Mein Tagebuch: 30.10.2022

30. Oktober, Sonntag: Die heilige Maria von Fatima und die Weihe

Jeden zweiten Tag singe und klinge ich mit meinen Kristallklangschalen in der Seitenkapelle der Marienkirche von Leukerbad. Dabei stehe ich neben eine Statue aus Zedernholz, welche die heilige Maria von Fatima darstellt. Diese Statue hat eine so lebendige Ausstrahlung, dass mir scheint, als würde mir die Muttergottes persönlich zuhören. Da ich kaum etwas von Fatima in Portugal weiss, habe ich im Internet bei Wikipedia recherchiert und herausgefunden, dass dieser heilige Ort 130 km nördlich von Lissabon mindestens so bedeutsam ist wie die zwei bekanntesten Marienpilgerorte Lourdes und Medjugorje.

In den Jahren 1917 bis 1919 erschien in dem ländlichen portugiesischen Ort insgesamt dreimal die Muttergottes drei Hirtenkindern und vermittelte ihnen jedes Mal eine Botschaft, welche «die drei Geheimnisse von Fatima» genannt werden. Im ersten Geheimnis wurde die Hölle dargestellt. Das zweite Geheimnis lautet:

„Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XI. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wisst, dass dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“

Am 25. März 2022 weihte Papst Franziskus Russland und die Ukraine dem unbefleckten Herzen Mariens.

Ich bin zutiefst bewegt und erstaunt. Man könnte meinen, Leukerbad sei weit weg von dem russischen Angriffskrieg, der uns seit dem 24. Februar dieses Jahres so erschüttert. Irrtum: Bei meinen Klangmeditationen bin ich zwei Meter von der Marienstatue aus Fatima entfernt, und Georg in Bremgarten 30 m von den ukrainischen Flüchtlingen mit dem kleinen Platon.

Dass meine Klänge und Gesänge dem Frieden dienen, weiss ich. Aber jetzt wird mir ihre Bedeutsamkeit noch bewusster. Ich bin sehr dankbar dafür, so wirken zu dürfen. 

P.S.: Zur Zeit von Papst Pius XI. fand der 2. Weltkrieg statt. Mehr Info findet ihr bei Wikipedia: Die drei Geheimnisse von Fatima. Das letzte wurde erst im Jahre 2002 veröffentlicht.

Foto: Marienkirche Leukerbad und meine Kristallklangschalen mit dem Gebet „Salve Maria“

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 27.10.2022

27. Oktober, Donnerstag: Wer kann das verstehen? Energieparadies Wallis

Die Auszeichnung für die Verteidigung der Menschenrechte, der Sacharow-Preis, geht dieses Jahr an das ukrainische Volk. Es kämpft für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, so lautet die Begründung. – Unterdessen verschärft sich der russische Angriffskrieg. Christina schreibt uns aus Kiew, dass es ihnen den Umständen entsprechend trotz ständigem Fliegeralarm einigermassen gut geht, und bedankt sich dafür, dass wir an sie denken. Ihre ältere Schwester Veronika ist nach sechs Wochen mit ihren drei Kindern wieder zu ihren vorherigen Gastgebern, unseren Nachbarn, zurückgekehrt. Sie konnte in Odessa keine Wohnung finden. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Winter in der Schweiz verbringen, ohne ihren Mann und Vater der Kinder. Georg bringt ihnen wieder frischen Fisch vom Berner «Märit».
Der Kreml erzählt seinen Soldaten, dass sie ihre Heimat verteidigen. Zu Beginn des Krieges durfte niemand das Wort «Krieg» in den Mund nehmen, ohne dass eine Verhaftung drohte. Die «Aktion» hiess offiziell «Spezialoperation». Und jetzt spricht der Kreml von einer «Kriegsmobilmachung». Wer kann das verstehen?

Bis vor kurzem galt man als Verschwörungstheoretiker:in, wenn man sagte, dass das Virus künstlich „in einem Labor“ hergestellt wurde. Jetzt kann man dies sogar im Gratisblatt «20Minuten». Wer kann das verstehen?

Die Wahrheit kommt ans Licht: Auf Nachfrage des europäischen Parlaments hat die Firma Pfizer zugegeben, dass sie gar nicht getestet hatte, ob der Impfstoff vor einer Übertragung des Virus schützt. Die EU-Kommission wusste dies. Trotzdem wurden Millionen von Menschen, die sich nicht haben impfen lassen wollen, schikaniert und diskriminiert. Wer kann das verstehen?
Die EU-Kommission bestellte bei Pfizer für jeden und jede der Bevölkerung in den EU-Ländern 10 Dosen zu einem Preis von 71 Milliarden Euro. Der hundertseitige Kaufvertrag ist geheim. Auf Anfrage des Europäischen Parlaments schickte Pfizer eine Vertragskopie mit 100 geschwärzten Seiten. Wer kann das verstehen? 

Schottische Statistiken zeigen, dass seit 2021 doppelt so viele Neugeborene im ersten Lebensmonat sterben als sonst. Die Behörden halten es nicht für nötig nachzufragen, ob die schwangeren Mütter dieser Babys geimpft waren oder nicht. Entsprechende Daten werden nicht erhoben. Das Bundesamt für Gesundheit in Bern empfiehlt jetzt im Herbst die Impfung für Schwangere, über 65-Jährige und Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Wer kann das verstehen?

Von Januar bis September dieses Jahres hat die Schweiz für mindestens 5 Milliarden Schweizerfranken Energie in das nahe Ausland exportiert. Offiziell wird für den kommenden Winter eine Energieknappheit vorausgesagt. Wer kann das verstehen?

Das Dach «unseres» Hauses in Leukerbad muss renoviert werden. Bei der Stockwerkeigentümerversammlung wurde dagegen gestimmt, bei der Renovation Solarpaneels zu installieren. Wenn ich oberhalb des Dorfes – in der besten Sonnenlage – spazieren gehe, sehe ich viele Hausdächer, die im Sommer renoviert wurden. Keines hat eine Solaranlage erhalten. Die Gemeinde ist der Meinung, dass es in Leukerbad wegen der hohen Felswände tagsüber zu wenige Stunden Sonne gibt. Besonders im Winter könnte die Sonneneinstrahlung nur von 10 bis 16 Uhr genutzt werden. Das lohne sich nicht.

Der Kanton Wallis produziert zu 100% die hier benötigte Energie selbst. Davon kommen 93% vom Wasser. Die Stauseen sind zurzeit zu 85% gefüllt. Also müssen wir uns keine Sorgen machen wegen einer eventuellen Energieknappheit. Auch die Preise sollen konstant bleiben, teilt uns der regionale Energieversorger mit. Das Wallis plant jetzt drei grosse alpine Solaranlagen, die zunächst einmal den ganzen Kanton versorgen könnten und auch sollen. Es wird daran gearbeitet, dass die juristischen Hürden für solche Projekte in den geschützten Alpenlandschaften fallen.  

Hier in Leukerbad warten alle auf das Projekt «Fernheizung mit dem Abwasser der Therme», mit dem jedes Haus beheizt werden soll. Diese Idee gab es bereits vor 60 Jahren. Doch die Öl-Lobby verhinderte erfolgreich, dass damals die Gemeinde in Bezug auf die Energieversorgung unabhängig wurde. Das kann heute niemand mehr verstehen. Nun ist es als «Generationen-Projekt» endlich aufgegleist, die grossen Rohre für die ersten 150 m wurden im Sommer gelegt. Wir wissen noch nicht, in welcher Generation wir im oberen Teil des Dorfes an diese Fernwärme angeschlossen werden.

Foto: Blick auf die südliche Alpenkette mit den über 4000m hohen Bergen wie der Mischabelgruppe, dem Weisshorn, dem Zinalrothorn

und Text: Petra Dobrovolny         

Mein Tagebuch: 27.09.2022

27. September, Dienstag: Zu viele Impfdosen, Rückkehr in die Ukraine und weiteres Abschiednehmen

Im Berner Oberland hat es zum ersten Mal wieder geschneit, auch oberhalb von Leukerbad – mit 1400 m – liegt der Schnee bis auf 1500 m. Die Tage werden kürzer. Experten sagen einen milden Winter voraus. Ist dies ein Wunschdenken? In diesem Jahr sind die Gletscher in der Schweiz so viel geschmolzen wie noch nie. Drei Gletscher sind inzwischen sogar ganz verschwunden. Die Gründe sind der schneearme Winter und der heisse trockene Sommer.

In den sozialen Medien wurde für den 24. September eine weltweite Katastrophe mit Stromausfällen oder einem atomaren Vorfall grösseren Ausmasses usw. vorausgesagt. Der Tag werde allen in Erinnerung bleiben. Und? Was ist passiert? Die gemeldeten Wirbelstürme über Florida und der Karibik sind nicht so aussergewöhnlich. Vielleicht habe ich etwas verpasst?

Die Schweiz muss 10 Millionen Impfdosen vernichten, weil die Haltbarkeitsgrenze erreicht wurde. Aus Sicherheitsgründen hatte das BAG bei verschiedenen Herstellern eingekauft, sodass deswegen jetzt ein grosser Überschuss besteht. So lautet die offizielle Begründung. Den bald ablaufenden Impfstoff hatte die Schweiz verschiedenen Entwicklungsländern angeboten. Diese haben jedoch dankend abgelehnt. Wer bezahlt nun die überflüssigen Impfdosen? Die Krankenkassenprämien werden nächstes Jahr um ca. 10% ansteigen …

Man kann sich fragen, warum die notfallmässig zugelassene mRNA-Impfung immer noch propagiert wird, jetzt vor allem für Kinder. Die zahlreichen und teilweise heftigen Nebenwirkungen besonders für Jüngere sind inzwischen bekannt. Seit Juli gibt es weltweit eine Übersterblichkeit von ca. 12 %, auch jüngere Altersgruppen sind betroffen. Dr. John Campbell hat auf Youtube darüber berichtet. Er meinte, dass diese Zahlen «quite alarming», also ziemlich alarmierend seien. Auch in unserem Bekanntenkreis sterben plötzlich und unerwartet Leute, von denen wir wissen, dass sie mindestens zweimal geimpft waren. In den offiziellen Medien werden jedoch immer wieder Expert:innen zitiert, die sagen, dass es keine Beweise für einen Zusammenhang gäbe. Wie dem auch sei: Jedenfalls macht es uns sehr betroffen, wenn wir uns schon wieder von jemandem für immer verabschieden müssen.  

Georg und ich waren am Samstag bei unserer bisher noch gebliebenen ukrainischen Nachbarin zum Abschied zu Tee und Kuchen eingeladen. Am 30. September wird Veronika mit ihren drei Kindern im Alter von 12 und 5 Jahren und dem kleinen 2-monatigen Platon, mit dem Zug über Wien und Polen nach Odessa fahren. Gemeinsam mit ihrem dort auf sie wartenden Ehepartner wird sie eine neue Bleibe suchen. In ihre Heimat bei Mariupol können sie zurzeit nicht zurück. Das sei aber nicht so schlimm. Viel wichtiger sei, dass die Familie wieder zusammenfände und der Vater endlich seinen Jüngsten in die Arme nehmen könne. Veronikas Schwester mit ihren zwei Kindern und der Mutter bzw. Grossmutter hatten sich vor etwa drei Wochen von uns und Bremgarten verabschiedet. Sie sind inzwischen gut in Kiew angekommen. Auch sie können nicht nach Mariupol zurück. Der Vater bzw. Grossvater hat das kaputte Haus dort nicht reparieren können. Das nötige Material dazu hätte er nur von der russischen Besatzung und nur mit seiner Unterschrift erhalten. Er hätte bezeugen müssen, dass sein Haus von der ukrainischen Armee beschädigt worden sei. Das wollte er nicht.

Diese Umstände erinnern Georg an Kosovo vor etwa 25 Jahren: Nach dem «Jugoslawien-Krieg» waren auch dort Häuser zerstört und viele Flüchtlinge wollten zurückkehren. Durch das von Georg 1994 gegründete «Forum Ost-West» konnte mitbewirkt werden, dass die Schweiz Baumaterial nach Kosovo lieferte. Die dortige Bevölkerung erhielt somit eine Hilfe zur Selbsthilfe und baute ihre Häuser wieder auf. Die Schweizer Hilfe war damals ein Erfolg, der eine verbreitete Beachtung fand. Auf unsere Anfrage hin schreibt das EDA (Schweizer Aussenministerium): «Es ist möglich, dass es in den Jahren 1998/99 eine Hilfe in dem Zusammenhang gegeben haben mag. Allerdings verfügen wir über keine Informationen zu diesem Thema.» Wir fragen uns, wo da das institutionelle Gedächtnis bleibt. Und jetzt? Georg meint, dass ukrainische und russische Oligarchen, die im Ausland leben, ein Zeichen setzen und Geld für Baumaterial spenden könnten. Ein Fonds dafür müsste gegründet werden, und Medien könnten die Information über entsprechende Konti, auf welche die Zahlungen eingehen können, verbreiten. Kaum hat Georg diese Idee, melden sich Oligarchen, die hohe Summen dafür bezahlen wollen, um von den Sanktionslisten gestrichen zu werden. Unsere Bekannten finden die Rückkehr von «Georgs Ukrainerinnen» entweder sehr mutig oder verrückt. Jemand meint sogar, dass wir sie unbedingt zurückhalten sollten. Georg meint: «Die Frauen sind doch mündig und wissen, was sie tun.» Selbstverständlich ist es keineswegs. Für andere Flüchtlinge aus der Ukraine ist eine Rückkehr kein Thema. – In Russland wurde eine weitere Teilmobilmachung ausgerufen. Junge Männer werden von der Strasse weg zwangsrekrutiert. Zehntausende fliehen über die Grenzen nach Finnland, Georgien oder Kasachstan, auch wenn jede Art von Dienstverweigerung oder Desertation mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden soll.

Foto: Orgel der Marienkirche in Leukerbad VS

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 11.09.2022

11. September, Sonntag: Ein Abschied, singende Flügel und eine Marienstatue

Gestern ist unser Besuch nach einer Woche wieder nach Hause in die Tschechische Republik gefahren. Sie hatten Glück mit dem Wetter gehabt. Georgs jüngster Neffe, seine Frau und ihre zwei Kinder im Alter von 5 und 2 Jahren haben Ausflüge in die Berge und Schifffahrten auf dem Genfer und Thuner See sehr genossen. Den Kindern waren die verschiedenen Spielplätze, auf denen sie sich austoben konnten, am wichtigsten. Schöne Aussichten oder Wanderungen können sie nicht begeistern. Der grösste Hit war der Familienwagen des IC nach Genf: Gleichzeitig Zugfahren und eine Rutschbahn runterrutschen! Die Kinder wollten gar nicht mehr aussteigen.

Heute wurde Georg von «seinen» Ukrainerinnen in Bremgarten zu einer kleinen Abschiedsfeier eingeladen. Am Dienstag wird die Grossmutter und ihre jüngere Tochter mit ihren zwei kleinen Kindern nach 6 Monaten sicheren Aufenthalt in der Schweiz wieder in ihr Heimatland zurückreisen. Der Schwiegersohn hat in der Nähe von Kiew eine Wohnung gefunden. In ihre Heimatstadt Mariupol können sie zumindest vorläufig noch nicht zurück. Die Reise mit dem Zug über Wien und Polen dauert zwei Tage. Georg bringt ihnen eine grosse Wassermelone, die er während zwei Wochen auf unserer Veranda hat reifen lassen. Der Geschmack erinnere sie an die Melonen in der Ukraine, meinen seine Gastgeberinnen. Die ältere Tochter wird mit ihren inzwischen drei Kindern noch weiterhin in der Schweiz bleiben.

Bei herrlichem Sonnenschein und 23°C im Schatten geniesse ich heute die Sonntagsruhe auf meiner Terrasse in Leukerbad. Der Stand der Sonne ist schon niedriger, bald sind wir bei der Tag-und-Nachtgleiche angelangt. Ein grüner Gast, eine grosse Grille, besucht mich. Bei Sonnenuntergang lässt sie ihre Flügel singen. Beneidenswert: Ich hätte auch gerne singende Flügel. Stattdessen versuche ich nun beim Proben in der Kirche meine Stimme möglichst ohne Heiserkeit singen zu lassen. Über die Mittagszeit legen einige Menschen, vor allem Frauen, auf ihrer Wanderschaft einen Halt ein und nehmen sich Zeit für ein Gebet. Es ist zu spüren, dass sie sich nach Frieden und Geborgenheit sehnen. Viele zünden eine Kerze an, stellen sie in den metallenen Ständer unter der Marienstatue in der Nische der Seitenkapelle und beten. Als ich diese Statue zum ersten Mal sah, dachte ich, dass die heilige Marie wohl tatsächlich so ausgesehen haben muss, denn ich empfand sie als sehr realistisch dargestellt. Heute habe ich im Kirchenführer gelesen, dass der portugiesische Künstler Antonio Alvas die Statue nach den Aussagen der Kinder von Fatima, denen die Muttergottes erschienen war, aus Zedernholz erschaffen hat. Im Jahre 1954 wurde sie aus Portugal übers Meer, den Rhein hinauf bis Basel und schliesslich bis ins Wallis nach Sitten, dem Bischofssitz, transportiert. Im Rahmen des «Marianischen Jahres» wurde sie von Gemeinde zu Gemeinde weitergereicht und danach von dem damaligen Pfarrer für Leukerbad erworben. Für die zahlreichen Portugies:innen, die hier wohnen und vor allem in der Gastronomie arbeiten, stellt diese Statue der Maria von Fatima ein Stück Heimat dar. – Die hiesige Pfarreikirche trägt seit ihrer Erweiterung und Drehung um 90° nach Norden in den Jahren 1864 bis 1866 den Namen «Maria, Hilfe der Christen». Ursprünglich war sie nach Osten ausgerichtet und seit ihrer Fertigerstellung im Jahre 1501 der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergbevölkerung, geweiht. Das ursprüngliche Kirchengebäude wurde bei der Erweiterung zum Glück nicht gänzlich abgerissen. Bis heute gibt es den Glockenturm, den Chor, die Nord- und Westwand mit dem gotischen Kirchenportal, welches heute als Seiteneingang dient. Der damalige Chor wurde zur Seitenkapelle umfunktioniert. Unter dessen Mitte, unter den spitz zulaufenden gotischen Bögen, darf ich nun musizieren, unter dem gütigen Blick der Heiligen Maria von Fatima.     

Die Besuchenden lauschen andächtig den Klängen meiner Lyra und Klangschalen aus Bergkristall und meinem Gesang, bleiben ein paar Minuten oder sogar so lange, bis ich mein Proben beende, schenken mir ein Lächeln oder ein Winken als Dank. Manchmal ergibt sich ein Gespräch. Ich werde gefragt, aus welchem Material meine Instrumente seien und wer die von mir gesungenen Gebete komponiert habe.

Fotos: Mein grüner Gast

und zu Gast bei der Heiligen Maria von Fatima

und Text: Petra Dobrovolny

Heilige Maria aus Fatima in der Kirche „Maria, Hilfe der Christen, in Leukerbad VS

Mein Tagebuch: 30.08.2022

30. August, Dienstag: Schlusslicht Deutschland? Und: ein geistiges Dach

In den Bergen sind die Tage immer noch sommerlich warm. In den Nächten sinkt das Thermometer nicht unter 16°C. Doch die hier dunkelbraunen Eichhörnchen sammeln schon fleissig Vorräte für den Winter.

Seit 1991 feiert die Ukraine jedes Jahr am 24. August ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Georg hat unseren ukrainischen Nachbarinnen frischen Fisch vom «Märit» besorgt. Sie freuen sich, dass sie den Tag mit einem guten Mahl feiern können und bedanken sich mit einem «Vergelt’s Gott!» – Im Zentrum von Kiew hat man «zur Feier des Tages» zerstörte russische Panzer ausgestellt. «Westliche» Journalist:innen fragen, ob damit nicht die Gefühle des Kreml-Chefs verletzt würden. Dieser bereitet seine Bevölkerung darauf vor, dass die «Spezialoperation Ukraine» länger als erwartet dauern werde.

Während in Deutschland ausser der seit Corona nie abgeschafften Maskenpflicht im öV bald wieder strengere «Corona-Massnahmen» gelten sollen, ist dies in der Schweiz kein Thema. Die Infektionszahlen sinken, die Intensivstationen sind normal belegt. Im Unterschied zum deutschen Gesundheitsminister glaubt man hier nicht, dass bald eine neue Welle mit einem noch aggressiveren Virus kommen wird. Jemand schreibt: «Deutschland ist das Schlusslicht.» Was ist nur los mit Deutschland? Goethe, Schiller, Herder, der deutsche Idealismus … Wo ist das alles geblieben? Rudolf Steiner meinte, dass die Deutschen, nicht als politische Nation, sondern als Kulturnation verstanden, für Europa eine spirituelle bzw. geistige Aufgabe zu erfüllen hätten. Auf YouTube gibt es zu diesem Thema einige Beiträge von Axel Burkart. Die Deutschen, damit sind auch weitere Deutschsprachige in Mitteleuropa gemeint, sollten endlich erwachen und ihre geistige Rolle zum Wohl Europas und für ein friedliches Zusammenleben von Ost und West wahrnehmen. Axel Burkart meint, die Deutschen stünden jetzt zum dritten Mal – wie schon nach dem ersten und zweiten Weltkrieg – vor der Wahl, ihre wichtige Rolle anzunehmen. Auch der Amerikaner William Toel ist dieser Meinung. Im Jahre 1987 hatte er eine Vision, in der Gott ihn aufrief, der «Wächter Deutschlands» zu werden. Ein paar Jahre später sah er den Fall der Mauer voraus, doch niemand glaubte ihm. Vor einem Jahr organisierte er gemeinsam mit seiner deutschen Frau Lisa Wanderungen zu den Rheinwiesen in Gedenken an die vielen jungen deutschen Soldaten, die dort als Kriegsgefangene in den Rheinwiesenlagern unter amerikanischer Besatzung verdursteten und verhungerten. Vielen ist dieses Schicksal nicht bekannt. Es wurde verschwiegen. Bis zum letzten Jahr wurde ihrer nie einer solchen Form geschweige denn offiziell gedacht. Dieses Jahr ruft William Toel erneut zum «Walk am Rhein» auf. Man solle sich im August oder September zum Rhein begeben und dort eine Stunde lang zu Gott für die Freiheit und Souveränität Deutschlands beten. Weitere Informationen darüber findet ihr auf www.williamtoel.de

In meinem Taschenkalender sind die Feiertage mit den Ländern eingetragen, in denen sie stattfinden. Oft findet derselbe Feiertag in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Dies wird abgekürzt mit D-A-CH bezeichnet. Das geistige Dach Europas: Ein klares Denken, das sich der Wahrheit, der Freiheit und dem Frieden verpflichtet. Ansätze dazu gibt es durchaus, auch in Tschechien. Gerade während der «Corona-Zeit» haben Georg und ich öfters über die Klarheit und Unerschrockenheit einiger tschechischer Wissenschaftler:innen gestaunt. Und wenn Prag – wieder – mitteleuropäische Hauptstadt für freies Wissen und Kultur würde? Ob an der Moldau, der Donau, am Rhein oder an der Rhone oder Aare … lasst uns für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit beten, und für eine uns alle miteinander verbindenden Liebe.

Foto: Die Aare in Bremgarten bei Bern und Text: Petra Dobrovolny   

Mein Tagebuch: 21.08.2022

21. August, Sonntag: Vor 54 Jahren und heute. Und: Nicht jede(r) ist ein Nelson Mandela

Heute jährt sich zum 54. Mal die Invasion in die damalige Tschechoslowakei durch die Warschauer-Paktstaaten unter der Führung des Kremls mit Leonid Breschnew. Die Panzer weckten Georg morgens um 5 Uhr, als sie auf dem Weg in die Prager Altstadt unter seinem Fenster vorbeifuhren. Er schaltete sofort das Radio ein, das noch einige Tage live von einem Versteck aus senden konnte. Vier Wochen später kam Georg als politischer Flüchtling in die Schweiz mit der Absicht, wieder in sein Heimatland zurückzukehren, sobald sich die Lage dort wieder «normalisiert» hätte. Dies war dann bekanntlich nicht der Fall. Die «Normalisierung» sah anders aus: Die demokratische Bewegung, der sogenannte «Prager Frühling», wurde zerschlagen, das Land blieb 22 Jahre lang besetzt.

Der tschechische Premier erinnert heute an das Ereignis von 1968 und vergleicht es mit dem immer noch andauernden russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Auch unsere ukrainischen Nachbarinnen möchten mit ihren fünf Kindern wieder in ihre Heimat zurück. Aber wohin, wenn die Häuser beschädigt sind? Und unsere Nachbarinnen sind bei weitem nicht die Einzigen. In der Ukraine benötigen 11 Millionen Menschen noch vor dem Winter eine sichere Unterkunft. Der Vater, der bei einem Angriff als Zivilperson durch eine russische Granate verletzt worden war, versucht jetzt nach seinem Spitalaufenthalt das Dach des Hauses zu reparieren. Das Material dazu kann er sich nur von der russischen Seite beschaffen. Bevor er es erhält, muss er eine amtliche Bestätigung unterschreiben, die besagt, dass sein Haus von der ukrainischen Armee beschädigt wurde. Die russische Seite hat tatsächlich Angst, dass sie einmal – wann? – für ihre Zerstörungen haftbar gemacht werden und eine Wiedergutmachung bezahlen muss. Georg meint, dass hier die Schweiz mit Materiallieferungen helfen könnte. Er und seine Organisation Forum Ost-West hatte diese Hilfe damals nach dem Jugoslawien-Krieg für Kosovo in die Wege geleitet.

