken. Die Schweizer*innen erreicht man am besten über das Portemonnaie. Da ist es gut herauszufinden, wieviel eine Stunde Freiheit kostet.

Die tschechische Virologin Sonja Pekova wird diffamiert, anstatt dass man sich mal anhört, was ihre Forschung ergeben hat. Sie hat herausgefunden, dass die neuen Mutanten des Virus keine neuen Varianten sind, sondern neue Stämme. Das Verhalten dieser Stämme sei so ungewöhnlich, dass sie vermutet, es gäbe ein geheimes Labor, das mit Absicht neue Virenstämme züchtet und auf die Welt loslässt. Die neu vorkommenden Viren seien nicht Mutanten von SARS-Cov-2, ähneln diesem auch nicht, sondern weisen eigene Stämme auf. Eigentlich müssten sie SARS-Cov-3, SARS-Cov-4 und SARS-Cov-5 benannt werden. Als Vergleich dazu, zieht sie das Beispiel verschiedener Hunderassen heran: Der heutige Hund ist keine mutierte Wolfsvariante, sondern hat auch eigenständige Gene, die mit der Zeit durch Züchtung entstanden sind. So gibt es heute Pinscher, Doggen und Pudel. Ihre Forschungsergebnisse könnten sich andere Virolog*innen doch mal konkret anschauen. Warum passiert das nicht? Stattdessen wird ihr vorgeworfen, vor 5 Jahren nicht richtig mit Forschungsgeldern umgegangen zu sein.

Falls Frau Pekova recht hat, hätte dies Folgen für den Impfstoff: Der bisherige Impfstoff würde nämlich überhaupt nicht bei den neuen Viren nützen. Eine Impfstoffhersteller-Firma sagt, dass der bisherige Impfstoff auch bei Mutanten nützt, dass es jedoch einfach sei, den Impfstoff anzupassen. Die Antwort der Swissmedic, der schweizerischen Zulassungsbehörde, lautet: Wenn nur geringe Veränderungen am Impfstoff nötig wären, würde sich ein kompliziertes und langwieriges Zulassungsverfahren erübrigen. Wir können also wieder mal beruhigt sein. Besonders, wenn wir nicht die Frage stellen, wer das bezahlt.

Die 10-köpfige Delegation der WHO, die vor kurzem Wuhan besuchte, um die Herkunft des Virus zu erkunden, hat nichts herausgefunden. Ihr Fazit: Es bleibe bei der Vermutung, dass es von Fledermäusen übertragen worden sei. Und wenn das Labor absichtlich Fledermäuse infiziert hat? Doch danach fragt niemand.

Der Oberarzt eines mährischen Krankenhauses in Hranice schildert die dortigen Verhältnisse: Tagtäglich kämen Menschen mit harmlosen Erkältungssymptomen, die sich leicht mit Tee, Vitamin C und ein paar Tagen Bettruhe kurieren liessen. Sie sind überzeugt, sie hätten CoViD-19 und bestehen auf einem Spitalbett. Kaum hat dieser Arzt auch noch Statistiken ins Netz gestellt, die zeigen, dass die Situation anders ist als von offiziellen Stellen beschrieben wird, gehen die Medien auf ihn los. Er würde seine Patienten nicht ernst nehmen und sich über sie lustig machen. Ein paar Tage später wird er degradiert und fristlos entlassen. Massgebend wurde dies durch die Medien verursacht. Warum?

Foto: Holzschnitzerei vor einem geschlossenen Restaurant in Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny