Mein Tagebuch: 16.05.2022

16. Mai, Montag: Scherben und eine Mahnung

Zur Zeit des Vollmonds im Mai feiern die buddhistischen Gemeinschaften in der ganzen Welt die Erleuchtung des Buddha. Dieses Jahr kam in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai eine Mondfinsternis hinzu, welche sogar fast 1 ½ Stunden dauerte. Der Londoner Astrologe Steve Judd meint auf Youtube, dass es in den nächsten 6 Monaten zu bedeutenden weltweiten Veränderungen kommen wird: Alte Strukturen – auch Regierungen – lösen sich auf. Steve sagt: «Old structures are collapsing.» Neues beginnt. Die nächste Mondfinsternis am 8. November werde noch bedeutender sein.

Ich bin gespannt, was bei mir passiert. Und siehe da: Zum Zeitpunkt der Mondfinsternis rollt der Kugelschreiber, welchen ich nach dem Schreiben einer Notiz auf der schrägen Tischplatte meines Stehpults abgelegt habe, nach unten, gewinnt an Fahrt, überspringt sogar die leicht erhöhte untere Kante des Pults und fällt genau in die Mitte meiner grössten Kristallklangschale, die ausnahmsweise dort steht, weil ich sie noch zu meiner Mondmeditation spielen wollte. «Pling!» Erschrocken betrachte ich den Scherbenhaufen am Boden meiner 3000.- Franken teuren Klangschale aus wertvollem grünem Vulkangestein und Platin.

Eben: Strukturen lösen sich auf, etwas geht kaputt. Georg tröstet mich: Das sollte bestimmt so sein, die Zeit dieser Klangschale sei wohl abgelaufen, ich bräuchte jetzt eine andere, bessere, für die neue Zeit passendere.

Am nächsten Morgen, d.h. heute finde ich eine Mahnung des kantonalen Steueramtes in meinem Briefkasten. Ich hätte die Steuererklärung weder per Internet eingereicht noch die erforderlichen Belege per Post geschickt. So eine Behauptung! Das Gegenteil ist der Fall. Doch wer muss das beweisen? Die Steuerzahlerin! Zum Glück habe ich noch die Quittung der Post für meinen eingeschriebenen Brief samt Gewichtsangabe, woraus hervorgeht, dass ich über 120 g Belege mitgeschickt hatte.

Wie viele Mondfinsternisse braucht es noch, bis das Steueramt sich auflöst? So lange kann ich aber nicht warten, denn ich muss mich an die Frist vom 3. Juni halten oder eine Ordnungsbusse bezahlen. Buddhistische Gelassenheit ist angesagt. Ich schaue im Internet bei dem Lausanner Geschäft «Universharmonie» nach, wo ich Stammkundin bin, welche Kristallklangschalen sie zur Zeit anbieten. Eine davon gefällt mir besonders. Ihr Name: «Laughing Buddha», «Lachender Buddha» in lachsrosa.    

Foto meiner kaputten Klangschale

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 17.05.2022

17. Mai, Dienstag: Eine Versammlung kurz vor Vollmond

Am letzten Samstagabend, den 14. Mai, fand die 19. Mitgliederversammlung der Leukerbader Thermalquellenzunft statt. Diese Zunft setzt sich für Informationen rund um das hiesige Thermalwasser ein und hat den Thermalquellensteg in der Dalaschlucht erstellt, der besonders seit der Corona-Zeit sehr beliebt ist und seit 2020 jährlich mindestens von 48’000 Personen besucht wird. Im Oktober muss der Steg wegen der grossen Lawinengefahr geschlossen werden, im Mai werden die Winterschäden in Fronarbeit einiger Zunftmitglieder wieder eröffnet. Der Aufwand lohnt sich auch finanziell, denn gerne honorieren die Besuchenden nach dem Gang durch die Schlucht mit ihren steilen Felswänden, aus denen die Thermalquellen herausfliessen, dieses eindrucksvolle Naturerlebnis mit einer Spende.

Die Zunft besteht seit 2003 und hat heute 302 Mitglieder. Letztes Jahr starben 7 davon, 2 traten altershalber aus, 7 neue kamen dazu. Unter anderem auch ich. Der Präsident ermuntert die etwa 60 Versammelten besonders junge Leute als Mitglieder zu werben.

Mich beeindruckt die Herzlichkeit unter den Mitgliedern. Es sind etwa gleich viele Männer wie Frauen bei dieser Versammlung anwesend, in einem Alter von 50 an aufwärts. Hände werden geschüttelt, Umarmungen ausgetauscht, wie vor «Corona». Nur die Fenster in dem eher kleinen Raum schräg gestellt, um für frische Luft zu sorgen. Alle haben sich viel zu erzählen, denn zwei Jahre lang haben sich die meisten nicht mehr gesehen, die Abstimmungen zu den dringendsten Traktanden waren brieflich durchgeführt worden.

Ein diesjähriges Traktandum ist auch anscheinend wieder mal die Erstellung eines frei zugänglichen Kneippbades auf einer Wiese. Da es sich bei dieser um ein privates Grundstück handelt, ist dieses Projekt nicht so einfach. Die Einzelheiten dazu und zu weiteren Plänen kann ich wegen des Leukerbader Wallisertitsch nur zur Hälfte verstehen. Ein «richtiges» Mitglied wird man erst durch ein Taufritual. Es wird die Liste der Anwärter*innen vorgelesen, plötzlich höre ich meinen Namen. Darauf war ich nicht gefasst. Aber «wegen Corona» musste alles auf dieses Jahr verschoben werden, auch wenn ich meinen Mitgliederbeitrag für 2021 bereits bezahlt hatte. Doch erstmal begibt sich die ganze Versammlung in den Saal des Restaurants. Die Zunft hat zu einem Aperitif und einem 4-Gang-Menü eingeladen. Als einzige habe ich eine vegetarische Variante bestellt. Das heisst: Die leckere Süsskartoffelsuppe bekomme ich auch, bei der anschliessenden kleinen Portion grüner Spargel sind für mich keine Crevetten, sondern mehr Spargel dabei. Der Hauptgang besteht aus Kalbsschulter an einer Pilzsauce und Bärlauch-Risotto, für mich gibt es zwar auch Risotto, jedoch mit einem mir nicht schmeckendem Sojaschnitzel mit Bratensauce. Zum Glück gibt es beim Risotto noch einen «Nachschlag». Vor dem Dessert – Joghurtmousse mit frischen Erdbeeren, mmh, lecker! –  steigt die Spannung, denn die Taufe der Neumitglieder wird vom Quellenkonsul und Zeremonienmeister feierlich angekündigt. Wir – zwei Kandidaten und zwei Kandidatinnen sollen nach vorne kommen, Schuhe und Socken ausziehen und der Reihe nach einzeln in eine hölzerne Bütte mit warmem Thermalwasser steigen. Der Quellenkonsul fragt jeden und jede nach der Herkunft und was wir bei einem ersten Besuch der hiesigen Therme erlebt hätten. Ich sage, dass ich u.a. aus Bern käme und bei meinem ersten Besuch einen Regenbogen gesehen hätte. Ich würde mir wünschen, dass Menschen aus allen Ländern der Welt und in allen Farben wie der Regenbogen nach Leukerbad kämen, um hier die Natur und das Wasser zu geniessen. Das Publikum klatscht Beifall. Weiter sage ich: «Leukerbad ist über die Dala und die Rhone mit dem Mittelmeer und so mit der ganzen Welt verbunden. Hier leben Menschen mit einer besonderen Herzenergie und Wasser transportiert Information. Ich bin Klangtherapeutin und weiss, dass der Ton CIS oder «Do majeur» die Herzenergie zum Fliessen bringt. Wenn wir also diesen Ton singen, fliesst diese Energie von hier in die ganze Welt.» Das Publikum klatscht noch mehr. Einige bedanken sich anschliessend auch noch persönlich für meine schönen Worte. Die Zunftratsmitglieder trocknen sodann den vier frisch «Getauften» die Füsse, und zwar die Frauen den Männern und die Männer den Frauen. Der Präsident überreicht jedem und jeder ein grafisch kunstvoll gestaltetes Blatt, das die Mitgliedschaft bei der Zunft bestätigt, sowie einen Pin zum Anstecken mit dem Logo der Zunft, einer kleinen kecken Nixe. Mit weiteren Gläsern Walliser Wein geht dieser wunderbare gesellige Abend um Mitternacht zu Ende. Der baldige Vollmond und die Sterne grüssen vom wolkenlosen Himmel. Es ist fast windstill und für die Jahreszeit sehr warm.