Jemanden dazu zu zwingen, wissentlich etwas zu unterschreiben, was nicht stimmt, ist eine geistige Vergewaltigung. So ist es auch bei der mRNA-Impfung gegen Corona. Vorher muss man unterschreiben, dass man von einer Fachperson über die kurz- und langfristigen Folgen informiert wurde. Und wenn diese Fachperson die Folgen gar nicht kennt bzw. kennen kann? Wer haftet? Wie viele Menschen haben in letzter Minute, nachdem sie gelesen hatten, was sie vor der Impfung unterschreiben sollten, «nein» gesagt? Wahrscheinlich gibt es darüber keine offizielle Statistik. Darüber schreibt keine Zeitung.

In Italien wird die Impfpflicht für Lehrpersonen ab dem kommenden 1. September aufgehoben. Sie galt seit Dezember 2021. Wie viele ungeimpfte Lehrer:innen gibt es noch in Italien? Gibt es darüber eine Statistik? Und womit haben diese in den letzten 9 Monaten ihr tägliches Brot verdient?

Es ist eine grosse Herausforderung, sich geistig nicht vergewaltigen zu lassen bzw. sich nicht selbst zu verraten. Das kann nicht jeder oder jede. In diesem Zusammenhang denke ich oft an meinen 1981 verstorbenen Schwiegervater. Er wurde als politischer Gefangener unschuldig zu 12 Jahren Zwangsarbeit in den tschechischen Urangruben von Jachimov verurteilt, erlebte immer wieder eine von allen gefürchtete Isolationshaft, die viele nicht lebend überstanden, und wurde auch sonst immer wieder verhört und gefoltert. Hätte er unterschrieben, dass er gemeinsam mit anderen einen Putsch auf den Staat geplant hätte, was natürlich nicht der Fall gewesen war, hätte er sich das Leben vielleicht erleichtern können. Doch er liess sich seinen Willen nicht brechen. Er blieb bei seiner Wahrheit und behielt bis zu seinem Lebensende eine aufrechte Haltung. So wie Nelson Mandela.

Hier der Link zum Youtube-Kanal des Forums Ost-West und zu einem Interview zum Anlass des 50. Jahrestages der Invasion von Georg Dobrovolny mit Petr Feyfar, einem damaligen Regisseur des tschechoslowakischen Radios über die Ereignisse im August 1968 in Prag: https://www.youtube.com/watch?v=xrhpZY1AHUw

Foto: Böhmisches Flachsspinnrad

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 01. August 2022

  • 1. August, Montag: Schweizer Nationalfeiertag

Es ist tatsächlich ruhiger: Wegen der grossen Waldbrandgefahr und des Wassermangels wurde dazu aufgerufen, besonders das private Knallen zu unterlassen. Der Juli war sehr heiss, oft kletterte das Thermometer über 30°C.

Unsere ukrainischen Nachbarinnen möchten so bald wie möglich in ihre Heimat zurückkehren. Am liebsten noch vor dem Winter. Der kleine Platon ist schon fast 5 Wochen alt und schaut mit grossen blauen Augen in die Welt. Was nimmt er wohl wahr? Er scheint die Zeit und den Ort seiner Inkarnation bewusst ausgewählt zu haben. Georg sagt zu seiner Mutter: «Er wird der zukünftige Präsident der Ukraine sein!» Sie meint: «Das ist aber eine sehr schwierige Aufgabe.» Wohin jetzt erst mal mit nun 5 Kindern? In ihre zerstörte Heimatstadt Mariupol können sie nicht zurück. Und in der Westukraine gibt es keine freien Wohnungen, denn die Binnenflüchtlinge sind bereits dort und jene vom Ausland kehren dorthin zurück. Georg meint, dass die helfenden Länder besser dort Containerdörfer finanzieren sollten, anstatt im eigenen Land zu hohe Kapazität zu schaffen. Das Containerdorf im Berner Viererfeld wurde für 1000 Flüchtlinge konzipiert. Jetzt wurde erst mal eine Infrastruktur für 400 Personen bereitgestellt, aber seit zwei Wochen wohnt dort nur eine neunköpfige ukrainische Familie. Diese war vorher getrennt bei zwei Gastfamilien untergebracht und wollte lieber zusammen sein. Ich frage mich, wie die Menschen die hohen Sommertemperaturen im Container aushalten. Weit und breit gibt es keinen Baum.

Die Erntehelfer:innen aus Polen bleiben auch dieses Jahr wieder weg. Nicht wegen Corona, sondern wegen des inzwischen bereits 5 Monate andauernden russischen Angriffskriegs auf ihr Nachbarland. Sie wollen ihre Familien nicht allein lassen, falls … Eine Landwirtin aus dem Berner Seeland beklagt, dass das Gemüse auf den Feldern verrottet. Dabei spricht man von einer kommenden Hungersnot.

