Mein Tagebuch: 01. August 2022

  • 1. August, Montag: Schweizer Nationalfeiertag

Es ist tatsächlich ruhiger: Wegen der grossen Waldbrandgefahr und des Wassermangels wurde dazu aufgerufen, besonders das private Knallen zu unterlassen. Der Juli war sehr heiss, oft kletterte das Thermometer über 30°C.

Unsere ukrainischen Nachbarinnen möchten so bald wie möglich in ihre Heimat zurückkehren. Am liebsten noch vor dem Winter. Der kleine Platon ist schon fast 5 Wochen alt und schaut mit grossen blauen Augen in die Welt. Was nimmt er wohl wahr? Er scheint die Zeit und den Ort seiner Inkarnation bewusst ausgewählt zu haben. Georg sagt zu seiner Mutter: «Er wird der zukünftige Präsident der Ukraine sein!» Sie meint: «Das ist aber eine sehr schwierige Aufgabe.» Wohin jetzt erst mal mit nun 5 Kindern? In ihre zerstörte Heimatstadt Mariupol können sie nicht zurück. Und in der Westukraine gibt es keine freien Wohnungen, denn die Binnenflüchtlinge sind bereits dort und jene vom Ausland kehren dorthin zurück. Georg meint, dass die helfenden Länder besser dort Containerdörfer finanzieren sollten, anstatt im eigenen Land zu hohe Kapazität zu schaffen. Das Containerdorf im Berner Viererfeld wurde für 1000 Flüchtlinge konzipiert. Jetzt wurde erst mal eine Infrastruktur für 400 Personen bereitgestellt, aber seit zwei Wochen wohnt dort nur eine neunköpfige ukrainische Familie. Diese war vorher getrennt bei zwei Gastfamilien untergebracht und wollte lieber zusammen sein. Ich frage mich, wie die Menschen die hohen Sommertemperaturen im Container aushalten. Weit und breit gibt es keinen Baum.

Die Erntehelfer:innen aus Polen bleiben auch dieses Jahr wieder weg. Nicht wegen Corona, sondern wegen des inzwischen bereits 5 Monate andauernden russischen Angriffskriegs auf ihr Nachbarland. Sie wollen ihre Familien nicht allein lassen, falls … Eine Landwirtin aus dem Berner Seeland beklagt, dass das Gemüse auf den Feldern verrottet. Dabei spricht man von einer kommenden Hungersnot.

Astrolog:innen sprechen von einer aussergewöhnlichen Sternenkonstellation, die bis zum 11. August dauern soll. Auch die Sonne sende besondere und anscheinend hilfreiche Informationen zur Erde. Wer mehr dazu wissen möchte, wird auf Youtube fündig bei Heike Michaelsen, Sonja von Staden, Silke Schäfer, Bracha Goldsmith, Steve Judd oder Pam Gregory und Amanda Ellis.

In den sozialen Medien sind Morddrohungen sehr verbreitet. Es gibt keine Tabus, zum Beispiel einem jungen deutschen Journalisten zu schreiben, er solle am besten gleich selbst den Strick nehmen. In Österreich hat sich eine Ärztin das Leben genommen. Anscheinend hätte sie die Bedrohungen von Massnahmen- und Impfgegner:innen nicht mehr ertragen können. So etwas macht mich sehr betroffen. Sind wir schon so weit gekommen?
Vor drei Tagen hatten wir Besuch von unserem 46-jährigen Lausanner Freund. Er ist Geschichtslehrer an einem Gymnasium und liess sich dreimal impfen. Nach dem Booster hatte er massive Beschwerden, seine Haut juckte am ganzen Körper wie verrückt. Er hätte sich in seinem ganzen Leben noch nie so krank gefühlt. Sein Hausarzt meinte, er habe Leukämie. Auf meine Empfehlung hin nahm unser Freund die Tinktur Nummer 9 der «Solunate» für das Lymphsystem. Nach zwei Wochen war er wieder voll arbeitsfähig. Weitere vier Wochen später erkrankte er mit schweren Symptomen an Covid – trotz Impfungen. Er will sich auf keinen Fall mehr … –  Das aktuelle Heft der Zeitschrift «raum&zeit» ist sehr empfehlenswert. Es berichtet u.a. über die Hilfe der Homöopathie und Anthroposophie bei Impfschäden.

Foto: Stadt Bern mit Bundeshaus und Bärenplatz

und Text: Petra Dobrovolny        

Mein Tagebuch: 25.06.2022

25. Juni, Samstag: Literaturfans treffen sich in Leukerbad      

Vom 23. bis 26. Juni findet das 26. Internationale Literaturfestival in Leukerbad statt. Vor einem Jahr konnte es trotz Corona durchgeführt werden, im grossen weissen Zelt musste das Publikum Hygienemasken tragen. Das ist jetzt zum Glück nicht mehr nötig. Das Publikum ist etwas zahlreicher als letztes Jahr. Es besteht zu mindestens 70% aus Frauen im Alter von 50 bis über 80. Einige haben ihre Ehepartner, noch mehr ihre Schwestern, Mütter und Freundinnen mitgebracht. Ich besuche wieder den samstäglichen Literaturabend, an welchem 12 Schriftsteller:innen für jeweils ca. 20 Minuten aus ihren Werken vorlesen. Das dominierende Thema ist die Ukraine und wie die Betroffenheit seit der Annexion der Krim 2014 und die weiteren Ereignisse in dem Land, „das am Rande liegt“, so heisst die Ukraine wörtlich übersetzt, literarisch verarbeitet werden. Eindrucksvolle Worte findet die seit 11 Jahren in Wien lebende ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk: „Was ist Heimat? Heimat ist woher die Traumata kommen.“ Und sie fragt: „Kann man Kriege mit Kriegen beenden und statt der Bienen Nektar sammeln …?“

Mich erstaunt, dass „Corona“ kaum ein Thema ist. Oder habe ich etwas verpasst? Wie findet die Erosion der Demokratie, der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit usw. ihren Eingang in die zeitgenössische Literatur? Darauf erhalte ich keine Antwort. Jonas Lüscher beschreibt lediglich seine „tropische Traurigkeit“ während einer ungeplanten Quarantäne in einem Hotelzimmer in Kapstadt. – Lukas Bärfuss hinterfragt den europäischen Lebensstil. Dazu gehöre, im Sommer ans Meer zu fahren. Er hatte Ferien in einem Ort der Toskana gebucht und stellt nach seiner Ankunft fest, dass dort die Spuren des Faschismus noch sehr präsent sind. Auch der „Duce“ und seine Anhänger:innen hatten eine Vorliebe für diesen Ort. Dies veranlasst den Schweizer Schriftsteller über die toxische Maskulinität nicht nur des „Duce“, sondern auch zeitgenössischer Regierungshäupter in Ost und West zu schreiben, Berlusconi mit seinem „nachgezeichneten Haaransatz“ schliesst er nicht aus. Auch die Sicht auf das wunderbar türkise Mittelmeer lässt in Herrn Bärfuss keine Ferienlaune aufkommen: Jedes Jahr ertrinken dort doppelt so viele Flüchtlinge wie Leukerbad Einwohner:innen hat. Somit habe er eher nachdenkliche als erholsame Ferien verbracht. Vielleicht wird er in Zukunft lieber in die Walliser Berge fahren? Ich habe ihn nicht gefragt. Dankbar und zufrieden reisen alle wieder nach Hause, in der Gewissheit, dass es auch nächstes Jahr wieder genügend Sponsor:innen und Menschen mit Tatkraft geben wird, die dieses Festival ermöglichen. Auch wenn der Preis für Papier sich verdoppelt hat.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 21.06.2022

21. Juni, Sommersonnenwende: Eine besondere Zeit und noch eine Klangschale

Vom 14. Juni bis zum 14. Juli, von Neumond zu Neumond, findet dieses Jahr der energetische Höhepunkt statt. Besonders in der Zeit vom 21. bis 28. Juni. Sechs Planeten und der Mond befinden sich von der Perspektive der Erde aus gesehen in einer Linie. Das bedeutet eine Zeit der Prüfungen, denn alles wird verstärkt. Inneres Ausbalancieren ist wichtig. Heute schickt die Sonne ihre Strahlen in einem bestimmten Winkel durch die Steintore in Stonehenge, UK: Die Herzenergie wird dadurch weltweit aktiviert. Am 24. Juni feiern die Maoris das neue Jahr. Die Erntezeit ist vorbei, neue Samen können ab jetzt auf der südlichen Erdhalbkugel ausgesät werden. Vor kurzem wurde dieser Tag in Neuseeland zum offiziellen Feiertag erklärt.

Diese Zeit markiert einen wichtigen Schritt von alten nicht mehr passenden Herrschaftsstrukturen und -gehabe in eine Zeit der Zusammenarbeit zum Wohle des Ganzen. Am Beispiel der Ukraine wird dies deutlich: Dort tobt seit Ende Februar immer noch der Angriffskrieg des Kremls, und am 5. und 6. Juli wird in Lugano eine internationale Konferenz zum Aufbau der Ukraine stattfinden.

Bei der Leukerbader Floristin, die aus Bayern stammt, habe ich eine von Hand hergestellte Allgäuer Heilkräuterkerze gekauft, die speziell für die Zeit der Sonnenwende unterstützend wirkt. Die unter Hälfte ist orange, die obere feuerrot. Das Wachs enthält unter anderem Beifuss, Johanniskraut, Rosmarin und Holunder. In der dazugehörigen Broschüre steht: „Der Sommer ist ein Fest der Fülle, der Sinne und der Sinnlichkeit. Wir Menschen geniessen diese grenzenlose Kraft des Sommers – nun ist es wichtig, immer wieder in die Stille zu gehen, um mit unserem Inneren in Berührung zu kommen.“ Wir können uns zum Beispiel fragen: „Wie pflege und nähre ich den Samen, der in mir erblüht ist?“ – In mir ist die Liebe zu Kristallklangschalen erblüht. Seit dem 1. Juni habe ich als Ersatz für die zerbrochene eine neue mit Himalayasalz, Indium und Platin. Sie wirkt reinigend und weckt Einsichten und Visionen. Wenn ich sie anschlage, meine ich den Urklang der Schöpfung zu hören und sehe im Geiste Mönche in einem tibetischen Kloster. Natürlich hatte ich bei meinem letzten Besuch bei „UniversHarmonie“ vor drei Wochen in Lausanne eine dazu im Ton passende Klangschale aus rosa Rhodochrosit und Platin gefunden, aber wegen des hohen Preises nicht gekauft. Georg möchte sie mir zu meiner grossen Freude zum Geburtstag schenken. Für heute, dem Tag der Sonnenwende, habe ich wieder einen Termin in Lausanne vereinbart.     

Foto: Meine zwei neuen Kristallklangschalen und

Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 08.06.2022

08. Juni, Mittwoch: Beten für den Frieden

Am Nachmittag besuche ich die ukrainische Familie, die jetzt schon seit zwei Monaten bei unseren Nachbarn wohnt: Eine etwa 54-jährige Grossmutter und zwei Töchter mit jeweils zwei kleinen Kindern, ein weiteres Kind wird noch diesen Monat das Licht der Welt erblicken. Sie mussten aus Mariupol fliehen. Ihr glückliches Leben wurde durch den russischen Angriffskrieg jäh unterbrochen. Die Väter der Kinder müssen das Land verteidigen, der Grossvater wurde als Zivilist durch eine Granate verletzt und liegt jetzt in Luhansk in einem Spital. Diese Stadt wird von prorussischen Separatisten kontrolliert. Es ist ungewiss, wohin er nach seiner Genesung gehen darf, ob er festgehalten und verhört oder sogar nach Sibirien deportiert wird. Nach Mariupol kann die Familie nicht mehr zurück. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. Das Trinkwasser ist verseucht und der Ausbruch der Cholera wahrscheinlich.

Ich frage die Ukrainerinnen, wer mit mir in die Kirche von Bremgarten, die fünf Minuten zu Fuss von uns entfernt ist, kommen möchten. Wir könnten dort eine Kerze für die Ukraine anzünden. Ausser der Grossmutter, die das Abendessen vorbereiten will, möchten alle mitkommen. Sie staunen über die Schlichtheit der evangelisch-reformierten Kirche. Bei ihnen gäbe es keine Orgel, singen würde nur der Chor, sie selbst kennen die Gesänge nicht, auch keine Gebetstexte. Die Kinder wollen in dieser für sie fremden Umgebung lieber herumtoben, die zwei Mütter können sie kaum beruhigen. Unter der Obhut des ältesten Mädchens gehen die anderen Kinder nach fünf Minuten aus der Kirche hinaus. So kann ich doch noch in Ruhe drei Kerzen für den Frieden anzünden und ein Gebet auf Englisch improvisieren.   

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 07.04.2022

07. April, Donnerstag: Sonnensturm und morphogenetische Felder

Erhalten wir Hilfe von den Sonnenwesen? Gestern traf ein heftiger Sonnensturm auf die Erde. Es wurden vor kurzem Sonnenwirbel in der Nähe des Sonnenäquators entdeckt, die man in einer solchen Form noch nie gesehen hat. Haben diese eine reinigende und transformierende Wirkung?

Heute wurden im deutschen Bundestag sämtliche Vorlagen für eine allgemeine Impfpflicht abgelehnt. Die Vernunft hat gesiegt. Vorläufig zumindest. Und Russland wurde wegen seiner Kriegsverbrechen aus dem UNO-Menschenrechtsrat ausgeschlossen.
Anscheinend haben sich die russischen Truppen aus der Gegend von Kiew zurückgezogen. Dafür konzentrieren sie sich jetzt auf die Ostukraine. Immer mehr Kriegsgräuel kommen ans Tageslicht. Meine Patentante, die im 2. Weltkrieg die russische Besatzung in Deutschland erlebt hat, sagt: «Bei denen hat sich seither nichts geändert. Das ist doch schrecklich!» Eine gute Frage: «Wann ändert sich etwas?»
Das Mitgefühl mit der ukrainischen Bevölkerung ist in Litauen am stärksten, denn die Erfahrung der russischen Invasion im Jahre 1991 ist dort im Gedächtnis der Menschen noch sehr lebendig. Das Schweizer Radio interviewt den damaligen Präsidenten Vytautas Landsbergis. Dieser sagt, dass damals alle Litauer:innen bereit waren gemeinsam und mit nackten Händen ihr Land zu verteidigen. Sie sangen ununterbrochen die Nationalhymne und Volkslieder. Niemand wusste, wie dies ausgehen würde, doch die russischen Panzer zogen unverrichteter Dinge ab, und Litauen wurde als erstes Land von der damaligen Sowjetunion unabhängig.

Kurz vor der russischen Invasion fand in der Ukraine der «Tag der Einheit» statt. Präsident Selenski hatte alle dazu aufgefordert, so oft wie möglich die Nationalhymne zu singen. Georg meinte, wenn das die russischen Soldaten hören, sei es mit ihrer Kampfbereitschaft vorbei. Leider kam es anders. Doch wer weiss, eine Wirkung hatte das Singen bestimmt.

Die Stadt Bern hat beschlossen, auf einem grossen freien Grundstück, dem Viererfeld, bis Anfang Mai ein Dorf aus 400 Containern für eine kurzfristige Aufnahme von etwa 1000 ukrainischen Flüchtlinge zu erstellen. Der Vorteil: Diese müssten nicht in unterirdische Zivilschutzanlagen und könnten sich selbst organisieren. Inzwischen gibt es 28’000 ukrainische Flüchtlinge in der Schweiz, täglich werden es mehr. Es sind hauptsächlich Frauen und Kinder, auch viele Waisenkinder, oft mit Hund oder Katze. Etwa 40% finden bei Schweizer Gastfamilien eine private Unterkunft. In vielen Fällen geht das gut, oft gibt es aber Probleme. Die Gastfamilien werden mit Trauer und Traumata konfrontiert. Manchmal finden die Gäste die Zimmer zu klein, haben auch noch einen Kulturschock, hängen stundenlang an ihrem Handy, um das Neuste von ihren Liebsten zu erfahren. Oft verkriechen sie sich lieber als mit der Gastfamilie am gemeinsamen Mittagstisch zu sitzen. Beide Seiten sind dann überfordert, die helfende und die kriegstraumatisierte. Deshalb warnt die Direktorin der Schweizer Flüchtlingshilfe die Gastfamilien vor falschen Erwartungen und davor, eine «Helfer-Haltung» einzunehmen. Man solle sich eher an das Modell einer Wohngemeinschaft halten und sich auf Augenhöhe begegnen. Ein 15-jähriger ukrainische Junge brachte es auf den Punkt: «Die Berge in der Schweiz sind sehr schön. Aber ich möchte jetzt lieber in der Ukraine sein.»

Wann ändert sich etwas? Vor zwei Wochen habe ich entdeckt, dass Rupert Sheldrake sein Buch «Das schöpferische Universum. Die Theorie des morphogenetischen Feldes» aus dem Jahr 1981 fast 30 Jahre später aktualisiert und mit neueren Erkenntnissen ergänzt noch einmal veröffentlicht hat. Auf Deutsch ist es im Ullstein-Verlag erschienen. Seit den 80er Jahren war dieses Buch für mich ein Schlüsselwerk für mein Verständnis der Quantenphysik und vor allem dafür, wie wir selbst mit unserer eigenen Schöpferkraft energetisch wirken können. Um das Jahr 2000 herum zeigte Masaru Emoto, wie Gebete und Meditationen das Wasser dazu brachten, wunderschöne Eiskristalle zu formen. Mit seinen Fotos von gefrorenen Wassertropfen bewies er, dass Information die Struktur von Molekülen verändern kann. Rupert Sheldrake beschreibt, wie die Resonanz morphischer Felder bis in das menschliche Lernen hineinwirkt. Das bedeutet: «Was Menschen irgendwo auf der Welt gelernt haben, sollte in der Folge für andere Menschen überall auf der Welt leichter erlernbar sein.» S. 23 im genannten Buch.

Das 20. Jahrhundert nannten wir «das Jahrhundert der Kriege» und meinten, die Menschen hätten endlich gelernt, den Frieden vorzuziehen und das 21. Jahrhundert dementsprechend zu gestalten. Es braucht wohl noch seine Zeit. Müssen all die Kriege der letzten 22 Jahre und vor allem der jetzige in der Ukraine dazu dienen endlich zu lernen? Wir sind alle durch ein kollektives Feld miteinander verbunden und können kollektiv lernen, ohne uns einander zu kennen oder uns physisch zu begegnen.

Im «Bund» vom 2. April erscheint ein zweiseitiger Artikel mit der Überschrift: «Frankreich bräuchte dringend mal eine Psychoanalyse». Georg fragt mich: «Wie macht man das?» Gute Frage. Psychoanalyse ist Bewusstseinsarbeit. Nicht jeder oder jede ist dazu bereit, denn diese Arbeit ist so anstrengend wie Bergsteigen. Und ohne Leidensdruck bewegt sich niemand. Ein Patient fragte mich vor kurzem: «Wie lange dauert die Heilung eines Burnouts?» Meine Antwort: «das kommt darauf an, ob und wie intensiv Sie Bewusstseinsarbeit leisten wollen.» Er war erst mal enttäuscht, weil ich ihm kein Wundermittel gab. Dann aber wieder beruhigt darüber, dass er es selbst in der Hand hat und dass ich ihn dabei ein Stück des Weges begleiten kann.

Während der letzten 42 Jahre meiner psychotherapeutischen Arbeit habe ich mich oft gefragt, ob Einzelsitzungen sinnvoll, ein Luxus oder eine Sisiphus-Arbeit seien. Doch immer wieder berichteten mir meine Patient:innen, wie sich plötzlich oder allmählich ihr Umfeld veränderte: Der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin war kompromissbereit, oder die Liebe zueinander war wieder erwacht. Unangenehme Mitmenschen verschwanden, wunderbare traten neu in das Umfeld ein. Mir wurde klar: In jeder Therapiesitzung ist das kollektive Feld präsent und unsere Gespräche wirken darauf ein. Wenn jetzt genügend Franzosen und Französinnen zu einer Psychoanalyse bereit wären … In der Bibel wird irgendwo von 144’000 Menschen gesprochen. Zum Glück gibt es auch die Sonnenwesen, die in unser morphogenetisches Feld wirken und uns Licht bringen.  