Foto: Thermalquellensteg in der Dalaschlucht, Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 11.05.2022

11. Mai, Mittwoch: Bergfrühling

Der Bergfrühling ist nun auch erwacht. Die Lärchen tragen wieder ihr hellgrünes Kleid, die Wiesen leuchten in neuem Grün gesprenkelt mit dem Gelb des Löwenzahns. Die Wasserfälle, gespeist von den restlichen Schneefeldern, rauschen in Kaskaden den steilen Felswänden hinunter ins Tal. Gämse und Steinböcke schnuppern Frühlingsluft. Die Berge gehören ihnen, denn die Seilbahnen haben Pause bis Pfingsten. Der Bartgeier sucht die Geierin. Der Kuckuck ruft, die Mauersegler sind wieder aus dem Süden zurückgekehrt. In ihren Ställen freuen sich die Kühe schon auf den Alpaufzug.

Ich denke an die Ukraine. Dort können die Felder noch nicht bestellt werden.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 25.04.2022

25. April, Montag: Gottes Wege sind unergründlich …

Georg hatte mir nach Leukerbad einen Ausdruck des Infoblatts über das Erkennen und Heilen eines posttraumatischen Syndroms auf Ukrainisch mitgebracht. Vorgestern, am 23.04.22, las ich bei einer kulturellen Veranstaltung der evangelisch-reformierten Kirche hier in Leukerbad meine Gedichte vor. Der Eintritt war frei, eine Kollekte war erwünscht. Also nahm ich dieses Infoblatt mit, um für dessen Verbreitung Geld zu sammeln. Trotz aller Bemühungen diesen Anlass zu bewerben – mit Plakaten im Dorf und im Internet – kamen lediglich zwei Gäste, ein älteres russisches Ehepaar aus Moskau. Sie erklärten mir, dass sie kein Deutsch verstehen, sie wollten aber trotzdem bleiben. Da sie die einzigen Gäste waren, bot ich an, meine Gedichte auf Deutsch vorzulesen und anschliessend Vers für Vers auf Englisch zu übersetzen. Ich begann mit meinen fünf Frühlingsgedichten. Wir stellten fest, dass «Krokus» auch auf Russisch «Krokus» heisst. Sie verstanden auch, dass die Schlüsselblume, um die es in einem weiteren Gedicht geht, das Tor zum Himmel aufschliesst. Auch in Russland. Bald fragte ich sie, ob ich fortfahren solle, oder ob es für sie zu langweilig sei. Doch, beteuerten sie, es sei sehr interessant, ich solle weitermachen. So wurde die einstündige Veranstaltung zu einer faszinierenden interkulturellen Begegnung für alle. Mein Gedicht «Engelgeflüster Nr. 2: Du bist der Meister der Regie!» war für den russischen Gast eine Provokation. Er konnte nicht glauben, dass auch er der Regisseur auf der Bühne seines Lebens sei und bestimmen könne, was dort geschieht. In meinem Gedicht bitten die Engel die Menschen, dies nie zu vergessen. Nach diesem Satz entfuhr meinem Zuhörer ein tiefer Seufzer.
Nach meiner Lesung fragt er mich: «Glauben Sie, dass es besser wird mit unserer Welt?» Ich erwiderte: «Oh ja, aber wir können nicht einfach die Hände in den Schoss legen und warten, sondern wir müssen etwas dafür tun! Wie es die Engel sagen: Wir sind die Meister der Regie!» Der russische Gast schüttelt den Kopf: «Aber all diese Kriege und dann noch die Pandemie! Die Stimmung in Moskau ist katastrophal und sehr depressiv! Ich bewundere Ihren Optimismus!» Dann macht er mir noch Komplimente über mein gutes Englisch und möchte wissen, wie das schöne Musikinstrument heisst, welches ich zwischen den Gedichten immer wieder gespielt habe. Ich erkläre ihm, dass dies eine Traumharfe sei und ich sie absichtlich auf einen tieferen Kammerton gestimmt habe, der die Herzen berühre und tröste.   

