Mein Tagebuch: 30.07.2021

30. Juli, Freitag:

Es regnet und regnet, der Hochsommer und die «Hundstage» bleiben aus, während es in Südosteuropa brennt. Unsere Tomaten können wir dieses Jahr vergessen. Sie wurden vom Hagel durchlöchert. Den Walliser Winzern macht der Falsche Mehltau zu schaffen. So sind wir froh um unsere Weinvorräte des sehr guten Jahrgangs 2019.

Ein grosses Thema in den Mainstream-Medien: Mehr Rechte für Geimpfte! Wenn jemand vor ein paar Monaten sagte, dass uns die Grundrechte genommen werden, war er bereits ein Verschwörungstheoretiker. Jetzt heisst die Forderung: Geimpfte sollten ihre Rechte zurückbekommen. Das Covid-Zertifikat soll in manchen Ländern bald nicht nur für Grossveranstaltungen, Theater und Konzerte gelten, sondern auch für Besuche in Restaurants und Altersheimen. Der PCR-Test soll bald für Ungeimpfte nicht mehr gratis sein. Für das Gesundheitspersonal gilt zum Beispiel in Frankreich ab September eine Impfpflicht. Die Proteste und Demonstrationen dagegen nehmen zu. 
Auch in der Schweiz wird die dritte Impfung im Herbst vom BAG «geprüft». Sie wird als «Auffrischung» bezeichnet.
In Südamerika soll die nächste Variante entdeckt worden sein. Südamerika ist weit weg, könnte man meinen. Doch unsere Nachbarn sind vor wenigen Tagen aus Equador zurückgekommen… Die neue Virusvariante heisst «Lambda». Nach «Delta» werden fünf Buchstaben des griechischen Alphabets übersprungen. Wenn dies ein Zeichen dafür ist, das wir in grösseren Schritten alle Varianten abhaken und bald bei Omega, also am Ende des Alphabets ankommen, habe ich nichts dagegen. Der Bundesrat hatte vor etwa zwei Monaten für Ende Juli die Aufhebung aller Massnahmen versprochen, doch jetzt ist er wieder zurückgekrebst: Da sei die sich ausbreitende Delta-Variante, man müsste abwarten, was die Leute mitbringen, die aus den Ferien zurückkehren und wie sich der Schulanfang auswirke usw. Und die Maskenpflicht müsste bestimmt mindestens bis zum kommenden Frühjahr beibehalten werden, denn den Winter verbringen wir wieder vermehrt in geschlossenen Räumen. In einem Radio-Interview erwähnt Bundesrat Berset nebenbei, dass nach der Impfung 19 Personen gestorben seien. Er stellt dies ohne Kommentar fest. Der Moderator hakt hier auch nicht nach.

Im Wallis will sich niemand mehr impfen lassen. Die Kantone Obwalden, Nidwalden und Appenzell Innerrhoden sind schweizweit die «Schlusslichter». Am meisten Geimpfte gibt es im Kanton Zürich. Ja, die Bergler und Berglerinnen: Sie sehen die Welt aus einer anderen Perspektive!

Foto und Text: Petra Dobrovolny  

Mein Tagebuch: 29.07.2021

29. Juli, Donnerstag: Eine Verschwörungstheorie löst sich auf

Es bewegt sich doch etwas: Nach etwa 17 Monaten löst sich eine Verschwörungstheorie auf. Genauer gesagt: Sie wandelt sich und wird salonfähig. Seitdem der amerikanische Präsident Joe Biden die US-Geheimdienste damit beauftragt hat, der Frage nach dem Ursprung des Virus nachzugehen, ist eine neue Debatte über die Entstehung des Virus möglich geworden. Sogar Tedros, der Generaldirektor der WHO, hat vor kurzem gesagt, das Virus könnte einem Labor entwichen sein. Er sei selbst einmal Laborant gewesen und wüsste, dass Unfälle passieren.
Letztes Jahr wurden Wissenschaftlerinnen wie die Tschechin Sonia Pekova und die Italienerin Rossana Segreto diffamiert und schikaniert, weil sie anhand ihrer Studien herausgefunden hatten, dass das Virus in einem Labor entstanden ist. Ein sonst üblicher wissenschaftlicher Diskurs war gar nicht möglich. Personen, die die These der Laborentstehung vertraten und verbreiteten wurden beschimpft und zensiert. Heute sagt sogar der deutsche Virologe Herr Drosten, der dieser These damals vehement widersprach, dass dies möglich sei. Für Rossana Segreto spielt es keine Rolle, wer Recht hat. Sie meint: «Wir sollten nur klug genug sein, allen Möglichkeiten nachzugehen. So steigern wir die Chance, dass wir so etwas wie die aktuelle Pandemie in Zukunft besser verstehen und vielleicht ein weiteres Mal verhindern können. Das sind wir unseren Kindern schuldig.» (Quelle: Die österreichische Wochenzeitung «News» vom 09.07.2021)

Unterdessen verstärkt sich der gesellschaftliche Druck auf die sogenannten Impfskeptiker noch mehr. Eine Leserbriefschreiberin meint im heutigen «Bund», dass das Urteil «verantwortungslos» nicht für solche, die mit dem Impfen noch abwarten, zutreffe. Es gäbe genug Gründe zur Skepsis. Und sie selbst sei sehr wohl um die Volksgesundheit besorgt und nähme ihre Verantwortung wahr, indem sie sich vorläufig nicht impfen liesse.
 
Am 27. Juli schreibt das Schweizer Gratisblatt 20minuten: «18 tote Geimpfte – Weniger als erwartet». Ich finde das sehr makaber. Passierte dies während eines klinischen Versuchs, würde man weitere Versuche mit dem Impfstoff sofort stoppen und ihn erst gar nicht zulassen. «Der Bund» von heute bringt die neusten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit: 379 Personen mit vollständiger Impfung haben sich trotzdem angesteckt. Diese Zahlen bewegten sich «im Rahmen» und seien erwartet worden. Aktuell seien 47,4 Prozent oder über 4 Millionen der Bevölkerung geimpft. – Besonders in Israel gibt es viele «Impfdurchbrüche» vor allem bei älteren Menschen. Deshalb sollen über 60-Jährige ein drittes Impfangebot erhalten.

Ich wundere mich, was alles als «erwartet» bezeichnet wird. Und «erwartet» bedeutet in dem Zusammenhang «normal» und kein Grund zur Besorgnis. Doch wer ist „man“, der da etwas erwartet? Warum wurden wir von „man“ nicht im Voraus über diese Erwartung informiert?  

In dieser Zeit werden immer wieder Begriffe umdefiniert. Zum Beispiel
1. «Solidarität»: Ich bin solidarisch, wenn ich mich impfen lasse.
2. «Freiheit»: Mit dem neuen grünen Pass sind wir frei. Jene, die keinen haben, sind es nicht.
3. «Der Tag der Freiheit» wird gefeiert, wenn wir alle geimpft sind, sodass alle bisherigen Massnahmen aufgehoben werden können.
4. «Immunität»: Immun ist, wer zweimal geimpft ist. Womöglich mit zwei verschiedenen Impfstoffen. Von natürlicher Immunität spricht offiziell niemand. «Von-selbst-Genesene», die sich zuhause selbst kurierten – wie zum Beispiel Georg mit Meersalz-Inhalationen – und wegen Covid-19 weder in einer Arztpraxis noch in einem Spital waren, gibt es nicht. Sie wurden statistisch gar nicht erfasst.
5. «Impfstoff»: Die Herstellerfirmen, wie zum Beispiel BioNtech/Pfizer, beschreiben ihn als eine Injektion, die keine sterile Immunität verursacht: „It may not prevent you from getting …“. Somit lassen sie sich eine Hintertüre offen. Andere Experten sagen, es handle sich gar nicht um einen Impfstoff, sondern um ein Gen-Therapeutikum. Ursprünglich wurde die Technik, mit welcher jetzt mRNA-Impfstoffe hergestellt werden, zur Behandlung von Krebserkrankungen entwickelt.

Wer in Bezug auf diese neuen Definitionen anderer Meinung ist, wird von den Medien als Verschwörungstheoretiker oder Verschwörungsmystiker bezeichnet. Welche weiteren Theorien werden sich in den nächsten Monaten auflösen? Oder enthüllt werden? Das aus dem Griechisch stammende Wort „Apokalypse“ bedeutet „Enthüllung“.

These times may not prevent you from … what?

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 06.02.2021

6. Februar, Samstag:  Erdbeben

In Leukerbad liegt 1 m Schnee, ich wollte am letzten Freitag dorthin in unsere neue Wohnung fahren, doch wegen Lawinengefahr war die Strasse ab Leuk gesperrt. Am Samstag fuhr der Bus wieder. So konnte ich hierherkommen, rechtzeitig, um am Sonntag den letzten kleinen Transport mit den letzten Sachen von meiner Praxis in Empfang zu nehmen. Unser kosovarischer Nachbar hat alles in sein Auto geladen und kam zusammen mit Georg gut in den Walliser Bergen und Leukerbad an. Rechtzeitig vor drei weiteren Tagen mit ausgiebigen Schneefällen.

Nach 4 Monaten Räumen, Umzug und neuem Einrichten bin ich reif für einen Winterschlaf.

In der Nacht auf den vergangenen Donnerstag hat es in der Region Bern mit einer Magnitude von 2.8 gebebt. Das Epizentrum war unser Dorf! Das sei sehr selten, schreibt «der Bund».  Es seien keine Schäden gemeldet worden. Am meisten bebt es in der Schweiz im Wallis und in Graubünden. Dies hängt mit der Entstehung der Alpen zusammen. Die europäische und die afrikanische Platte stossen hier zusammen. Der Schweizerische Erdbebendienst registriert mit seinen 200 Messstationen pro Jahr durchschnittlich 1000 bis 1500 Beben in der Schweiz und im nahen Ausland. Etwa 20 Erdbeben werden von der Bevölkerung wahrgenommen.

Georg macht sich wieder auf den Weg nach Bern und berichtet mir nach seiner Ankunft, dass alles in Ordnung sei.

Die Corona-Massnahmen könnten eigentlich schon längst gelockert werden. Die Fallzahlen sind gesunken. Aber die neuen Mutationen aus Grossbritannien, Südafrika und Brasilien sind anscheinend so ansteckend, dass die Verantwortlichen keinerlei Risiko wagen. Nur Österreich lockert. Deutschland verschärft die Grenzkontrollen mit Tests.

Unsere kosovarischen Nachbarn, eine 4-köpfige Familie, planen 10 Tage Ferien in ihrer Heimat. Vor dem Abflug müssen sie sich testen lassen, auch vor dem Rückflug. Sonst dürften sie erst gar nicht in das Flugzeug steigen.

Gestern hat die Erde sogar in Schaffhausen gebebt. Am Rhein bei Bonn gibt es Hochwasser.

Foto: Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 15.01.2021

15. Januar, Freitag: Lockdown nach Schweizer Art

Es schneit und schneit. In den Bergen haben Lawinen einige Strassen versperrt.

Ab nächstem Montag hat der Bundesrat wieder einen strengeren Lockdown verordnet. Die Begründung: Die Zahlen seien nicht tief genug gesunken, wegen der Feiertage sei viel zu wenig getestet worden. Vor allem sei das Virus mutiert und um 70% ansteckender. Wir fragen uns: «Woher weiss man das? Wer hat das wie festgestellt?» Grossbritannien sei ein abschreckendes Beispiel, das dortige Gesundheitswesen ist anscheinend wegen des mutierten Virus zusammengebrochen. Die Queen (94) und ihr Ehemann (99) haben sich vorbildlich impfen lassen. Deutschland ist ein positives Vorbild für die Schweiz. Die dortigen Massnahmen sind wieder sehr streng, sogar Bewegungseinschränkungen für einen Radius von mehr als 15 km sind an der Tagesordnung. Wurde dem mutierten Virus ein Kilometerzähler eingebaut?

Der Lockdown der neusten Ausgabe zeichnet sich durch die üblichen schweizerischen Kompromisse aus, denn der Gewerbeverband durfte im Unterschied zu letztem Frühjahr mitreden. Dinge für den kurzfristigen täglichen Bedarf – wer definiert das? – dürfen verkauft werden: «Blumen ja, Kleider nein» heisst die heutige Schlagzeile im «Bund»: «Ab nächstem Montag dürfen wir in der Schweiz keine Schuhe mehr kaufen, Blumensträusse aber sehr wohl. Wir dürfen in den Baumarkt, nicht aber ins Möbelgeschäft. Wir können im Handel Briefpapier und Stifte erstehen, aber keine Sportbekleidung.» Mein Zusatz: Zum Coiffeur darf man, operiert werden darf man nicht, Geschirr und Kochtöpfe, auch Unterwäsche kann man kaufen, T-Shirts nicht. Druckertoner muss ich heute noch dringend besorgen. Auch dieser gehört nicht zum täglichen kurzfristigen Bedarf, obwohl er alles andere als langfristig hält.

Restaurants, Bars und Freizeitbetriebe können nicht wie ursprünglich vorgesehen ab dem 22. Januar wieder öffnen, sondern müssen noch 5 weitere Wochen geschlossen bleiben. Die SVP – die Schweizer Volkspartei, deren Freunde wir nicht gerade sind, die uns jedoch im Verlaufe des letzten Jahres sympathischer geworden ist, schreit auf: «Heimbewohner*innen haben sich sicher nicht im Fussballstadium und in Restaurants angesteckt!» Das ganze Szenario wird immer absurder. Georg meint: «Wenn man alles den Bürokrat*innen überlässt, kommt nichts Gescheites dabei heraus ausser neue Formulare.» Eine Wirtin erzählt im Radio, dass sie 2 Restaurants in 2 verschiedenen Kantonen führe und 2 verschiedene Formulare ausfüllen müsse, um eine Entschädigung zu beantragen.

Bundesrat Berset hat die Psycholog*innen vertröstet: Seine Sachbearbeitenden seien wegen Corona völlig überlastet. Der über 20 Jahre pendente Antrag der Psychologieverbände, die Dienstleistung der psychologischen Psychotherapeut*innen von den Krankenkassen vergüten zu lassen, wird wieder einmal aufgeschoben. Dabei ist die Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen in der Schweiz jetzt erst recht durch Corona sehr mangelhaft. Der Berufsverband reagiert mit grossem Verständnis, wie es Psycholog*innen eben tun.

Ob die Skigebiete schliessen, bleibt den Kantonen überlassen. Ein paar Kantone wehren sich vehement gegen die Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns. Die Zahlen sind gesunken, die Spitäler haben genügend Kapazitäten, es sterben weniger Menschen als sonst. Von Grippe spricht niemand mehr. Wurde diese dank Impfungen ausgerottet? Mir kommt es vor, als würden wir alle in ein steriles Versuchslabor gesteckt, auf eine fürsorgliche Art und Weise durchgetestet und durchgeimpft, dann weiterhin noch für eine lange Zeit beobachtet … Doch so etwas darf ich weder denken noch äussern, denn dann wäre ich eine Verschwörungstheoretikerin. Man darf auch das Wort Plandemie statt Pandemie nicht in den Mund nehmen.

Ein Beispiel dafür, wie wir auf dies alles positiv reagieren können, gibt die britische spirituelle Lehrerin Diana Cooper. Gerade jetzt ist die Zeit günstig, um unsere Schwingungen zu erhöhen und spirituell zu wachsen: «Lets collectively raise our frequency during this new wave of change and use lockdown positively to grow spiritually and spread the light.»

Become a star! Doch bitte bleibe mit beiden Füssen auf der Erde, auch wenn du wie ein Stern leuchtest! 

