Mein Tagebuch: 30.03.2021

30. März, Dienstag: Ein studierter Buschauffeur, Kompostwürmer, Selbsttests und «Anwälte für Aufklärung»

Wird es schon Sommer? Heute fahre ich mit dem öffentlichen Bus ins Tal. Dort blühen die Magnolien, die Aprikosen beginnen damit, die Reben sind alle geschnitten, bei jeder schaut ein Zweig in dieselbe Richtung. Unter der Maske schwitzt man. Ein in der Schweiz lebendes älteres italienisches Ehepaar erzählt dem Buschauffeur, dass sie eigentlich über Ostern Ferien in Italien machen wollten. Doch sie fänden es unmöglich nach der Einreise zuerst 5 Tage in Quarantäne zu gehen und davon erst durch einen negativen PCR-Test befreit zu werden. So hätten sie sich für Leukerbad entschieden. Sie bewundern das perfekte Italienisch des Buschauffeurs. Ja, er habe an der Universität Bologna studiert.

Am Karfreitag kommt Georg nach Leukerbad. Ich habe ihm eine Liste mit Dingen aufgeschrieben, die er mitbringen soll. An erster Stelle stehen rote Kompostwürmer. Im Gedenken an die damaligen Wiedertäufer, die wegen ihrer Verfolgung im 18. Jahrhundert aus der Schweiz in die USA auswanderten – mit Kompostwürmern in den Hosentaschen – und dort erfolgreich landwirtschaftlich wurden. Georg hat schon etwa 10 Stück gefangen und in einem Blumentopf auf die Veranda gestellt, er will sie nicht wie damals die Schweizer in seiner Hosentasche transportieren. Doch über Nacht haben die Würmer den Deckel hochgehoben und sind hinausgeklettert. Georg will sie wieder in die Freiheit entlassen und erst kurz vor seiner Abreise neue fangen. Wir hatten tatsächlich schon von unserem früheren Wohnsitz, Kompostwürmer nach Bremgarten im Umzugswagen mitgenommen. Sie scheinen ganz besonders zu sein, denn unsere Nachbarschaft staunt, wie grün unser Rasen ist und hat schon Würmer bei Georg bestellt.

Während die Nachbarländer ihre Massnahmen verschärfen, findet der Präsident der Schweizer Konferenz der Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger: «Höhere Fallzahlen sollten wahrscheinlich nicht so stark bewertet werden.» Andere meinen, man könne nicht einfach immer mehr verbieten. Es könnte sein, dass die Bevölkerung bald nicht mehr mitmache. Die «Zahlen» sind zurzeit so hoch wie vor Weihnachten. Doch der Unterschied: Jetzt habe man eine Impfung und ab dem 7. April – also eine Woche später als ursprünglich vom Bundesrat versprochen -, gäbe es gratis Selbsttests. Warum gab es die nicht schon früher? In Wien gehören sie bereits seit dem 3. März zum Alltag und sind in jeder Apotheke erhältlich.

Ich freue mich, dass jemand in einer offiziell zuständigen Position öffentlich sagt, es käme ja darauf an, wie man die Fallzahlen bewerte. Nachdem sogar das RKI die Trefferquote des PCR-Tests relativiert, beginnen diejenigen, die über die offiziellen Massnahmen entscheiden, zurückzurudern. Eine Politik der Kehrtwende mit dem Versuch nicht das Gesicht zu verlieren.

In Deutschland gibt es inzwischen verschiedene berufliche Vereinigungen für Aufklärung: Polizei, Ärzte und auch «Anwälte für Aufklärung». Letztere klagen nun den PCR-Test an, weil er weder validiert – d.h. rechtsgültig zugelassen – noch validierfähig ist. Trotzdem wurde dieser Drosten-PCR-Test zur Grundlage für die weltweit angeordneten Massnahmen und ist es immer noch.