Zu Beginn der Veranstaltung hatte ich die russischen Gäste darüber informiert, dass die Kollekte für die Verbreitung und Übersetzung eines wichtigen Infoblattes über die Erkennung und Heilung des Posttraumatischen Syndroms bei kriegstraumatisierten Menschen sei. Ich hatte Ihnen das Exemplar auf Ukrainisch gezeigt und gesagt: «Das können Sie ja lesen!» – gemeint hatte ich die kyrillische Schrift – und es ihnen in die Hand gedrückt. Sie verstanden und staunten. Ich erklärte, dass der gemeinnützige Schweizer Verein «Pro Mundo» mit Kiewer Fachleuten daran gearbeitet hätte und eine Übersetzung auf Russisch geplant sei. Sie könnten mit ihrer Spende dazu beitragen. Am Schluss überreichte mir der Gast aus Moskau feierlich einen Zwanzigfranken-Schein, den ich der Kirchgemeinde weitergegeben habe.

Sehr beeindruckt verabschiedet sich Moskauer Ehepaar von mir. Ich gebe ihnen meine Visitenkarte mit und sage noch, dass sie auf meiner Webseite dolphinkissis.ch mein Märchen vom kleinen Delfin auf Russisch finden können. Ich spüre, dass sie dieses Erlebnis nicht so schnell vergessen werden. Ich auch nicht. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass meine Gedichtlesung in dieser Form verlaufen würde. Und doch bin ich der Überzeugung, dass es so sein musste. Ich erinnere mich an die Nonnen, die mitten in der Stadt Bern in ihrem Haus Gäste in Not für ein paar Nächte aufnehmen. Wenn es klingelt, sagen sie sich: «Gott hat uns einen Gast geschickt!» Ich empfinde es auch so: Gott hat diese zwei Gäste an meine Gedichtlesung in die Kirche geschickt. SEINE Wege sind eben unergründlich.

Und fast wäre es zu einem chinesisch-russischen Treffen gekommen! Auf dem Nachhauseweg läuft mir die Chefin des chinesischen Restaurants mit dem Plakat für meine Lesung aufgeregt hinterher und fragt mich in Zeichensprache und ein paar Brocken Englisch, ob oder wo dies stattgefunden hätte. Sie sei mit ihrer Tochter um 19 Uhr in der Kirche gewesen. Ich kläre sie auf, dass es in Leukerbad eine zweite Kirche gäbe, die versteckt neben dem Busbahnhof läge. Sie bedauert sehr, diesen Anlass verpasst zu haben, denn sie und ihre Tochter hätten mein Musikinstrument unbedingt hören wollen. Das hätte mich aber vor eine besondere Herausforderung gestellt, denn diese Gäste hätten meine Gedichte weder auf Deutsch noch auf Englisch verstanden. Doch wer weiss, eine göttliche Lösung wäre sicher auch in einem solchen Fall möglich. Vielleicht sollte ich in Zukunft meine Gedichte in einer internationalen Lichtsprache singen und gleichzeitig dazu Harfe spielen …?

Foto: Evangelisch reformiertes Kirchenzentrum in Leukerbad und Text:
Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 12.04.2022

12. April, Dienstag: Neptun und Jupiter

Heute gibt es nach 175 Jahren wieder eine Konjunktion von Neptun und Jupiter, jetzt im Zeichen der Fische. Diese kosmischen Energien werden auf die Erde und auf uns auch noch in den kommenden Monaten einströmen. Neptun unterstützt das Gruppenbewusstsein, das Gefühl der Einheit, unsere Kreativität sowie Spiritualität und verstärkt die aussersinnliche Wahrnehmung. Jupiter bringt Glück, Wohlstand, Zufriedenheit und Fülle.