Foto: Magnolienblüte in New energy vision

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 17.03.2022

17. März, Mittwoch: Saharastaub, Solunate und Kriegstrauma

Seit drei Tagen verdeckt der Saharastaub auch die Walliser Sonne, taucht alles in gedämpftes safrangelbes Licht und lässt sich auf der grünen Gartenbank auf der Dachterrasse nieder. Mein griechischer Oregano hat den Winter überstanden und streckt seine ersten hellgrünen Blättchen aus der Erde. Im Flachland macht sich der Frühling schon stärker bemerkbar. Georg schickt mir per Post ein paar Blätter Bärlauch, den er in Bremgarten am Hang zur Aare pflückt. Seiner linken Hand geht es langsam besser, belasten kann er sie immer noch nicht. Zum Schutz trägt er manchmal noch eine Orthese, eine abnehmbare Schiene, die das Handgelenk stabilisiert, wenn er zum Beispiel bei der Gartenarbeit oder beim Einkauf beide Hände gebrauchen muss. – Ihr erinnert euch: Georg war am 17. Oktober in Leukerbad ausgerutscht und hatte sich mit der linken Hand aufgefangen. Innerhalb von vier Wochen wurden Unterarm und Handgelenk 12mal geröntgt. Kein Arzt wollte sich nicht auf eine Diagnose festlegen oder eine Operation empfehlen. Doch die Wirkung der geballten Ladung an Röntgenstrahlen war eine schwere Verbrennung der Haut, und das Handgelenk konnte sich bis jetzt noch nicht regenerieren. – In den letzten Monaten waren viel Zeit und Geduld wichtig. Georg wandte kalte Wickel an, badete den linken Arm mit Meersalz und trug immer wieder verschiedene Salben zur Heilung der Verbrennung auf, vor allem Zinksalbe. Die Radioaktivität musste Georg unbedingt so schnell wie möglich ausleiten, damit sie keinen weiteren Schaden anrichten konnte. Die Verbrennung verbreitete sich auch auf den rechten Arm. Es war, als ob dieser mithalf, den Schaden zu heilen. Dies erinnerte mich daran, was ich einmal in einem Seminar über Anwendungen und Wickel mit dem Heilgestein AION A aus der Emma-Kunz-Grotte bei Würenlos gelernt hatte: Mit einem Wickel lässt sich auch das Gelenk behandeln, welches dem betroffenen Gelenk gegenüberliegt. Im Verlauf des Februars schälte sich die verbrannte Haut beider Arme. Es bildete sich eine neue, zunächst noch sehr empfindliche Haut. Es tat Georg weh, sie nur schon mit einem langärmeligen Hemd zu bedecken. Sein Hausarzt ist der Meinung, dass mit seinem Röntgengerät alles in Ordnung und die Ursache für die starke Verbrennung woanders zu suchen sei. Er würde Georg, falls gewünscht, an einen Hautspezialisten überweisen. Georg winkt ab: «Was bringt das ausser einer weiteren Arztrechnung?»  
Im Internet recherchiert er nach Informationen zur Ausleitung von Radioaktivität und findet die sogenannten «Solunate». Dieses Heilmittelsystem wurde um 1900 von Alexander von Bernus entwickelt und kam 1921 in Deutschland auf den Markt. Das System umfasst 24 zusammengesetzte Heilkräutertinkturen zur Prävention, Unterstützung der Selbstheilungskräfte und zur Heilung verschiedener Krankheiten. Davon hat Georg sich vier verschiedene Tinkturen für Lymphe, Haut, Leber und Nieren besorgt. Unsere Drogerie in Bremgarten konnte sie von Deutschland kommen lassen. Wir sind so von der positiven Wirkung begeistert, dass diese Mittel bereits einen festen Platz in unserer Hausapotheke erhalten haben. Das Buch von Siegfried Sulzenbacher « Die Solunate: Dynamische Mittel für den Praktiker, Hausapotheke und bewährte Therapien» vom ML-Verlag hat Georg mir geschenkt. Wer mehr wissen möchte: www.soluna.de