Foto und Text: Petra Dobrovolny   

Mein Tagebuch: 06.01.2021

6. Januar, Mittwoch: Die drei heiligen Könige …
… kamen damals dem Stern folgend in Bethlehem an. Sie brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Gold erinnert uns an unsere göttliche Herkunft und Schöpferkraft, Weihrauch reinigt und Myrrhe stärkt unser Immunsystem. Da wäre eigentlich keine Impfung nötig. Astronomisch gesehen leuchtet uns dieses Jahr tatsächlich so wie damals der Stern von Bethlehem: Jupiter und Saturn haben sich miteinander verbunden und leuchten von uns aus gesehen abends im Südwesten im Sternbild des Wassermanns. Zur Zeit von Christi Geburt war dies im Sternbild der Fische. Das Zeitalter des Wassermanns steht für Wahrheit, plötzliche Eingebungen und Erfindungen, Freiheitsliebe und für die Erkenntnis, dass wir alle zwar unterschiedlich, aber doch eins sind.

Heute ist der höchste Feiertag für die orthodoxe Kirche. Die Erscheinung Christi wird wahrgenommen! Dies ist ein Grund zum Feiern und um sich zu beschenken. Hier geht es um zwei verschiedene Tatbestände: 1. Um die Geburt des Christuslichts und 2. um dessen Wahrnehmung. Wieder einmal geht es um unser Bewusstsein: So gibt es viele Menschen, die die Wahrheit sprechen, aber bis diese wahrgenommen wird, dauert es noch einige Zeit. Mein Wunsch für dieses Jahr: Mögen wir den Stern wahrnehmen, der uns in der Dunkelheit den Weg zur Wahrheit und zur Liebe beleuchtet.
In vielen Gegenden, auch hier in Leukerbad, gibt es noch die Tradition der Sternsänger und -sängerinnen. In der Ukraine, zum Beispiel in Kiew gehen sie in kleinen Gruppen durch die Strassen der Innenstadt, tragen einen grossen bunten Stern an einer langen Holzstange und singen vom Stern von Bethlehem, den drei heiligen Königen und der Erscheinung des Lichts.

In China wurde während der SARS-Epidemie vor ein paar Jahren ein Mittel aus verschiedenen Heilkräutern entwickelt. Dieses wird jetzt erfolgreich bei Covid19 eingesetzt. Es lindert die Symptome. In der Schweiz ist es in der Zürcher Bellevue Apotheke erhältlich. Von einem Medikament gegen Covid19 ist in den Medien keine Rede. Alle Zeitungen schreiben jetzt jeden Tag nur über Impfungen. Auch die WHO spricht nur noch von Impfungen und nicht mehr von Durchseuchung oder Herdenimmunität der Weltbevölkerung.

Eine Entspannung gäbe es nicht, die Massnahmen, die bis zum 22. Januar gelten sollten, werden wahrscheinlich bis Ende Februar verlängert. Der Bundesrat will sich noch mit den Kantonen absprechen und nächste Woche entscheiden. Der Gesundheitsminister gibt zu, dass er die Lage zurzeit nicht einschätzen könnte, die Zahlen seien aber immer noch zu hoch. Restaurants, öffentliche Bäder, Kulturbetriebe usw. werden geschlossen bleiben. Im Wallis müssen jetzt schon die Geschäfte nach 19 h und sonntags wieder schliessen. Insgesamt 19 Länder stehen auf der Risikoliste, darunter jetzt auch Tschechien. Besuche unserer Familie sind also nicht möglich. Geduld und Gelassenheit sind angesagt.

Im hiesigen Buchantiquariat habe ich ein Buch mit Oberwalliser Sagen gefunden. Es enthält eine stattliche Sammlung von 379 Sagen. Auch die damalige Pest hat darin ihre Spuren hinterlassen. Die Sage vom weisen Stier möchte ich euch hier weitergeben:

«In Binn gab es durch die Pest so viele Tote, dass zu wenig Leute da waren, um sie zur Kirche zu tragen und zu beerdigen. Darum holten die Leute den Gemeindestier der Alpe Schapel, und der musste die Toten zur Kirche ziehen. Jedes Mal, wenn er eine Fuhr herbeigeschleppt hatte, trieb man ihn auf eine Weide neben der Kirche, wo er graste, bis die Leute ihn wieder brauchten. Er lief da niemals weg. Schliesslich, als er die letzte Fuhre wieder herbeigeführt hatte, trieben sie ihn wieder auf die Wiese. Aber ohne fremdes Zutun lief er auf und davon bis in die Alpe, woher er gekommen war. Die Pest war jetzt zu Ende.» Josef Guntern: Walliser Sagen. Walter-Verlag Olten und Freiburg im Breisgau, 1963

Mein Neffe ruft mich aus Barcelona an. Dort lebt er seit einigen Jahren mit seiner Familie. In Spanien gab es immer viel strengere Massnahmen als hier bei uns in der Schweiz. Er meint, dass die Impfungen zum Glück bald Erleichterungen brächten und dass es gut sei, wenn alle Massnahmen eingehalten würden. Über ein Jahr lang ist er weder geschäftlich noch privat in ein Flugzeug gestiegen, so viel wie möglich arbeitet er im Homeoffice. Er findet das gut, und der Familie geht es auch sehr gut. Ich teile ihm meine Bedenken zu den wissenschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Regierungsentscheidungen zu all den Massnahmen mit, vor allem in Bezug auf die Impfungen, die viel zu schnell zugelassen wurden. Nach dem mehr als einstündigen Gespräch wird er nachdenklich.