Es ist ein Tag, um sich zu verwöhnen, sich mit dem Wasser in welcher Form auch immer zu verbinden, sei es durch einen Spaziergang am Strand, ein Bad in einer Therme, ein Glas Wasser, das man vor dem Trinken an die Sonne gestellt hat … Man kann sich eine Affirmation – einen positiven Spruch – sagen, wie etwa: «Ich heisse Glück und Fülle willkommen.»

Bei dem «Magnolien-Apéro» unserer Nachbarn vor gut zwei Wochen habe ich auch fotografiert und daraus ein Video zur «Heilung des Herzens mit dem Duft der Magnolie» erstellt. Ich finde, dass heute der richtige Tag ist, um es zu veröffentlichen:

Mein Tagebuch: 07.04.2022

07. April, Donnerstag: Sonnensturm und morphogenetische Felder

Erhalten wir Hilfe von den Sonnenwesen? Gestern traf ein heftiger Sonnensturm auf die Erde. Es wurden vor kurzem Sonnenwirbel in der Nähe des Sonnenäquators entdeckt, die man in einer solchen Form noch nie gesehen hat. Haben diese eine reinigende und transformierende Wirkung?

Heute wurden im deutschen Bundestag sämtliche Vorlagen für eine allgemeine Impfpflicht abgelehnt. Die Vernunft hat gesiegt. Vorläufig zumindest. Und Russland wurde wegen seiner Kriegsverbrechen aus dem UNO-Menschenrechtsrat ausgeschlossen.
Anscheinend haben sich die russischen Truppen aus der Gegend von Kiew zurückgezogen. Dafür konzentrieren sie sich jetzt auf die Ostukraine. Immer mehr Kriegsgräuel kommen ans Tageslicht. Meine Patentante, die im 2. Weltkrieg die russische Besatzung in Deutschland erlebt hat, sagt: «Bei denen hat sich seither nichts geändert. Das ist doch schrecklich!» Eine gute Frage: «Wann ändert sich etwas?»
Das Mitgefühl mit der ukrainischen Bevölkerung ist in Litauen am stärksten, denn die Erfahrung der russischen Invasion im Jahre 1991 ist dort im Gedächtnis der Menschen noch sehr lebendig. Das Schweizer Radio interviewt den damaligen Präsidenten Vytautas Landsbergis. Dieser sagt, dass damals alle Litauer:innen bereit waren gemeinsam und mit nackten Händen ihr Land zu verteidigen. Sie sangen ununterbrochen die Nationalhymne und Volkslieder. Niemand wusste, wie dies ausgehen würde, doch die russischen Panzer zogen unverrichteter Dinge ab, und Litauen wurde als erstes Land von der damaligen Sowjetunion unabhängig.

Kurz vor der russischen Invasion fand in der Ukraine der «Tag der Einheit» statt. Präsident Selenski hatte alle dazu aufgefordert, so oft wie möglich die Nationalhymne zu singen. Georg meinte, wenn das die russischen Soldaten hören, sei es mit ihrer Kampfbereitschaft vorbei. Leider kam es anders. Doch wer weiss, eine Wirkung hatte das Singen bestimmt.