Die am 24. Februar begonnene militärische Invasion des Kremlherrn in der Ukraine dauert immer noch an. Der Kampfwille der Ukrainer:innen ist nach wie vor ungebrochen, auch wenn besonders die Bevölkerung in den Städten viel Leid erfahren musste. Bereits in den Jahren 2014 und 2015 hatte Georg mit seiner Organisation «Forum Ost-West» insgesamt 11 Hilfstransporte à 28 Tonnen mit humanitären Hilfsgütern für die Ukraine organisiert. Im Anschluss daran haben wir die dortige Selbsthilfe zur Heilung von Menschen mit einem Kriegstrauma aufgegleist. Ein Informationsblatt über das posttraumatische Syndrom für Angehörige von zurückgekehrten Soldaten gibt es inzwischen auf Ukrainisch. Die zuständigen Fachleute wollten es gerade jetzt drucken und verteilen, doch im Moment verbringen sie die meiste Zeit im Luftschutzkeller.
Ein Krieg richtet nicht nur materielles, sondern vor allem psychisches Leid an. Mein Ehepartner Georg hätte nicht gedacht, dass die Erinnerung an August 1968 wieder so stark in ihm aufsteigt: Am Morgen des 21. August fuhren die russischen Panzer an seinem Fenster in Prag vorbei. Die Scheiben klirrten. An dieses Geräusch und die nächsten Szenen in der Prager Altstadt, auch wie er mit den russischen Soldaten das Gespräch gesucht hatte, kann Georg sich wieder genau erinnern. Alles ist für ihn wieder präsent. Seinen drei Schwestern, meinen Schwägerinnen, die in der Tschechischen Republik wohnen, geht es ebenso. Auch unseren tschechischen Freunden, die vor mehr als 50 Jahren Asyl in der Schweiz fanden.
Irgendein Geräusch, ein Geruch, eine Szene aus dem Alltag kann ein «Flashback» bewirken. Das Trauma wird plötzlich «getriggert» und in der Gegenwart 1:1 wiedererlebt. Ich erinnere mich an die Reaktion meiner Mutter, nachdem wir in der Wohnküche unseres Hauses einen kleinen Schwedenofen installiert hatten. Mit Entsetzen betrachtete sie das Ofenrohr und sagte: «Das erinnert mich an den Krieg.» Für mich dagegen wurde der Ofen zum Inbegriff von Wärme und Gemütlichkeit. Meine Mutter sagte mir oft: «Du hast keine Ahnung. Du hast den Krieg nie erlebt!»
Einmal kam eine deutsche Patientin zu mir nach Bern zur Psychotherapie. Sie hatte das Ende des 2. Weltkriegs in ihrer mit ihr schwangeren Mutter erlebt. Als erwachsene Frau litt «ohne für sie ersichtlichen Grund» unter Stottern, verschiedenen Schmerzen und Ängsten. Kein Arzt hatte ihr helfen können, die Invalidenversicherung stempelte sie als Simulantin ab. Erst ihre Träume brachten uns auf die Ursache ihrer Beschwerden und zeigten den Weg zur Heilung.
Kurz nach dem damaligen Krieg in Jugoslawien verbrachten wir viele Jahre unsere Herbst- und manchmal auch Weihnachtsferien in Kroatien und Montenegro. Zwei unserer Freunde hatten für die Stadt Dubrovnik gekämpft und Streifschüsse am Kopf erlitten. Einen von ihnen hatte die Kugel sogar die Haare gestreift, die an der betroffenen Stelle nicht mehr nachwuchsen. Beide können sich noch daran erinnern, dass sie zu Boden fielen und eine Zeit lang bewusstlos waren. Die Folgen dieses Traumas waren zeitweise Gleichgewichtsstörungen, die ihren Alltag sehr einschränkten. Damals hatte ich gerade meine Ausbildung in Craniosakraltherapie abgeschlossen und wusste, wie man Traumata, die sich in den Körperzellen, besonders in Knochen und Gelenken, in der Form von sogenannten Energiezysten «eingenistet» haben, lösen und heilen kann. Unser Körper verschliesst die Information eines Traumas in solchen Energiezysten zum Selbstschutz ein, damit wir weiterhin funktionieren können. Allerdings braucht dieses Ein- oder Wegschliessen ständig kostbare Lebensenergie, die uns dann im Alltag nicht mehr zur Verfügung steht. Die Folge: Unser vegetatives Nervensystem kann sich nicht mehr ausbalancieren, wenn ein chronischer innerer Alarmzustand herrscht und auch unser Immunsystem wird geschwächt. Aus zeitlichen und geographischen Gründen konnte ich unsere beiden kroatischen Helden nur zweimal behandeln. Doch dies genügte, um wenigstens die Gleichgewichtsstörung zu heilen. Sie waren dafür sehr dankbar, weil diese ihren Alltag sehr eingeschränkt hatte. Ich erinnere mich noch, dass wir einmal Silvester in Dubrovnik verbrachten. Unser Freund verabschiedete sich einen Tag vor dem Fest. Er werde den Jahreswechsel ausserhalb der Stadt in einer abseits gelegenen Wohnung verbringen, wo er das Feuerwerk nicht hören könne. Silvester würde er jedes Jahr unter der Bettdecke und mit einer Schachtel Tabletten gegen Migräne verbringen. Auch wenn seine Freundin dafür kein Verständnis hätte. So können Feuerwerke bei Festen Kriegstraumata wieder aufleben lassen. Dies wissen nur wenige Menschen und verstehen die Reaktion von traumatisierten Verwandten und Freunden nicht. Die Betroffenen verstehen sich manchmal auch selbst nicht. Entweder mögen sie erst gar nicht darüber reden oder haben viele Erlebnisse erfolgreich ins Unbewusste verdrängt, um sich zu schützen. Bei Männern, die an einem Krieg teilgenommen haben, kommt noch hinzu, dass sie als Helden nach Hause zurückkehren, zunächst gefeiert werden, alle sind stolz auf die Heldentaten, die sie jedoch besser nicht erzählen oder die eigentlich niemand hören will. Sie selbst beziehen ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität von der Rolle des Helden. Und dann? Nach einiger Zeit wird klar, dass sie nicht zum normalen Familien- oder Arbeitsalltag zurückkehren können. Der Staat lehnt in vielen Fällen die Zahlung einer Rente ab. Aber das Trauma der Vergangenheit holt die Helden ein. Die Folge sind Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, Verwirrtheit, Arbeitsunfähigkeit. Sie merken, dass sie nicht mehr dieselben sind wie vor dem Krieg. Die engste soziale Umgebung hat kein Verständnis für ihr Verhalten und ihre Geschichten. Die Rückkehrer, die eine sichtbare körperliche Verletzung davongetragen haben, werden noch eher verstanden, zum Beispiel wenn ihnen ein Arm oder ein Bein fehlt. Besonders die psychischen und damit unsichtbaren Folgen lassen den Helden einsam werden. Viele Ehefrauen wollen jedoch ihren Helden zurück und verstehen nicht, dass er im Alltag, wo er jetzt nicht mehr am Leben bedroht ist, immer noch ängstlich ist oder auch ohne nachvollziehbaren Anlass und völlig unerwartet Wutanfälle bekommt. Viele «Helden» fühlen sich allein gelassen und nicht verstanden, sie verstehen sich oft selbst nicht. Sie ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück und helfen sich mit Alkohol und Drogen. Viele begehen Selbstmord, manch einer läuft Amok. Von der Wut gepackt erschiessen sie wahllos unschuldige Menschen und richten sich manchmal anschliessend selbst.
Erst nach dem Vietnamkrieg fand die Diagnose «posttraumatisches Syndrom» offiziell Anerkennung und Eingang in das Verzeichnis der psychischen Krankheiten im amerikanischen Kompendium der Diagnostik für Psychopathologie.

So viel zur Diagnose. Und wie kann die Therapie aussehen?