Klar, ich nehme das Virus ernst und bin vorsichtig. Ich trage meine kleine Stoffmaske mit den bunten Schmetterlingen im öffentlichen Verkehr und beim Einkaufen. Ich halte Abstand und bin froh, wenn dies andere auch tun. Doch das war für mich schon vor Corona so. Auf die in Bern üblichen 3 Küsschen auf die Wange kann ich ohne weiteres verzichten, auf das Handgeben sowieso. Ich halte es lieber mit dem asiatischen «Namaste!» oder dem hawaianischen «Aloha!», beides bedeutet: «Ich grüsse das Göttliche in dir!» und halte meine Hände vor meinem Herzchakra aneinander. Dies löst bei meinem in der Regel nicht-asiatischen Gegenüber immer noch ein ziemliches Befremden aus, ein chinesisches Gegenüber reagierte mit einem verlegenen Lächeln, doch ich finde die Berührungen mit dem Ellenbogen oder, noch schlimmer, mit dem Fussknöchel unmöglich. Meine sozialen Kontakte beschränke ich auf Mails und Telefongespräche. Impfen lassen werde ich mich sicher nicht. Ich werde auch allen, die mich mal besuchen möchten, sagen, dass sie dies auf eigene Gefahr tun, denn ich bin ein Risikofaktor in jeder Hinsicht. Und wenn jemand meiner Bekannten sagt. «Da kann man doch nichts anderes machen als abwarten, bis alles vorbei ist!», dann entgegne ich: «Oh, doch! Du kannst zumindest wie ein kleines Kind fragen «Warum?» oder weiter nach der Wahrheit fragen und sowieso dein inneres Licht in die Welt leuchten lassen!» Eigentlich müssen wir gar nicht erst auf den Stern von Bethlehem warten, sondern wir können selbst ein Stern werden. «Become a star!»

Foto: Krippe in Leukerbad, leider fehlen hier Ochs‘ und Esel, auch Schafe und Hirten … Georg gefällt der Melchior, denn der hätte noch eine Persönlichkeit!
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 11. bis 16. Juli 2020

11. Juli, Samstag:

Ein grosser weisser LKW ohne Firmenaufschrift steht am Morgen vor dem Haus unserer Nachbarn: Sie ziehen aus, sang- und klanglos, ohne Abschied. Niemanden von den 10 nachbarlichen Parteien unserer Sackgasse haben sie informiert. Letztes Jahr hatten wir im August alle zusammen noch gefeiert… Wir wollten sie nicht ausfragen, wenn sie von sich aus nichts sagen wollten. Zum Schluss wird das weisse Kinderbett mit den hohen Stangengitter eingeladen. Wir werden sie vermissen, die kleine Lena. Immer wieder schaute sie durch den Zaun zu uns herüber. Nach zwei Jahren wird ihr Lebensweg an einem anderen Ort weitergehen. In Gedanken wünschen wir ihr und ihren Eltern alles Gute.

Da haben wir es schon per Post:  Die erste Steuererhöhung! Im Kanton Bern werden die amtlichen Werte für sämtliche nichtlandwirtschaftliche Grundstücke angepasst, d.h. ab dem Steuerjahr 2020 erhöht.

Soooo viel wurde bereits über das Corona-Virus und die Pandemie geschrieben! Aber viele Fragen wurden immer noch nicht beantwortet:
– Wieviele Menschen sind bis heute ausschliesslich an Covid-19 gestorben?
– Wie sieht der Vergleich zur normalen Sterblichkeit aus?
– Wie kann die Immunität gestärkt werden? Allgemein verständliche Anweisungen für den «Normalverbraucher» gibt es von offizieller Seite nach wie vor nicht.
– Wann wird die bisher ungenügende und irreführende Definition der Risikogruppe revidiert?

In den Kantonen Zürich und St. Gallen gibt es neue Infektionsherde. Meistens sind Clubs und Bars die Ursache. Von Anfang an wurden ständig die über 65-Jährigen als gefährdete Gruppe bezeichnet, die Jüngeren seien nicht betroffen. Und jetzt fällt es diesen schwer zur Kenntnis zu nehmen, dass sie auch erkranken können. So wie etwa 50 Rekruten, die zur Sommer-Rekrutenschule aufgeboten wurden.

Der brasilianische Präsident Bolsonaro, der sich für unbesiegbar hielt, ist nun an Covid-19 erkrankt. Er wird angeklagt, weil er die Gesundheit des Volkes nachlässig auf’s Spiel gesetzt hat. Er werde diese «leichte Grippe» wie ein Mann durchstehen. Oh, Mann!

Der «Bund» von heute bringt einen Artikel mit dem Titel: «Wieso wir zuversichtlich sein können». «Es gibt keinen Grund, in panisches Schwarzmalen zu verfallen. Noch weniger angebracht ist allerdings riskante Sorglosigkeit.» Die Ansteckungszahlen seien weniger stark angestiegen als nach den Grenzöffnungen und Lockerungen der Massnahmen befürchtet. Die Zahlen der Spitaleinweisungen und der Todesfälle durch Covid-19 hätten bis jetzt nicht zugenommen. Weite Teile der Schweiz seien nur wenig betroffen, vor allem gäbe es lokal begrenzte Ausbrüche. Gesunde Zuversicht, dass wir die Pandemie meistern werden, sei richtig. Ich staune über diesen positiven Artikel, der keine Panik verbreitet.