Der selbständige Journalist Boris Reitschuster hat bemerkt, wie die Fähigkeit von Herrn Prof. Wieler, Präsident des RKI und Tierarzt, sich für Deutschland eine wöchentliche Inzidenzzahl von 100’000 vorzustellen, im Interview von Anne Will im ARD mit der Bundeskanzlerin bereits zu einer Tatsache wird. Angela Merkel sieht diese Zahl schon in greifbarer Nähe. Der Bund müsse dann schnell handeln und dazu brauche es ein neues Gesetz. Denn bis die Bundesregierung sich mit allen 16 Länderchefs über die Verschärfung der Massnahmen einig würde, verginge wertvolle Zeit, und die Zahl sei dann schon da. Das möchte Frau Merkel nicht erleben. – Heute interviewt Boris Reitschuster auf Youtube den Volkswirtschaftler Prof. Dr. Max Otte zu dessen gerade erschienenen Buch: «Auf der Suche nach dem verlorenen Deutschland. Notizen aus einer anderen Zeit.»

In Kanada wurde ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Stickstoffmonoxid – nitric oxid – entwickelt. Dieser tötet das Corona-Virus sofort in der Nase und macht keine Nebenwirkungen. Man kann es einfach anwenden, wenn man zum Beispiel das Gefühl hat, von jemandem angeniest oder angehustet worden zu sein. Israel hat das Mittel gerade bewilligt, Deutschland hat es abgelehnt. Youtube hat ein Video darüber gelöscht. Das ist eigentlich die beste Reklame. 

Foto – ein Steinmandala für die Karwoche – und Text: Petra Dobrovolny        

Mein Tagebuch: 4. August 2020

4. August, Dienstag:

Das Bundesamt für Gesundheit muss seinen „Zahlensalat“, wie es die heutige Ausgabe „Der Bund“ bezeichnet, korrigieren: Die Ansteckungsgefahr sei innerhalb von Familien grösser als bei Besuchen von Discos, Clubs und Bars. Es ist nicht die erste Korrektur. „Auch die neuen Zahlen taugen wenig“, schreibt die Tageszeitung. Wichtige Daten fehlten, das Contact-Tracing sei ungenügend, fast jeder Kanton habe ein anderes System für die Datenerhebung. Diesmal sei ein „menschlicher“ Fehler passiert. Der wissenschaftlichen Taskforce stehen die Daten des BAG aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zur Verfügung. Diese können also auch nicht noch einmal überprüft werden.
Der Kanton Genf bleibt seiner am letzten Freitag wieder verordneten Schliessung des Nachtlebens. Gemäss der kantonalen Gesundheitsbehörde passierten 40 bis 50% der Ansteckungen in Klubs und Bars. Punkt.

Wie kann die Bevölkerung bei solchen Pannen den Behörden vertrauen, wenn diese Massnahmen verordnen, die auf ungenügender Datenerhebung basieren? Nun kritisiert die Taskforce als offizielle Stelle den Bund. Wo gibt es das in Deutschland? Natürlich gibt es in der Schweiz auch einzelne kritische Politiker*innen und Fachleute, deren Ruf aber nicht geschädigt wird, wie dies etwa bei Dr. Bodo Schiffmann der Fall ist.

Im Juli hatten Georgs jüngste Schwester und ihr Ehepartner den 70. Geburtstag. Sie wohnen in Nordmähren und wollten dort auch mit der ganzen Familie feiern. Kein Restaurant in der Umgebung wollte einen Tisch für etwa 30 Personen – so gross ist die Familie – reservieren. Jetzt haben sie das Fest abgesagt. Wir alle hoffen auf ein Wiedersehen unter besseren Umständen.