Familienmitglieder und Bekannte sind zunächst die besten Personen, an welche sich ein aus dem Krieg zurückgekehrter traumatisierter Soldat wenden kann. Es hilft ihm, wenn er in einer vertrauensvollen Atmosphäre von seinen Erlebnissen erzählen kann. Liebe und Tränen sind die beste Therapie. Dazu müssen die Nächsten folgendes wissen: Auch ein Held darf weinen. Auch ein Held möchte liebevoll umarmt werden. Lasst ihn erzählen, stundenlang, immer wieder. Auch wenn er sich wiederholt. Wird es den Zuhörenden zu viel, ist dies verständlich. Denn ein erzähltes Trauma kann auch die Zuhörerschaft traumatisieren. Fachleute sprechen dann von einem Sekundärtrauma. Hilfreich ist es, wenn der Betroffenen sich mit ähnlich traumatisierten Kollegen in einer Gruppe austauschen kann. Erkundigen Sie sich nach Selbsthilfegruppen oder organisieren sie selbst eine. Dies alles kann verhindern, dass der Traumatisierte sich von seinem sozialen Umfeld zurückzieht, sich verschliesst, schweigt und dem Alkohol oder anderen Drogen verfällt.
Gibt es die Möglichkeit oder die zusätzliche Möglichkeit einer professionellen Therapie, ist meiner Erfahrung nach die Craniosakraltherapie eine der hilfreichsten.  
Manchmal werden auch Körperübungen angeboten, die der Betroffene als Selbsthilfe ausüben kann. Fragen Sie danach. Psychopharmaka und Schmerzmittel können kurzfristig hilfreich sein, bekämpfen jedoch nur die Symptome und verhindern eine Verarbeitung des Traumas.

Fühlt sich ein Betroffener durch Gebete oder eine Religion angesprochen, so kann folgende Affirmation helfen:

«Ich bitte darum, dass sich die gesamte Information des Traumas aus dem Gedächtnis meiner Körperzellen ganz und gar löst, zurückkehrt zu Gott, dem Allmächtigen. Alles, was mich bedrückt und krank macht, wird transformiert durch das göttliche Licht. Hiermit übergebe ich das Trauma dem allmächtigen Gott unter Beistand von Jesus Christus, der den Tod am Kreuz auch für mich überwunden hat. Ich bin erlöst und geheilt. Amen.» 

Foto: Saharastaub auf meiner Gartenbank
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 12.03.2022

12. März, Samstag: Gebete werden erhört

Weltweit wird für Frieden gebetet, meditiert und demonstriert. Auch quer durch die Schweiz von St. Gallen, Zürich, Bern bis nach Genf gehen die Menschen zu zehntausenden für den Frieden in der Ukraine auf die Strasse. Die Glückskette hat inzwischen über 50 Mill. Franken an Spenden gesammelt, 10’000 Haushalte haben sich gemeldet und möchten Flüchtlinge aufnehmen.
Unterdessen nimmt die russische Invasion an Brutalität gegen die Zivilbevölkerung zu. Zusagen für humanitäre Korridore werden kurzfristig wieder zurückgenommen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die Feuerpausen immer wieder zu unterbrechen. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf und wissen, dass jedes Gebet erhört wird. Jedes Gebet, jeder gute Gedanke kann den Unterschied machen. Manchmal im letzten Moment. Beeinflusst wird das gesamte morphogenetische Feld, ein Energiefeld, in welchem Möglichkeiten zur Wirklichkeit werden können. Wird die «Kritische Masse» erreicht, so kippt der Zustand des ganzen Feldes. Zum Beispiel benötigt es nur noch eine winzige Temperaturerhöhung, bis Wasser zu kochen beginnt. Wann genau eine Situation in ihr Gegenteil kippt, ist schwierig vorauszusagen. Manchmal passiert es eine Minute vor zwölf.
Dies zeigt das Beispiel Österreich: Am 9. März wurde das Gesetz zur Impfpflicht, welches am 15. März in Kraft treten sollte, ausgesetzt. Die Begründung: Es sei unverhältnismässig! Und per 9. April werden in Kanada alle Corona-Massnahmen inklusiv Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen – Trucker! – aufgehoben.

Gestern erhielten wir endlich wieder eine Nachricht von unserem Kiewer Freund. Wir sind erleichtert: Er konnte mit seiner Frau nach Polen fliehen, es geht ihnen den Umständen entsprechend gut. Er schreibt Georg:

“After a week of living under fire and endless sirens, we decided to leave Ukraine. We were received by a Polish family, our daughter’s friends. We got more than two days, but now on the spot. We are treated very well, but it can last so long, if the war drags on for months. I never imagined in my nightmares that we could become refugees. You paint the rest in your imagination. That is, it is not known what happened to our apartment in Kyiv. That’s all, because what else to say?»

Wir danken ihm für seine Nachricht und antworten, dass wir froh sind, dass er und seine Frau noch leben: « We have been worrying what might happen to you. Now we are glad that you and your wife are still alive. Take your time to recover and, please, do write as much as you can. Also write down your dreams, if you can remember them. Your writing is very precious and important. »

Foto: Gebetsfeder eines Kondors
und Text: Petra Dobrovolny und NN

Mein Tagebuch: 05.03.2022

05. März, Samstag: Ukraine, Tag 10

Georg telefoniert jeden Tag mit unserem Freund in Kiew. Dieser pendelt zwischen seiner Wohnung und dem Luftschutzkeller hin und her, die russischen Bombenangriffe finden meistens morgens zwischen 3 und 5 Uhr statt. Unterdessen gibt es bereits mindestens 1.5 Millionen Flüchtlinge, die ausländischen Journalist:innen haben das Land verlassen. Um so wertvoller sind die Berichte unseres Freundes, die ich hier aus aktuellem Anlass wiedergebe. Verständlicherweise will er anonym bleiben.

 «The situation remains very dramatic. Today, the occupying troops captured Kherson in southern Ukraine. They also control smaller cities to the north and northeast of Kyiv. They were captured by troops and sabotage groups who came from the territory of Belarus. Today, the occupying troops of Belarus itself have also come to Ukraine. To the north of Kyiv, a huge column of tanks and combat vehicles of the invaders is concentrated. It is not known when they will launch a general offensive against Kyiv.