13. Juli, Montag:

Am Abend lese sich meine Gedichte vor, 20 Leute hören mir andächtig zu. Eine Stunde lang lese ich aus den Sammelbänden «In der Blütenwelt flanieren», «Eine Tasse Tee geniessen» und «Den Wellen gegenüber», welche vom Literaturpodium in Deutschland herausgegeben wurden. Zwischendurch spiele ich Klänge auf meiner neun-saitigen Navatar-Tambura. Es wird ein besinnlicher Abend. Die Zuhörenden wünschen sich zum Schluss, dass ich die Gedichte «Dein Vermächtnis», «Zur Feier des Lebens» und «Deine Bestellung» noch einmal vorlese. Einige vom Publikum sagen, dass sie tief berührt seien, dieser Abend sei ein kostbares Geschenk gewesen.

Die Engelkarten von Estelle sagen uns für diese Woche:
Die Engel helfen euch, neue Türen werden sich öffnen. Eure Wünsche manifestieren sich. Es gibt unglaubliche Gelegenheiten! Es kommt alles gut, ihr kommt in ruhigere Gewässer und seid auf dem richtigen Weg. Es gibt keinen Grund zur Sorge! No need to worry!   


16. Juli, Donnerstag:

Unglaublich, was heute alles passiert:
Unsere Nachbarn, die junge Familie, ist nach ein paar Tagen Putzerei endgültig ausgezogen. Jetzt kann ich wieder unbesorgt die Fenster öffnen, ohne dass Zigarettenrauch in unser Haus dringt. Wann die nächsten Mieter einziehen werden, wissen wir nicht.
Als ich am Nachmittag bei den Nachbarn den Briefkasten leere, treffe ich den Schwiegersohn Philip und den kleinen Enkel an: Die Grosseltern sollen jeden Moment aus Neuseeland zurückkommen! Ich übergebe Philip die Schlüssel und verabschiede mich. Ich bin sehr erleichtert, diese Verantwortung abgeben zu können. Zum Glück geht es den Fischen im Aquarium gut. Georg hatte vor ein paar Tagen eine kleine Hortensie in den Topf vor der Haustüre eingesetzt. Ich hatte noch die verblühten Geranien in den Kästen beim Eingang abgeschnitten.
Um 20.15 h wird in Tschechien Georgs Grossneffe geboren. Mutter und Kind sind wohlauf, der Kleine heisst Georg und ist das 2. Kind von Georgs jüngstem Neffen und dessen Frau. Wir freuen uns, dass die Geburt ohne Komplikationen verlaufen ist. Eine weitere Seele bringt neues Licht in diese Welt! Ein Grund zum Feiern.

Text und Fotos: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 7. Juni 2020

7. Juni, Sonntag:

In der Nacht habe ich geträumt, dass unsere Nachbarn aus Neuseeland zurückkommen. Ich empfange sie bei ihrer Haustüre, erkläre ihnen die neusten „Corona-Regeln“ und schenke ihnen zwei Hygienemasken.

„Das Magazin“ Nr. 23 zum Wochenende ist ein „Corona-Erinnerungsheft“ mit 28 Beiträgen verschiedener vom Lockdown Betroffener. Ein Obdachloser, eine Schriftstellerin, ein Ausstellungsmanager und Fachleute aus den Bereichen Pädagogik, Virologie, Epidemiologie, Pathologie und der Krankenpflege, die „an der Front“ arbeiteten, erzählen von ihren Erlebnissen. Auch unsere Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga beschreibt, wie sie die grosse Verantwortung in dieser Zeit erlebt hat. Sie sei sehr erleichtert darüber gewesen, dass die Bevölkerung so gut mitmachte und die Massnahmen befolgte. Da sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen, sie hätte alle umarmen können.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie erschrocken ich am 16. März darüber war, dass ich ungefragt plötzlich zu einer Risikogruppe gehören sollte. Sehr fürsorglich wurde mir dingend empfohlen, zu Hause zu bleiben, um so Leben zu retten. Den täglichen Einkauf sollte mir jemand vor die Türe stellen. Zum Glück liess sich Georg nicht davon abhalten, für uns einzukaufen. Fast jeden Tag fuhren wir abwechselnd in die Stadt zu meiner Praxis. Nie wurden wir von der Polizei angehalten, noch von Nachbarn denunziert. Uns war klar: Solange es keine Schutzmasken gibt, bleibt der Lockdown. Doch der Bundesrat wurde für diese materialorientierte Massnahme erst viel später kritisiert. Ich vermute, dass auch deswegen Frau Sommaruga ein Stein vom Herz plumpste: Alle waren während der anfänglichen Schockstarre brav, niemand ging auf die Barrikaden. Im Unterschied zu anderen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien, war es nicht verboten, das Haus zu verlassen, in der Schweiz blieb es immerhin „nur“ bei einer Empfehlung.    

Eindrucksvoll sind in diesem Magazin auch die Fotos von menschenleeren Zügen, Autobahnen, dem Zürcher Flughafen und Hauptbahnhof.