Die Stadt Bern hat beschlossen, auf einem grossen freien Grundstück, dem Viererfeld, bis Anfang Mai ein Dorf aus 400 Containern für eine kurzfristige Aufnahme von etwa 1000 ukrainischen Flüchtlinge zu erstellen. Der Vorteil: Diese müssten nicht in unterirdische Zivilschutzanlagen und könnten sich selbst organisieren. Inzwischen gibt es 28’000 ukrainische Flüchtlinge in der Schweiz, täglich werden es mehr. Es sind hauptsächlich Frauen und Kinder, auch viele Waisenkinder, oft mit Hund oder Katze. Etwa 40% finden bei Schweizer Gastfamilien eine private Unterkunft. In vielen Fällen geht das gut, oft gibt es aber Probleme. Die Gastfamilien werden mit Trauer und Traumata konfrontiert. Manchmal finden die Gäste die Zimmer zu klein, haben auch noch einen Kulturschock, hängen stundenlang an ihrem Handy, um das Neuste von ihren Liebsten zu erfahren. Oft verkriechen sie sich lieber als mit der Gastfamilie am gemeinsamen Mittagstisch zu sitzen. Beide Seiten sind dann überfordert, die helfende und die kriegstraumatisierte. Deshalb warnt die Direktorin der Schweizer Flüchtlingshilfe die Gastfamilien vor falschen Erwartungen und davor, eine «Helfer-Haltung» einzunehmen. Man solle sich eher an das Modell einer Wohngemeinschaft halten und sich auf Augenhöhe begegnen. Ein 15-jähriger ukrainische Junge brachte es auf den Punkt: «Die Berge in der Schweiz sind sehr schön. Aber ich möchte jetzt lieber in der Ukraine sein.»

Wann ändert sich etwas? Vor zwei Wochen habe ich entdeckt, dass Rupert Sheldrake sein Buch «Das schöpferische Universum. Die Theorie des morphogenetischen Feldes» aus dem Jahr 1981 fast 30 Jahre später aktualisiert und mit neueren Erkenntnissen ergänzt noch einmal veröffentlicht hat. Auf Deutsch ist es im Ullstein-Verlag erschienen. Seit den 80er Jahren war dieses Buch für mich ein Schlüsselwerk für mein Verständnis der Quantenphysik und vor allem dafür, wie wir selbst mit unserer eigenen Schöpferkraft energetisch wirken können. Um das Jahr 2000 herum zeigte Masaru Emoto, wie Gebete und Meditationen das Wasser dazu brachten, wunderschöne Eiskristalle zu formen. Mit seinen Fotos von gefrorenen Wassertropfen bewies er, dass Information die Struktur von Molekülen verändern kann. Rupert Sheldrake beschreibt, wie die Resonanz morphischer Felder bis in das menschliche Lernen hineinwirkt. Das bedeutet: «Was Menschen irgendwo auf der Welt gelernt haben, sollte in der Folge für andere Menschen überall auf der Welt leichter erlernbar sein.» S. 23 im genannten Buch.

Das 20. Jahrhundert nannten wir «das Jahrhundert der Kriege» und meinten, die Menschen hätten endlich gelernt, den Frieden vorzuziehen und das 21. Jahrhundert dementsprechend zu gestalten. Es braucht wohl noch seine Zeit. Müssen all die Kriege der letzten 22 Jahre und vor allem der jetzige in der Ukraine dazu dienen endlich zu lernen? Wir sind alle durch ein kollektives Feld miteinander verbunden und können kollektiv lernen, ohne uns einander zu kennen oder uns physisch zu begegnen.

Im «Bund» vom 2. April erscheint ein zweiseitiger Artikel mit der Überschrift: «Frankreich bräuchte dringend mal eine Psychoanalyse». Georg fragt mich: «Wie macht man das?» Gute Frage. Psychoanalyse ist Bewusstseinsarbeit. Nicht jeder oder jede ist dazu bereit, denn diese Arbeit ist so anstrengend wie Bergsteigen. Und ohne Leidensdruck bewegt sich niemand. Ein Patient fragte mich vor kurzem: «Wie lange dauert die Heilung eines Burnouts?» Meine Antwort: «das kommt darauf an, ob und wie intensiv Sie Bewusstseinsarbeit leisten wollen.» Er war erst mal enttäuscht, weil ich ihm kein Wundermittel gab. Dann aber wieder beruhigt darüber, dass er es selbst in der Hand hat und dass ich ihn dabei ein Stück des Weges begleiten kann.