“So far, rocket attacks on Kyiv and neighboring towns are carried out several times every day. Today, Russian fascists shelled the Kiev TV tower. Missed, rockets hit the nearby Memorial to the victims of the Holocaust in Babi Yar. The Jews of Kyiv have already been shot twice - by German fascists in 1941 and now by Russian fascists in 2022.
 
At night, the situation on the main roads and local roads is very uncertain. Parts of the segments are controlled by our troops, part by groups of saboteurs. Russian fascists are engaged in looting, take away from the population, food, fuel and lubricants for transport, take away mobile phones, because our government has turned off mobile communications with Russia and the phones of the occupiers do not work.
 
Saboteurs seize the cars of our citizens left on the streets and in the courtyards of houses. At night, looters commit sabotage on these machines, attack our troops. During the day, there are few cars on the streets. We don't know who is in them. 
 
As you understand, under such conditions, the delivery of any humanitarian cargo by private carriers is impossible. Very high probability of their destruction on one side or the other. The task of carrying out military or humanitarian transport is carried out only by our army or carriers authorized by it. Dear friends, if you collect any assistance to Ukraine, which we now badly need, seek contacts with our army and our military administrations. From my point of view, the best way is to find contacts with hubs of assistance to Ukraine, which are organized on the territory of Poland, possibly Slovakia. But not in Hungary, whose leadership is torn between Europe and the Kremlin.
 
In the first two days of the war, the civilian population could still leave Kyiv, but now it is almost impossible. Our friends from Italy and Poland offer us to move. In Poland, there is even an empty house that they offer to give us. But running away is now irrational. There is an equal chance of dying here as on the road to the western border. We remain prisoners of the situation.»

Foto und Text: Petra Dobrovolny und NN

Mein Tagebuch: 26.02.2022

26. Februar, Samstag: Frühling in welcher Welt?

Ein Freund aus dem „Unterland“ schickt mir Fotos mit Winterlingen und Krokussen, damit ich hier in den Schneebergen nicht vergesse, wie der Frühling aussieht. Die Störche seien schon zurückgekehrt, schreibt er.

In Kanada hat Premierminister Trudeau das Notstandsgesetz wieder aufgehoben, nachdem die Polizei brutal gegen die friedlich Demonstrierenden durchgegriffen hat. Er hatte sie als Kriminelle, die obendrein noch die Hakenkreuzfahne schwenken, bezeichnet. Sogar das Parlament hatte er für ein paar Tage ausser Kraft gesetzt. Nun wird ihm vorgeworfen, dass er mit den Truckern noch nicht einmal geredet, sondern auch seine Macht missbraucht habe. Einen Grund für den Ausruf des „Act of Emergency“ hätte es nicht gegeben. Inspiriert von den kanadischen Truckern hat sich in den USA von Kalifornien aus ein „Convoy for Freedom“ in Gang gesetzt. Dieser will am 5. März Washington D.C. erreichen und findet in der Bevölkerung grosse Unterstützung. Es geht schon längst nicht mehr nur um „No Pass – no Vaxx“, sondern grundlegend um die Freiheit und Selbstbestimmung über den eigenen Körper. In einem BBC-Interview sagt Novak Djokovic, dass er lieber auf seine Teilnahme an Tournieren mit Impfpflicht verzichte als sich impfen zu lassen. Er sei immer damit sehr achtsam gewesen, was er in seinen Körper hereinlasse. Da kenne er keinen Kompromiss, auch wenn der Preis sehr hoch sei und er nicht als bester Tennisspieler aller Zeiten in die Geschichte einginge.
 
Vor dem Hauseingang treffe ich meinen 80-jährigen Nachbarn aus Norddeutschland, der nun 2 Wochen lang in Leukerbad war. Morgen fährt er wieder nach Hause. Ich frage ihn nach der Corona-Situation, denn in Deutschland sind die Massnahmen immer noch in Kraft und werden noch andauern. Er sagt: „Zum Glück!“  Ich wundere mich, warum er Angst hat, denn er hatte mir gesagt, er sei zweimal geimpft und einmal geboostert. Wir Deutsche hätten aber jetzt ein grösseres Problem, meint er, denn wir hätten Krieg. Die Schweiz sei da zwar neutral, aber die russischen Panzer stünden schon vor Kiew. Er erwartet eine massive Geldabwertung und einen Mangel an russischem Gas. Dann könnte er im Winter nur noch ein einziges Zimmer seiner Wohnung heizen. Schliesslich sagt er, an dem allen könnten wir sowieso nichts ändern. Ich denke anders, doch er will meine Meinung gar nicht hören.

Wir können viel mehr als wir meinen. Zum Beispiel für den Frieden beten und auf dem Majdan in Kiew eine Lichtsäule errichten. Vor ein paar Tagen hatte ich Putins Rede zur Kriegserklärung auf Youtube in Simultanübersetzung gehört. Die deutschen Kommentare unter dem Video waren alle positiv. Es sei logisch, was er sage, Russland sei tatsächlich vom Westen bedroht. Ein Freund, der in der Nähe von Berlin wohnt, wird am Sonntag an der dortigen Grossdemo für den Frieden und gegen die Invasion in die Ukraine teilnehmen.

So weit ist es inzwischen mit der Spaltung der Gesellschaft gekommen. Andersdenkende werden als Kriminelle, Nazis, Sektenmitglieder oder Drogensüchtige beschimpft. Sie werden zu Monstern gemacht, gegen die man sich schützen und gewaltsam vorgehen muss. In welcher Welt leben wir?

Foto: Georgs Friedensfeuer
und Text: Petra Dobrovolny