„Wo ist das Virus hin?“ fragt die Berner Zeitung von gestern. Brachte das Sommerwetter den Plagegeist zum Verschwinden? Studien zeigen einen nur bescheidenen Effekt der warmen Temperaturen. Weitere Forschungsergebnisse bestätigen die gute Wirkung von Masken und Abstandhalten. Nur ein Fünftel aller Infizierten erkrankt schwer. Der Epidemiologe der ETH Lausanne, Marcel Salathé, sagt. „Die Rechnung für die Zukunft ist einfach: Je mehr man lockert, desto besser müssen die Schutzkonzepte greifen.“
Die Restaurantbesitzer*innen sind nicht zufrieden. Bars und Clubs dürfen auch wieder öffnen und haben weniger strenge Vorschriften als Restaurants zu befolgen. Auch das Rotlichtmilieu darf die Arbeit wieder aufnehmen, mit einem gewissen Abstand von Kopf zu Kopf und dem häufigen Wechsel der Leintücher. In den Stadien ist ein Publikum von 10‘000 Menschen erlaubt. Eine meiner Freundinnen findet es bezeichnend, dass sich wieder mal die Lobby der Machos in Bezug auf Fussball und Sex durchgesetzt hätte.

Estelle schaut für die kommende Woche wieder in die Karten: „It’s all about love!“ Wir werden uns von etwas verabschieden, von der Dunkelheit nach vorne ins Licht gehen. Wir werden Geschenke erhalten oder geben, innere Entscheidungen treffen, die unserem Herzen guttun. Die Engel sagen wieder mehrmals: „Yes!“ Wir sollen uns keine Sorgen machen, wir werden es schaffen!  

Foto – Petra Dobrovolny – der neuen „Corona“ – Fahne, die zur Solidarität aufruft: : Schweizer Kreuz in den Wort „wir“ in den 4 Landessprachen 

Mein Tagebuch: 18. Mai 2020

18. Mai, Montag:

Heute werden zum ersten Mal keine neuen Covid-Fälle im Kanton Bern gemeldet. In der Stadt geht der Angstpegel der Leute spürbar zurück, Zuversicht macht sich breit. Die Gassen der Altstadt sind offiziell mit den Fahnen der Schweiz und des Kantons Bern geschmückt. Den Grund dafür kenne ich nicht. Normalerweise ist dies zur Zeit der grossen Frühjahrsmesse, der BEA, der Fall. Doch diese kann jetzt gar nicht stattfinden.
Die Polizei hat jetzt nichts Besseres zu tun, als über 5-köpfige Gruppen zu büssen und aufzulösen. Dabei warten jetzt bedeutend mehr als 5 Fahrgäste an einer Haltestelle auf Tram und Bus! Es ist noch nicht bekannt, auf wie viele Personen sich die Versammlungsfreiheit ab dem 8. Juni beschränken wird. Gemäss Umfragen finden erstaunlicherweise vor allem junge Leute eine weitere Lockerung für verfrüht.

Viele planen die Sommerferien im Inland, aber auch in den angrenzenden Ländern. Das heutige Titelbild vom „Bund“ zeigt einen Strand in der Nähe von Rom. Zwei Männer messen den Abstand zwischen den Sonnenschirmen mit einem Messband ab, er soll 4.5 m betragen. Am 29. Mai dürfen die Strände wieder öffnen.
Slowenien und Tschechien heben den Notstand auf. In Tschechien besteht jedoch weiterhin in bestimmten Situationen Maskenpflicht, zum Beispiel beim Betreten eines Spitals oder während ambulanter medizinischer Behandlungen. Meine Schwägerin, die ihren Ehepartner dazu begleitet, ist deshalb froh um die südkoreanischen Masken, die wir ihnen geschickt hatten. Man könne damit besser atmen als mit selbstgenähten Stoffmasken, die sich beim Einatmen an die Nase „kleben“.

Im „Corona-Wunderland“ Schweden gelten nur 4 Regeln: Nicht mehr als 50 Personen dürfen sich versammeln, Warteschlangen, Einreisen aus dem Ausland und Besuche in Altersheimen sind verboten. Geschäfte, Schulen und Kitas waren die ganze Zeit hindurch geöffnet. Die Wirtschaft hat kaum gelitten. Sogar der als „Einflüsterer“ von Frau Merkel bekannt gewordene deutsche Virologe Christian Drosten lobt seinen schwedischen Kollegen.

Georg hat Bambussprossen aus dem Bio-Garten gebracht. Im Internet hat er gelesen, wie gesund und vitaminhaltig diese seien. Nur gibt es damit viel Arbeit: Die jungen Stangen sind mit harten Blättern umhüllt, die ich zuerst von Hand abschälen muss. Zum Vorschein kommt hellgelbes weiches Fleisch, das man zerschneiden und in Salzwasser kochen kann. Mit Basmatireis und Sojasauce schmeckt Bambus wunderbar! Pandabären essen wohl alles roh.

Text: Petra Dobrovolny
Foto: Georg Dobrovolny


Mein Tagebuch: 15. Mai 2020

15. Mai, Freitag:

Heute ist die „kalte Sophie“, auf Tschechisch heisst sie „Sophie, die sich in die Hose gepisselt hat“. Es regnet und es bläst ein starker Wind. Zuerst wollte ich mein T-Shirt mit den Sommerblumen anziehen, doch dazu ist es zu kühl. So wähle ich ein grünes mit einem Mandala, das dabei hilft, immer schön in der Mitte zu bleiben.