Astrolog:innen sprechen von einer aussergewöhnlichen Sternenkonstellation, die bis zum 11. August dauern soll. Auch die Sonne sende besondere und anscheinend hilfreiche Informationen zur Erde. Wer mehr dazu wissen möchte, wird auf Youtube fündig bei Heike Michaelsen, Sonja von Staden, Silke Schäfer, Bracha Goldsmith, Steve Judd oder Pam Gregory und Amanda Ellis.

In den sozialen Medien sind Morddrohungen sehr verbreitet. Es gibt keine Tabus, zum Beispiel einem jungen deutschen Journalisten zu schreiben, er solle am besten gleich selbst den Strick nehmen. In Österreich hat sich eine Ärztin das Leben genommen. Anscheinend hätte sie die Bedrohungen von Massnahmen- und Impfgegner:innen nicht mehr ertragen können. So etwas macht mich sehr betroffen. Sind wir schon so weit gekommen?
Vor drei Tagen hatten wir Besuch von unserem 46-jährigen Lausanner Freund. Er ist Geschichtslehrer an einem Gymnasium und liess sich dreimal impfen. Nach dem Booster hatte er massive Beschwerden, seine Haut juckte am ganzen Körper wie verrückt. Er hätte sich in seinem ganzen Leben noch nie so krank gefühlt. Sein Hausarzt meinte, er habe Leukämie. Auf meine Empfehlung hin nahm unser Freund die Tinktur Nummer 9 der «Solunate» für das Lymphsystem. Nach zwei Wochen war er wieder voll arbeitsfähig. Weitere vier Wochen später erkrankte er mit schweren Symptomen an Covid – trotz Impfungen. Er will sich auf keinen Fall mehr … –  Das aktuelle Heft der Zeitschrift «raum&zeit» ist sehr empfehlenswert. Es berichtet u.a. über die Hilfe der Homöopathie und Anthroposophie bei Impfschäden.

Foto: Stadt Bern mit Bundeshaus und Bärenplatz

und Text: Petra Dobrovolny        

Mein Tagebuch: 25.06.2022

25. Juni, Samstag: Literaturfans treffen sich in Leukerbad      

Vom 23. bis 26. Juni findet das 26. Internationale Literaturfestival in Leukerbad statt. Vor einem Jahr konnte es trotz Corona durchgeführt werden, im grossen weissen Zelt musste das Publikum Hygienemasken tragen. Das ist jetzt zum Glück nicht mehr nötig. Das Publikum ist etwas zahlreicher als letztes Jahr. Es besteht zu mindestens 70% aus Frauen im Alter von 50 bis über 80. Einige haben ihre Ehepartner, noch mehr ihre Schwestern, Mütter und Freundinnen mitgebracht. Ich besuche wieder den samstäglichen Literaturabend, an welchem 12 Schriftsteller:innen für jeweils ca. 20 Minuten aus ihren Werken vorlesen. Das dominierende Thema ist die Ukraine und wie die Betroffenheit seit der Annexion der Krim 2014 und die weiteren Ereignisse in dem Land, „das am Rande liegt“, so heisst die Ukraine wörtlich übersetzt, literarisch verarbeitet werden. Eindrucksvolle Worte findet die seit 11 Jahren in Wien lebende ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk: „Was ist Heimat? Heimat ist woher die Traumata kommen.“ Und sie fragt: „Kann man Kriege mit Kriegen beenden und statt der Bienen Nektar sammeln …?“

Mich erstaunt, dass „Corona“ kaum ein Thema ist. Oder habe ich etwas verpasst? Wie findet die Erosion der Demokratie, der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit usw. ihren Eingang in die zeitgenössische Literatur? Darauf erhalte ich keine Antwort. Jonas Lüscher beschreibt lediglich seine „tropische Traurigkeit“ während einer ungeplanten Quarantäne in einem Hotelzimmer in Kapstadt. – Lukas Bärfuss hinterfragt den europäischen Lebensstil. Dazu gehöre, im Sommer ans Meer zu fahren. Er hatte Ferien in einem Ort der Toskana gebucht und stellt nach seiner Ankunft fest, dass dort die Spuren des Faschismus noch sehr präsent sind. Auch der „Duce“ und seine Anhänger:innen hatten eine Vorliebe für diesen Ort. Dies veranlasst den Schweizer Schriftsteller über die toxische Maskulinität nicht nur des „Duce“, sondern auch zeitgenössischer Regierungshäupter in Ost und West zu schreiben, Berlusconi mit seinem „nachgezeichneten Haaransatz“ schliesst er nicht aus. Auch die Sicht auf das wunderbar türkise Mittelmeer lässt in Herrn Bärfuss keine Ferienlaune aufkommen: Jedes Jahr ertrinken dort doppelt so viele Flüchtlinge wie Leukerbad Einwohner:innen hat. Somit habe er eher nachdenkliche als erholsame Ferien verbracht. Vielleicht wird er in Zukunft lieber in die Walliser Berge fahren? Ich habe ihn nicht gefragt. Dankbar und zufrieden reisen alle wieder nach Hause, in der Gewissheit, dass es auch nächstes Jahr wieder genügend Sponsor:innen und Menschen mit Tatkraft geben wird, die dieses Festival ermöglichen. Auch wenn der Preis für Papier sich verdoppelt hat.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 21.06.2022