Foto von Phloxien: Petra Dobrovolny
Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 29. April 2020

29. April, Mittwoch:
Gestern und auch während der Nacht auf heute hat es seit 6 Wochen wieder mal geregnet. Es lässt sich besser atmen, denn der Blütenstaub in der Luft konnte sich setzen. Auch die Natur atmet auf, die Bauern wünschen sich noch mehr Regen, natürlich gut dosiert. Kennt ihr den Bauern aus dem Märchen? Er beschwert sich bei Gott über das Wetter und bittet ihn um Erlaubnis, ein Jahr lang das Wetter bestimmen zu dürfen. Gott gewährt ihm seinen Wunsch und voller Tatendrang macht sich der Bauer an die Arbeit. Im Herbst muss er einsehen, dass er noch nie so wenig ernten konnte als in all den Jahren zuvor. Er klagt Gott sein Leid und fragt nach dem Grund. Die Antwort: „Du hast den Wind vergessen!“ 

Ich mache zum ersten Mal Pesto aus Löffelkraut. Man nehme 50 g Löffelkraut aus dem Wald, 1 Knoblauchzehe, 1 Esslöffel Sonnenblumenkerne, ein paar Caschewnüsse. Dies verarbeite ich in unserer Küchen-Häckselmaschine. Dann füge ich etwas Olivenöl und weissen Aceto balsamico, auch etwas Gomasio – also geröstete Sesamsamen mit Meersalz. Das Pesto kann man als Brotaufstrich verwenden, oder auch zu Spaghetti, Reis oder Quinoa geniessen. Es schmeckt ähnlich wie Brunnenkresse.
Löffelkraut ist immunstärkend, blutreinigend und enthält Vitamin C. Georg hatte die Setzlinge im Bio-Garten gefunden. Sie zieren mit ihren weissen Blüten nun in Kästli unsere Fensterbank und erfreuen ausser uns auch die Bienen. Wenn man keine Setzlinge zur Verfügung hat, findet jetzt noch bis Juli genügend blühendes Löffelkraut im Wald, besonders an schattigen und feuchten Stellen.

Gemäss Gregg Braden gibt es das Gesetz oder Prinzip der nicht reduzierbaren Komplexität, „irreducible complexity“. Nur wenn genügend Aspekte in Betracht gezogen werden, und dazu wird eine Absicht benötigt, kann ein System funktionieren. Also meine Absicht ist zum Beispiel ein gesundes Pesto herzustellen. Dazu benötige ich verschiedene Zutaten in einer bestimmten Menge, sonst funktioniert die Sache nicht. Wenn in einem Land zum Beispiel  Virologen und Epidemiologen viel Macht erhalten und die Regierung nur deren Analysen und Empfehlungen entsprechend handelt, dann geht „der Wind“ vergessen. Vergessen geht das Leiden der Kranken, die dringend eine Behandlung oder Operation benötigten, aber warten mussten. Vergessen geht die Angst vor der Armut und Insolvenz, die viele in den Selbstmord treibt. Verunmöglicht werden Küsse und Umarmungen, geselliges Beisammensein, …

Welche Absicht steckt dahinter, wenn wir gezwungen werden, unsere Freiheitsrechte aufzugeben? Wenn Risikogruppen willkürlich definiert werden? Wenn die R-Zahl alles dominiert? Wenn uns Angst gemacht wird vor einer oder weiteren nächsten Wellen? Wenn die Welt erst wieder durch einen Impfstoff sicher wird?
Was können wir von Taiwan, Südkorea und Schweden lernen?

Oben im Bild: Löffelkraut
Text und Foto: Petra Dobrovolny       

Mein Tagebuch: 17. April, Freitag

17. April, Freitag:
Die Schweiz hat inzwischen 27’740 registrierte Infizierte, davon sind 1’393 verstorben, 17’800 sind genesen, pro Kopf der Bevölkerung gibt es 3’205 Fälle. Nach den USA und Spanien steht die Schweiz somit an 3. Stelle. Pro Tag steigt die Zahl der neuen Infizierten um etwa 300. Im Vergleich zum März sind dies gute Nachrichten. Bei diesem Wetter wollen die Leute nicht mehr eingesperrt sein. Am Freitagabend macht sich im Berner Hauptbahnhof bereits der Wochenendverkehr bemerkbar.