Während der letzten 42 Jahre meiner psychotherapeutischen Arbeit habe ich mich oft gefragt, ob Einzelsitzungen sinnvoll, ein Luxus oder eine Sisiphus-Arbeit seien. Doch immer wieder berichteten mir meine Patient:innen, wie sich plötzlich oder allmählich ihr Umfeld veränderte: Der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin war kompromissbereit, oder die Liebe zueinander war wieder erwacht. Unangenehme Mitmenschen verschwanden, wunderbare traten neu in das Umfeld ein. Mir wurde klar: In jeder Therapiesitzung ist das kollektive Feld präsent und unsere Gespräche wirken darauf ein. Wenn jetzt genügend Franzosen und Französinnen zu einer Psychoanalyse bereit wären … In der Bibel wird irgendwo von 144’000 Menschen gesprochen. Zum Glück gibt es auch die Sonnenwesen, die in unser morphogenetisches Feld wirken und uns Licht bringen.  

Foto: Magnolienblüte in New energy vision

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 05.04.2022

05. April, Dienstag: Wintereinbruch und ein Friedensgebet

Kaum hatten wir bei den Nachbarn die Magnolienblüte gefeiert, kam der Winter zurück. Drei Tage lang schneite es fast ununterbrochen bis in die Niederungen. Nur auf den Strassen blieb der Schnee nicht liegen, dafür aber auf den Dächern und eben auch auf den schönen Magnolienblüten.

Am 1. und 2. April konnte ich an einer Ausstellung der Stanley Picker Gallery in Kingston, London, mit einem 3-minütigen Video mitwirken. Das Motto der Ausstellung hiess „Loneliness and Connectivity“, Einsamkeit und Verbundenheit. Der Titel meines Videos, eine Dia-Show mit meinen Fotos und Klängen, lautet: „A Prayer for Peace“, ein Gebet für den Frieden. Meine Botschaft: „Du bist niemals allein. Du bist verbunden mit Mutter Erde und Vater Himmel, den Sternen und dem ganzen Universum. Wenn du in Frieden bist, kannst du Frieden in die Welt senden.“ Die Organisatorin der Ausstellung schickte mir eine wunderbare Rückmeldung, über die ich mich sehr gefreut habe:       

«Your piece really added a healing and uplifting vibration to the gallery. I once heard one of the gallery assistants humming ‚Om……‘ in the same pitch as your piece.  Two visitors stopped to watch the whole display. They commented on the healing nature of the hum in your piece, which they also said sounded like OM. And they commented on how beautiful and unusual the photos were as well.

I hope the piece does well on your YouTube channel. It is really lovely and the photos are a fantastic complement to it.

Thanks again for contributing your work. I can honestly say that it lifted the vibration and the professional level of the event to an ideal level. It would not have been so good without your superb, professional music and photos. THANK YOU!»

Vorgestern, Sonntag, nahm ich wieder den Zug zurück ins Wallis. Ohne Maske, denn ab dem 1. April entfällt die Maskenpflicht im öV. Einige wenige Leute tragen sie noch. Man kann eben wählen. Das finde ich gut so.

In den Nachrichten höre ich, dass in der Schweiz letztes Jahr so viele Kinder geboren wurden wie seit 50 Jahren nicht mehr. Und es sind weniger Menschen gestorben als im Jahr 2020.

Hier der Link zu meinem Video «A Prayer for Peace», meinem Friedensgebet:

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 31.03.2022

31. März, Donnerstag: Das Ende der Corona-Krise in der Schweiz und ein fehlendes Gericht

Am letzten Sonntag bin ich von der Walliser Schneelandschaft in den Berner Frühling gefahren. In unserem Garten blühen Tulpen und Osterglocken. Georg hat zu meiner Begrüssung fast 2 m lange Forsythien-Zweige in einer grossen Vase neben unseren Esstisch gestellt. Ihr leuchtendes Gelb strahlen sie in den Raum. Am Montag, ein warmer Frühlingstag, hat eine Familie, die am Anfang unserer Strasse wohnt, zum „Magnolien-Apéro“ eingeladen. Ein riesiger Magnolienbaum nimmt fast ihren ganzen Garten ein. Er fühlt sich sichtlich geehrt, als gut 40 Erwachsene und Kinder ihn bestaunen und ihm mit Champagner und Apfelsaft zuprosten. Zum Sonnenuntergang verströmt er das zarte Rosa seiner Blüten noch einmal mit voller Kraft, bevor er sie für die Nacht leise schliesst. Alle sind dankbar für dieses heitere und ungezwungene Zusammensein, das in den letzten zwei Jahren wegen Corona nicht möglich war.