21. Juni, Sommersonnenwende: Eine besondere Zeit und noch eine Klangschale

Vom 14. Juni bis zum 14. Juli, von Neumond zu Neumond, findet dieses Jahr der energetische Höhepunkt statt. Besonders in der Zeit vom 21. bis 28. Juni. Sechs Planeten und der Mond befinden sich von der Perspektive der Erde aus gesehen in einer Linie. Das bedeutet eine Zeit der Prüfungen, denn alles wird verstärkt. Inneres Ausbalancieren ist wichtig. Heute schickt die Sonne ihre Strahlen in einem bestimmten Winkel durch die Steintore in Stonehenge, UK: Die Herzenergie wird dadurch weltweit aktiviert. Am 24. Juni feiern die Maoris das neue Jahr. Die Erntezeit ist vorbei, neue Samen können ab jetzt auf der südlichen Erdhalbkugel ausgesät werden. Vor kurzem wurde dieser Tag in Neuseeland zum offiziellen Feiertag erklärt.

Diese Zeit markiert einen wichtigen Schritt von alten nicht mehr passenden Herrschaftsstrukturen und -gehabe in eine Zeit der Zusammenarbeit zum Wohle des Ganzen. Am Beispiel der Ukraine wird dies deutlich: Dort tobt seit Ende Februar immer noch der Angriffskrieg des Kremls, und am 5. und 6. Juli wird in Lugano eine internationale Konferenz zum Aufbau der Ukraine stattfinden.

Bei der Leukerbader Floristin, die aus Bayern stammt, habe ich eine von Hand hergestellte Allgäuer Heilkräuterkerze gekauft, die speziell für die Zeit der Sonnenwende unterstützend wirkt. Die unter Hälfte ist orange, die obere feuerrot. Das Wachs enthält unter anderem Beifuss, Johanniskraut, Rosmarin und Holunder. In der dazugehörigen Broschüre steht: „Der Sommer ist ein Fest der Fülle, der Sinne und der Sinnlichkeit. Wir Menschen geniessen diese grenzenlose Kraft des Sommers – nun ist es wichtig, immer wieder in die Stille zu gehen, um mit unserem Inneren in Berührung zu kommen.“ Wir können uns zum Beispiel fragen: „Wie pflege und nähre ich den Samen, der in mir erblüht ist?“ – In mir ist die Liebe zu Kristallklangschalen erblüht. Seit dem 1. Juni habe ich als Ersatz für die zerbrochene eine neue mit Himalayasalz, Indium und Platin. Sie wirkt reinigend und weckt Einsichten und Visionen. Wenn ich sie anschlage, meine ich den Urklang der Schöpfung zu hören und sehe im Geiste Mönche in einem tibetischen Kloster. Natürlich hatte ich bei meinem letzten Besuch bei „UniversHarmonie“ vor drei Wochen in Lausanne eine dazu im Ton passende Klangschale aus rosa Rhodochrosit und Platin gefunden, aber wegen des hohen Preises nicht gekauft. Georg möchte sie mir zu meiner grossen Freude zum Geburtstag schenken. Für heute, dem Tag der Sonnenwende, habe ich wieder einen Termin in Lausanne vereinbart.     

Foto: Meine zwei neuen Kristallklangschalen und

Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 08.06.2022

08. Juni, Mittwoch: Beten für den Frieden

Am Nachmittag besuche ich die ukrainische Familie, die jetzt schon seit zwei Monaten bei unseren Nachbarn wohnt: Eine etwa 54-jährige Grossmutter und zwei Töchter mit jeweils zwei kleinen Kindern, ein weiteres Kind wird noch diesen Monat das Licht der Welt erblicken. Sie mussten aus Mariupol fliehen. Ihr glückliches Leben wurde durch den russischen Angriffskrieg jäh unterbrochen. Die Väter der Kinder müssen das Land verteidigen, der Grossvater wurde als Zivilist durch eine Granate verletzt und liegt jetzt in Luhansk in einem Spital. Diese Stadt wird von prorussischen Separatisten kontrolliert. Es ist ungewiss, wohin er nach seiner Genesung gehen darf, ob er festgehalten und verhört oder sogar nach Sibirien deportiert wird. Nach Mariupol kann die Familie nicht mehr zurück. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. Das Trinkwasser ist verseucht und der Ausbruch der Cholera wahrscheinlich.

Ich frage die Ukrainerinnen, wer mit mir in die Kirche von Bremgarten, die fünf Minuten zu Fuss von uns entfernt ist, kommen möchten. Wir könnten dort eine Kerze für die Ukraine anzünden. Ausser der Grossmutter, die das Abendessen vorbereiten will, möchten alle mitkommen. Sie staunen über die Schlichtheit der evangelisch-reformierten Kirche. Bei ihnen gäbe es keine Orgel, singen würde nur der Chor, sie selbst kennen die Gesänge nicht, auch keine Gebetstexte. Die Kinder wollen in dieser für sie fremden Umgebung lieber herumtoben, die zwei Mütter können sie kaum beruhigen. Unter der Obhut des ältesten Mädchens gehen die anderen Kinder nach fünf Minuten aus der Kirche hinaus. So kann ich doch noch in Ruhe drei Kerzen für den Frieden anzünden und ein Gebet auf Englisch improvisieren.   

Foto und Text: Petra Dobrovolny