Gestern habe ich herausgefunden, welche Farben in dieser Pandemie-Zeit hilfreich sind: Gelbgrün, orange und scharlachrot wie die Berner Geranie. In diesen Farben habe ich mir letztes Jahr Murano-Glasperlen gedreht. Die Kette passt gut zum heutigen T-Shirt. Sich mit der Schönheit zu verbinden, war allen alten Kulturvölkern wichtig: „Walk in beauty!“

In der Stadt fand gestern der erste Abendverkauf seit … statt. Nur wenige nutzten diese Gelegenheit. Die längste Warteschlange sah ich vor einem auf Jogging-Schuhe spezialisierten Sportgeschäft. Von den etwa 50 Passant*innen, denen ich begegnete, trug höchstens eine einzige Person eine Hygienemaske. 

Die Berner Zeitung berichtet heute von schlimmen Vorfällen in zwei St. Petersburger Spitälern: 2 Beatmungsgeräte gerieten in Brand, sechs Menschen sind deswegen gestorben. Die Geräte des „Uraler Gerätebauwerks“, die nach dem 1. April hergestellt worden waren, wurden inzwischen aus dem Verkehr gezogen. Mit diesem Typ Beatmungsgerät hatte Russland vor einigen Wochen den USA und Italien geholfen. Bisher ist zumindest in Italien kein Unfall damit passiert. Auf den russischen Militärlastwagen, die die Geräte lieferten, prangten Aufkleber mit Herzen in den russischen und italienischen Nationalfarben und dem Slogan: „From Russia with Love“.

„Hallöchen!“, sagt Natascha und macht ein Video zur besseren Verbindung mit dem Willen Gottes. „Dein Wille geschehe!“  

Mein Tagebuch: 16. Mai 2020

16. Mai, Samstag:

Die Eisheiligen sind nun spürbar vorbei: Es wird wieder wärmer!
Heute berichtet der „Bund“ davon, dass der Kanton Bern im Vergleich mit der übrigen Schweiz weniger hart vom Coronavirus getroffen wurde. Es gab sogar insgesamt weniger Todesfälle als in den gleichen Monaten der letzten 5 Jahre!
Es melden sich zusehends häufiger Leute zu Wort in dem Sinne: Das Virus muss man zwar ernst nehmen, doch der Bundesrat hätte zu spät und unvorbereitet reagiert, obwohl er bereits im Januar Bescheid wusste. Mit Schutzmasken und genügend Testkapazitäten wäre ein Lockdown nicht nötig gewesen. Dank Notrecht hätte der Bundesrat teilweise unverständliche Massnahmen ergriffen. Der Kolumnist Ruedi Strahm schrieb von „materialbezogenen Massnahmen“. Und dies passierte alles ohne die Kontrolle des Parlaments.
Auch heute werden viele für Freiheit und Bürgerrechte demonstrieren. Vom Berner Sicherheitsdirektor wurde ihnen dafür die Allmend, der grosse Platz beim Messegelände angeboten. Dort sei Abstandhalten besser möglich als in der Altstadt. Doch es gibt wieder zu viele Demonstrierende auf dem symbolträchtigen Bundesplatz, also direkt vor dem Parlamentsgebäude. Die Polizei registriert hundert davon. Der Berner Stadtpräsident erlaubt ab sofort Kleinst-Demos mit 5 Personen.   
Erstaunlich finden wir die zahlreichen Leserbriefe, die die Demonstrierenden als unverantwortlich bezeichnen. Die Presse vermutet einen „Haufen“ von Impfgegnern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern, G5-Gegnern usw. Dieser „Haufen“ besteht jedoch vor allem aus besorgten Bürger*innen, die gewaltlos die Gewährleistung der vom Europarat garantierten Menschenrechte einfordert und auf den guten schweizerischen Konsens setzt. Endlich sagt ein Politiker: „Ziviler Ungehorsam wird bald zur Bürgerpflicht!“ Niemand in der Schweiz will die Regierung stürzen, im Unterschied zu Deutschland.

Christina Neuhaus schrieb in der NZZ am 9. Mai: „Machen wir uns nichts vor: Notrecht bedroht die Demokratie. Es beschneidet unsere Freiheit im Namen von Sicherheit und Gesundheit. Natürlich droht der Schweiz keine Autokratie. Aber wir müssen aufpassen, dass sich die Gewichte nicht zu stark Richtung Sicherheit verschieben. Sonnst nimmt uns der Staat eines Tages auch die Verantwortung ab, die wir ihm gar nie übertragen haben.“

Heute herrscht im Bio-Garten unseres Dorfes Hochbetrieb: Nach den Eisheiligen wollen viele Hobbygärtner*innen neue Setzlinge pflanzen. Georgs Komposterde findet grossen Absatz.
Während meines Spaziergangs der Aare entlang sehe ich eine Entenmutter mit 12 Kleinen. Sie wirkt sehr entspannt. In einem Schrebergarten setzt ein Mann Salate auf seinen Kompost. Er fühlt sich geschmeichelt, dass ich sie fotografiere.



Text und Fotos: Petra Dobrovolny