Der Bundesrat erklärt für heute Mitternacht die „besondere Lage“ wegen Corona für beendet. Die „Zahlen“ sind nach wie vor sehr hoch, aber die Intensivstationen sind schon seit längerem nicht überlastet. Die Lage in den Spitälern ist nicht wegen Covid-Erkrankungen angespannt, sondern weil das Personal fehlt oder krank ist. Der Bundesrat bezeichnet die kommende Zeit als eine „Phase der Vorsicht“. Masken- und Isolationspflicht nach einem positiven Test fallen weg, Zertifikate im Inland sind schon seit dem 16. Februar abgeschafft. Für Auslandsreisen werden sie auf Wunsch erstellt. Die Taskforce wird zwei Monate früher als geplant aufgelöst. Ihr Vizepräsident sagt heute bei einem Radio-Interview, es gäbe etwa vier Coronavirus-Varianten, mit denen wir auch in Zukunft leben müssten und auch könnten. Sie würden eine Art Grippe verursachen. Ich staune. Bis vor kurzem hätte man eine solche Aussage als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet.

„Corona ist nun Sache der Kantone“, schreibt „Der Bund“ von heute und weiter: „Die Hürde für die Ausrufung einer besonderen Lage, die in den ersten Wochen der Pandemie und vom 29. Juni 2020 bis Ende März 2022 galt, setzt der Bundesrat hoch an. … Damit der Bundesrat noch einmal nationale Massnahmen beschliesst, müsste eine höhere Belastung des Gesundheitssystems drohen, als es in den bisherigen Wellen der Fall war.“  Man lese und staune: Die potenziellen Patient:innen müssen sich der aus wirtschaftlichen Gründen reduzierten Betten- und Personalkapazitäten anpassen.
Forscher:innen warnen: Das Virus müsste unbedingt auch weiterhin beobachtet werden. Doch wer bezahlt das? Die Gensequenzierungen, die die vorhandenen Virusvarianten bestimmen, und die Abwasseruntersuchungen, die darüber Auskunft geben, wo wie viele Menschen infiziert sind, müssen vom Bund noch finanziell geregelt werden. Und was passiert mit den 15 Millionen Impfdosen, die die Schweiz noch bestellt hat? Fast niemand möchte sich mehr impfen lassen, sondern lieber einen Beitrag für die Entwicklungshilfe leisten.

Georg geht wie jeden Donnerstag zum Dorfmarkt. Den griechischen Stand von „greekfood“ betreut heute ein Freund von Jorgos. Auf Georgs Frage, was er denn sonst mache, antwortet Athanasios, dass er in Genf lebe und Rechtsanwalt für Völkerrecht sei. Es kommt zu einem Gespräch über das Budapester Abkommen aus dem Jahre 1994: Damals verzichteten die Ukraine, Belarus und Kasachstan auf ihre atomaren Waffen. Im Gegenzug wurden ihnen die bestehenden Landesgrenzen garantiert. Mitunterzeichnende waren Russland, die USA, GD, Frankreich und später auch China. Georg fragt Athanasios, warum im Falle eines Vertragsbruchs, wie dies vor ein paar Jahren bei der Annexion der Krim und wie dies jetzt seit dem 24. Februar mit dem russischen Invasionskrieg in die Ukraine der Fall ist, niemand vor Gericht käme. Die erstaunliche Antwort des Juristen lautet: „Es gibt dafür kein zuständiges Gericht!“ Georg kann nicht fassen, dass es ein Abkommen geben kann, ohne dass ein Gericht bei dessen Verletzung zuständig wäre, und ermuntert Athanasios ein solches aufzugleisen.

Foto und Text: Petra Dobrovolny